Investitionsrechnungen belegen die Wirtschaftlichkeit von RFID
Von Peter Segeroth, Senior Management Consultant, Siemens IT Solutions and Services.
Investitionen in neue Technologien sind die Voraussetzung für die Erhöhung von Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit; doch sie benötigen auch langfristig gebundenes Kapital. Die Entscheidung zur Einführung von RFID bedarf deshalb einer genauen Analyse, damit am Ende der Nutzen die Kosten überwiegt.
Das Schicksal, dass neue Technologien zunächst eher als Kostenverursacher und weniger als nützlicher Vorsprung gesehen werden, trifft nicht nur RFID. Generell existiert bei Praktikern eine relativ geringe Akzeptanz neuer Technologien, was oft an einer fehlenden Transparenz des qualitativen und insbesondere quantitativen Nutzens liegt. Kurz gesagt: „Der Business-Case fehlt".
Wie funktioniert das Unternehmen?
Für RFID-Projekte empfiehlt es sich, zunächst die Ist-Prozesse „Bottom-up" zu analysieren. Die Geschäftsprozesse werden in übersichtlicher Form gemeinsam mit Entscheidern und Praktikern aus dem jeweiligen Geschäftsfeld erarbeitet. Das Ergebnis vermittelt einen Überblick über Input, Output, Beteiligte am Prozess sowie über relevante Applikationen und ermöglicht eine erste Planung des RFID-Szenarios für den analysierten Geschäftsprozess. Im nächsten Schritt erfolgt die Detaillierung in einem Prozessfolge-Performance-Modell, unter Berücksichtigung von Zeit, Kosten, Qualität und weiteren optionalen Messgrößen (beispielsweise Kapitaleinsatz, erforderliche Anzahl von Mitarbeitern). So werden die aktuelle Situation und die Zielsetzung für die zukünftige Geschäftsprozess-Performance gegenübergestellt. Der Input aus der Ist-Darstellung und dem Geschäftsprozess-Performance-Modell stellen die Basis für den Entwurf eines verbesserten Geschäftsprozesses dar, bei der die RFID-Technologie bereits berücksichtigt ist.
Der RFID-Business-Case
In einem Business-Case wird die Wirtschaftlichkeit einer Investition berechnet, also eine zahlenmäßige Bewertung geschäftlicher Maßnahmen vorgenommen. Es geht um den durch die Investition bewirkten Zusatzerfolg, im Vergleich zu dem Geschäftserfolg ohne diese Investition. Ein Business-Case basiert jedoch auf mehreren Annahmen: Kosten und Nutzen werden ebenso geschätzt wie die zukünftige Entwicklung des Unternehmens sowie Art und Umfang der Nutzung der Investition. Dennoch bildet ein Business-Case die beste und unverzichtbare Entscheidungsgrundlage für eine Investition. Die Kosten bei RFID-Projekten werden oft auf die RFID-Transponder beschränkt. Der Transponder-Preis ist bei Projekten mit einem offenen Kreislauf (Open Loop) relevant. Für die weiteren Kosten bietet sich eine systematische Erfassung der Kosten in vorgegebenen Kategorien an, beispielsweise Investitionskosten in Hardware, Integrationskosten und Betriebskosten. Das erarbeitete Ergebnis wird auch für die Projektplanung und -budgetierung verwandt.
Der RFID-Business-Case in der Praxis
Im Gerätewerk Amberg von Siemens werden bei der Produktion von Schaltgeräten RFID-Systeme eingesetzt. Zum Nachweis der Wirtschaftlichkeit des RFID-Einsatzes in diesem Werk wurde ein Business-Case erstellt, der als Beispiel für die praktische Durchführung einer Wirtschaftlichkeitsberechnung dient. Siemens verfolgte mit der Produktionslinie das Ziel, bei höherer Produktionsqualität die Fertigung einer Vielzahl von Produkt-Varianten zu gewährleisten. Die Produktion sollte also flexibler und qualitativ hochwertiger bei geringeren Kosten erfolgen.
Als abschließender Schritt wurde eine vollständige Investitionsrechnung für den Einsatz der RFID-Technologie durchgeführt. Hierbei wurden die Resultate der Kostenschätzung und quantifizierten Nutzen in einer einfachen (statischen) Amortisationsrechnung für einen Zeitraum von fünf Jahren als Rechenbasis herangezogen. Das Ergebnis: bereits im zweiten Betriebsjahr hatte sich die Investition in RFID-Technologie amortisiert.

Einblick in AutoID/RFID: Siemens AG, Technology Development Board RFID






