Goal Line Technology soll Fehlentscheidungen von Schiedsrichtern verhindern
Im Spiel der TSG Hoffenheim 1899 gegen Bayern München wurde am vergangenen Wochenende ein klarer Treffer durch Hoffenheims Neuverpflichtung Josip Simunic nicht gegeben. "Ein einziges Tor kann in der Welt des Fußballs sehr wichtig sein", kommentierte auch Bayer-Trainer van Gaal bei Spiegel online. Und so gerät wieder einmal die Diskussion in Gang, ob nicht Technologien wie die Torkamera oder der "Chip im Ball" Abhilfe bei Schiedsrichterfehlentscheidungen schaffen könnten.
"Mit der Goal Line Technology (GLT) hat das Unternehmen Cairos technologies bereits bei der FIFA Club WM 2007 in Japan ein System getestet, das mithilfe eines Sensors im Ball dem Schiedsrichter in Sekundenschnelle mitteilt, ob der Ball hinter der Linie war oder nicht. "Unser System war in drei Stadien eingebaut und wurde bei sieben Spielen unter Wettkampfbedingungen getestet. Die Tests waren ein voller Erfolg. Das System kann innerhalb eines Tages in jedem Stadion der Welt installiert werden", berichtet Oliver Braun von Cairos technologies.
Und so funktioniert das System: An der Begrenzung des Strafraums und hinter dem Tor sind 15 Zentimeter unter dem Rasen rund 0,3 Zentimeter dicke Kabel verlegt. Diese erzeugen, wenn Strom durchgeleitet wird, sehr schwache Magnetfelder. Im Ball enthalten ist ein 15 bis 20 Gramm schwerer Sensor, der die Magnetfelder misst, sobald er sich in deren Nähe befindet. "In Tests wurde der Ball 2 000 Mal hintereinander bei 140 Stundenkilometern gegen eine Wand gespielt. Werte, die selbst Spieler wie Roberto Carlos oder Thomas Hitzlsperger, die als Spieler mit dem härtesten Schuss gelten, nicht erreicht haben. Trotzdem funktionierte die Technologie einwandfrei", erklärt Oliver Braun gegenüber "RFID im Blick". Wird der Ball in den Strafraum geschossen, sendet der Chip über Funk die Messwerte an zwei Empfangsantennen. Auf Basis der Werte ermittelt ein Computer in einem Sekundenbruchteil, ob der Ball die Torlinie komplett überschritten hat oder nicht. Der Schiedsrichter wird dann per Funk auf seiner Armbanduhr informiert. Das System funktioniert dabei ähnlich der RFID-Technologie.
In 2005 wurde ein gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut entwickeltes System erstmals bei der Jugend-Weltmeisterschaft in Peru getestet. "Die Werte, die dort erzielt worden sind, waren aber noch zu ungenau", berichtet Braun. Und obwohl das heutige System einwandfrei funktioniere, seien einige wichtige Entscheider noch auf dem Stand von 2005. So beispielsweise auch DFB-Schiedsrichterlehrwart Eugen Striegel. "Ich konnte ihm in einem Gespräch erklären, dass die Technologie heute funktioniert. Herr Striegel hat jetzt signalisiert, dass sich die Schiedsrichter eine solche Hilfe wünschen", beschreibt Braun das Feedback der Schiedsrichtergilde.
Auch die deutsche Bundesliga sei nicht abgeneigt, die Technologie einzuführen. Entschieden werde allerdings auf höchster Ebene, in diesem Fall beim Weltfußballverband FIFA. "Der DFB und die DFL haben der FIFA sogar angeboten, erste Tests in der Bundesliga durchzuführen." Allerdings wurde erst im Februar 2009 das Projekt "Chip im Ball" vom Weltverband und dem International Football Association Board (IFAB) auf Eis gelegt. Daher sei derzeit nicht einschätzbar, wann mit einer Einführung zu rechnen sei. "Fehlentscheidungen haben teilweise enorme finanzielle Verluste für die betroffene Mannschaft zur Folge. Würde beispielsweise im Finale der Weltmeisterschaft in Südafrika 2010 eine solche Fehlentscheidung getroffen, würde das die Einführung der Technologie sicherlich beschleunigen", lautet die Einschätzung von Braun.
Text: RFID im Blick (JS)
Foto: derfabse (photocase.com)









