
Der Logistiker von morgen ist Informationslogistiker – Hermann Ude, Dr. Keith Ulrich und Andreas Kruse von Deutsche Post DHL stellen sich den Fragen von Anja Van Bocxlaer, „RFID im Blick“
Herr Dr. Ulrich, welche Bedeutung messen Sie der RFID-Technologie bei?
Dr. Keith Ulrich: RFID ist für uns auf der einen Seite eine unterstützende Technologie, um benötigte Informationen zu generieren. Auf der anderen Seite bietet RFID die Möglichkeit, verschiedenste Techniken intelligent miteinander zu kombinieren und dadurch einen zusätzlichen Mehrwert zu schaffen. Ein Beispiel ist die Kombination von RFID und Sensorik. Mithilfe eines Sensortags kann die Temperatur während des Transports abgebildet werden. Mit dieser Möglichkeit hebt sich die Technologie gleichzeitig auch vom Barcode ab und stiftet einen erheblichen zusätzlichen Mehrwert. In diesem Zusammenhang muss auch nicht mehr über die Kosten der Transponder - ob nun acht oder zehn Cent - diskutiert werden. Die Diskussion um die Einführung von RFID anders zu führen und neue Lösungen zu entwickeln, ist spannender und zielgerichteter als die bekannte Diskussion über den Tagpreis. Wir müssen endlich ein Stück weiterkommen. In diesem Zusammenhang spielt der Logistiker eine wichtige Rolle, um Lösungen einmal komplett für die vertikale Ebene zu entwickeln und für ein oder zwei Industrien anzubieten.
Welche Ziele wollen Sie zukünftig im Hinblick auf die RFID-Technologie erreichen?
Dr. Keith Ulrich: Unser Ziel ist es, für unsere Kunden die komplette Supply-Chain mit RFID auszustatten. Bisher ziehen auf der einen Seite die verschiedenen Beteiligten in der Supply-Chain so beispielsweise Handel oder Industrie, unterschiedliche Nutzenvorteile aus der Technologie, und auf der anderen Seite werden logistische Leistungen von verschiedenen Anbietern übernommen. Um die Einführungsbarrieren von RFID zu überwinden, braucht es einen Lösungsanbieter, der ein gesamthaftes Informationsmanagement gewährleisten und auch die Infrastruktur in einem gewissen Umfange bereitstellen kann.
Herr Kruse, was heißt für Sie technologie-orientierte und innovative Logistik?
Andreas Kruse: Ich stimme Herrn Dr. Ulrich zu. Das ist die Erwartungshaltung, die uns gegenüber immer wieder zum Ausdruck gebracht wird. Wir nehmen im Prinzip eine Integratorenrolle ein, der sich sowohl Deutsche Post DHL als auch die anderen Unternehmen aus der Logistikindustrie stellen müssen. Das heißt, dass einerseits die Logistiker in diese Richtung denken sollten, andererseits aber auch die Unternehmen Bereitschaft zeigen müssen, gemeinsam(e) Strategien zu erarbeiten. Bisher war es so, dass immer singulär an einer Schnittstelle von einem Unternehmen hin zum anderen versucht wurde, das Thema RFID zum Fliegen zu bringen. Es geht aber vielmehr um die ganzheitliche Betrachtung, mithilfe derer die Vorteile gehoben werden sollen. Diese Entwicklung ist für uns ein nächster logischer Schritt, den es für eine Industrie und für bestimmte Kunden aufzubauen und entsprechend als Lösung anzubieten gilt.
Würden Sie es begrüßen, wenn Deutsche Post DHL als Treiber der Technologie bezeichnet wird oder ist Ihnen das zu wenig?
Dr. Keith Ulrich: Deutsche Post DHL ist nicht der Treiber der Technologie, sondern eher der Treiber, um Lösungsangebote für seine Kunden zu entwickeln. Der Logistiker von morgen wird der Lösungsanbieter sein, der diese Technologien nutzt. Heute befinden wir uns nicht mehr in der Phase, in der es noch an Technologie mangelt, um diese einführen zu können, sondern es mangelt an der intelligenten Verzahnung der Beteiligten, um die Technologie implementieren zu können. Der Logistiker hat hier ganz andere Möglichkeiten, da verschiedene Beteiligte miteinander verknüpft werden müssen.
RFID ist laut Branchenkennern kein Trend- oder Modethema, sondern eine Pflichtaufgabe für Unternehmen, die sich für die Zukunft kostenoptimiert und innovativ aufstellen wollen. Welche Bedeutung hat die RFID-Technologie für Ihren Konzern bereits heute?
Hermann Ude: Deutsche Post DHL hat in den vergangen Jahren erheblich in die Weiterentwicklung von RFID-Technologie investiert. Mit einer Reihe von Partnerunternehmen haben wir sowohl Grundlagenforschung betrieben als auch konkrete Anwendungen für Kunden entwickelt. Dieses gilt beispielsweise für die Laufzeitmessung von Briefen ebenso wie für das Taggen sämtlicher Waren auf Palettenebene für Metro Cash&Carry in Frankreich oder der Wareneingangserfassung hochwertiger Elektronikartikel für Sony in Deutschland. Insofern sehen wir zur Zeit einen Wandel von einer potenziell strategischen Bedeutung von RFID zu einer praktisch geschäftlichen Bedeutung.
Lesen Sie das gesamte Interview in der Maiausgabe des Fachmagazins „RFID im Blick".









