Inbetriebnahme startet im Herbst
Während RFID in den meisten Bibliotheken für die Abwicklung des Leihverkehrs oder als Diebstahlschutz Verwendung findet, nutzt die Kunstbibliothek im Sitterwerk bei St. Gallen in der Schweiz die Technologie zukünftig zur Durchführung einer permanenten Bibliotheksinventur. Seit sechs Monaten arbeitet ein Ingenieur an einer auf die Bedürfnisse der Präsenzbibliothek zugeschnittenen Lösung. Mit einer ersten Test-Inbetriebnahme rechnet Jacques Erlanger, Koordination und Geschäftsführung des Sitterwerks, im kommenden Herbst.
"Wir planen zunächst, die Lösung bei rund 8 000 Bänden der insgesamt 25 000 Bücher zu testen", informiert der Geschäftsführer. Ein Lesegerät erfasst vollautomatisiert die Regale der Bibliothek, so kann eine permanente Inventur der Bücher durchgeführt werden. Auf einer vertikalen Schiene ist ein Lesegerät angebracht, das auf dieser am gesamten Regal entlang fährt und mithilfe von Sensorik sogar Hindernisse umfahren kann. "Steht eine Person vor dem Regal, erkennt das Gerät dies und stoppt", erläutert Erlanger. Die RFID-Etiketten sind auf der Innenseite der Buchdeckel eingeklebt und fungieren als Bindeglied zur Datenbank, die Chip-ID ist mit der Bibliotheksnummer verbunden.
Die Inventur der Bücher soll einmal täglich erfolgen, also nicht in Echtzeit. Ziel der Anwendung ist es, von allen Bänden immer den aktuellen Standort zu kennen und den Verlauf der Positionswechsel zu speichern. Der Zwang zur disziplinierten Benutzung der Bibliothek wird hinfällig, vielmehr kann jedes Buch überall abgelegt werden und bleibt dennoch für alle auffindbar. Als Ergebnis erhofft sich Jacques Erlanger in erster Linie eine dynamische Ordnung der Bibliothek, basierend auf inhaltlichen Zusammenhängen, beispielsweise einem bestimmten Themenbereich anstatt nach dem Künstleralphabet. Das Sitterwerk wird gewisse Personengruppen (Künstler, Wissenschafter, etc.) einladen, ihre eigene Bibliothek zusammenzustellen und so Zugang zu geben zu ihrer spezifischen Sicht der Welt, ohne dass das allgemeine Auffinden der Bücher erschwert wird.
In Planung ist außerdem eine Ausweitung der RFID-Technologie auf die Bibliothekstische: Diese sollen mit RFID-Antennen ausgestattet werden, sodass die Bücher auch dort erfasst und verwaltet werden können. Somit wäre es jederzeit möglich, den Standort der einzelnen Bände zu ermitteln.
Text: RFID im Blick (JS)
Foto: Sitterwerk 2009









