Von Dr. Andrea Huber, Geschäftsführerin Informationsforum RFID e.V.
Nachdem die Europäische Kommission mit einem Konsultationsverfahren im Jahr 2006 den Startschuss gegeben hat und 2007 die deutsche EU-Ratspräsidentschaft mit dem „European Policy Outlook" ein wegweisendes Dokument vorlegte, beschäftigt sich die EU-Kommission aktuell mit einer Empfehlung zum Datenschutz, einer Mitteilung zum Internet der Dinge und hat Gremien wie die RFID Expert Group ins Leben gerufen.
Die RFID-Technologie hat längst einen ausreichenden Reifegrad erreicht, und die Vision des Internet der Dinge nimmt Gestalt an. Analysten wie Gartner prognostizieren einen Anstieg des weltweiten RFID-Umsatzes von heute 1,2 Milliarden US-Dollar auf 3,5 Milliarden im Jahr 2012. Was fehlt, sind geeignete einheitliche Maßnahmen und ein Regulierungsrahmen für Europa, die eine Entwicklung der Technologie zum Vorteil der gesamten Wirtschaftsregion unterstützen.
Erweiterter Datenschutz
Transparenz und einheitliche Markierungen
In einer Arbeitsversion der Empfehlung wurde die Bedeutung von Transparenz beim Einsatz von RFID hervorgehoben und die Einführung eines einheitlichen Logos zur Kennzeichnung von RFID-Anwendungen vorgeschlagen. Bei der Kennzeichnung soll unterschieden werden zwischen Lesegeräten, mit RFID gekennzeichneten Produkten und Orten, an denen RFID eingesetzt wird (beispielsweise Bekleidungsgeschäfte). Eine einheitliche und leicht verständliche Markierung soll die Verbraucher auf den Einsatz der Technologie aufmerksam machen und so das Vertrauen in die Technologie stärken.
Wettbewerb um RFID-Logo
Einen wesentlichen Beitrag zu dieser Diskussion hat das Informationsforum RFID e. V. mit der Durchführung eines Logowettbewerbs geleistet. Ziel war die Belebung der allgemeinen Debatte über die Anwendung von RFID auf Produktebene, in öffentlichen Räumen und in weiteren Nutzungsbereichen. Der Wettbewerb sollte zugleich das Interesse und die Bereitschaft der Wirtschaft verdeutlichen, sich aktiv am Dialog zu beteiligen.
Deaktivierung auf Wunsch des Kunden
Einen Kernpunkt der politischen Debatte bildet seit geraumer Zeit die Frage, ob Transponder, die den Endkunden erreichen, standardmäßig oder nur auf Wunsch des Kunden deaktiviert werden sollen. Während die EU-Kommission sich ausdrücklich für eine automatische Abschaltung ausgesprochen hat, bewerten betroffene Unternehmen diese Vorgehensweise als problematisch. Sie befürchten erhebliche Mehrkosten und warnen vor dem Verzicht auf mögliche Zusatzleistungen wie beleglose Garantieabwicklung oder erweiterte Dienstleistungen. Die Wirtschaft befürwortet vielmehr ein Vorgehen, das eine Deaktivierung auf Wunsch des Kunden ermöglicht. Insgesamt muss bei diesem schwierigen Thema darauf geachtet werden, dass mögliche Lösungen die Verbraucherinteressen berücksichtigen, ohne die weitere Entwicklung von RFID einzuschränken.
Das Internet der Dinge wird Realität
Seit 2008 ist das Internet der Dinge und damit die Diskussion um Architektur, Steuerung, Frequenzregelung und Standardisierung ins Interesse der EU-Kommission gerückt. In der Vision vom Internet der Dinge ist es Objekten möglich, selbständig auf Veränderungen in ihrer Umwelt zu reagieren und dadurch eine neue Form der Kommunikation zwischen Mensch und Objekt zu schaffen. Mögliche Anwendungen wie das Paket, das seinen Weg selbst findet, bestehen bisher nur in der Theorie, werden aber in den kommenden Jahren Einzug in die Realität halten. Ein erstes Arbeitspapier hat die EU-Kommission im Herbst 2008 bei einer Konferenz der französischen EU-Ratspräsidentschaft vorgelegt; bis Mitte 2009 soll eine entsprechende Mitteilung der EU-Kommission folgen. Bei der nun anstehenden Debatte wird es nicht nur darum gehen, den Anschluss zu wahren, sondern auch den bestehenden Wettbewerbsvorsprung weiter auszubauen. In einer gemeinsamen Stellungnahme im November 2008 haben die deutschen Verbände BDI, BITKOM, GS1 Germany, HDE und AIM-D unter Federführung des Informationsforum RFID der EU-Kommission hierzu Empfehlungen abgegeben und werden auch die weitere Diskussion aktiv begleiten.
Thematisches Netzwerk zu RFID
Die Debatte um RFID ist auf europäischer Ebene zwar schon seit einiger Zeit in vollem Gange, nimmt aber erst seit Kurzem konkrete Formen an. 2008 wurde ein Thematisches Netzwerk für RFID ausgeschrieben, das die relevanten Interessengruppen aus allen Mitgliedsstaaten vereinen soll. Das Netzwerk soll die Fortschritte der Technologie fördern, indem es aktuelle Entwicklungen analysiert, die Akzeptanz für RFID erhöht und das Zustandekommen von Pilotprojekten unterstützt. Dadurch könnten Marktzutrittsbarrieren abgebaut und der Einsatz von RFID auch für kleine und mittlere Unternehmen erleichtert werden. Wichtige Schritte, um die Technologie zum Vorteil der gesamten Wirtschaftsregion nutzen zu können.
"Ein zukünftiger Regulierungsrahmen muss den derzeitigen europäischen Wettbewerbsvorsprung sichern und eine Entwicklung der Technologie zum Vorteil der gesamten Wirtschaftsregion unterstützen."

Einblick in AutoID/RFID: Informationsforum e.V.







