Projekt "ASBUS" mit Potenzial für weitere Applikationen
Ein System, das es sehbehinderten und blinden Studierenden ermöglicht, sich auch in unbekannten Umgebungen zu orientieren und zu gewünschten Zielen zu gelangen, wurde am Institut für Visualisierung und Interaktive Systeme (VIS) der Universität Stuttgart entwickelt und wird aktuell im Rahmen des Projektes "Assistenz für sensorisch Behinderte an der Universität Stuttgart" (ASBUS) und in einer universitätsübergreifenden Zusammenarbeit mit der Universität Karlsruhe an die speziellen Anforderungen von Studierenden mit sensorischen Einschränkungen angepasst. Wichtige Landmarken, beispielsweise Türen oder Aufzugsschalter, sind mit RFID-Transpondern versehen. "Die Technologie dient der Initialisierung des Systems bei der Positionsbestimmung der Testpersonen", sagt Dr. Andreas Hub vom VIS im Gespräch mit "RFID im Blick".
Um den Studierenden mit Sehbehinderungen die Möglichkeit zu bieten, sich ohne fremde Hilfe in den teilweise sehr komplexen Universitätsgebäuden zurecht zu finden, wurde im Rahmen des ASBUS-Projektes zunächst für das Informatikgebäude auf dem Campus der Universität Stuttgart ein 2D-Umgebungsmodell mit erweiterten Informationen erstellt. Über das TANIA-System (Tactile-Acoustical Navigation and Information Assistant) erfährt der Nutzer akustisch oder über eine portable Braillezeile, wo er sich befindet und was in der näheren Umgebung zu finden ist.
"Ziel ist es, den über 30 Testpersonen tagesaktuell erweiterte Informationen, beispielsweise die Verlegung von Seminaren in andere Räume, zu liefern. Derzeit arbeiten wir aber noch daran, genaue Karten der Universität zu erstellen", informiert Wissenschaftler Hub. Informationen, die aufgenommen werden, sind beispielsweise die Öffnungszeiten der Bibliotheken und Mensen oder Fahrpläne des öffentlichen Nahverkehrs. Diese Informationen können prinzipiell an jedem Ort in virtuellen Informationsbereichen über das TANIA-System abgerufen werden, sobald man in diese Bereiche gelangt. RFID-Transponder kommen zum Einsatz, wenn eine sehr genaue ortsbasierte Abfrage erforderlich ist, wie etwa beim Auffinden von Schaltern automatischer Türen.
Das im Januar 2009 gestartete Projekt ist zunächst auf ein Jahr ausgelegt und finanziert sich bislang durch die Studiengebühren. Anfragen aus aller Welt seien aber bereits jetzt bei den Projektverantwortlichen eingegangen. Aktuell wird das von Dr. Hub entwickelte System auch bereits mit mehrfach behinderten Kindern am Blindeninstitut in Würzburg und in einem Institut für Taubblinde in London getestet. Zudem sei die Lösung auch für Museen interessant. "Langfristiges Ziel ist es, sehbehinderten Menschen überall im Alltag mit notwendigen Informationen zu versorgen. Hierfür wird aber auch die Kooperation und Bereitschaft der Städte und Kommunen benötigt, welche Kartenmaterial für öffentliche Gebäude und öffentliche Bereiche gemäß den UN-Konventionen über Rechte für Menschen mit Behinderung und den Gesetzen zur Zugänglichkeit und Barrierefreiheit zur Verfügung stellen müssten", lautet der Appell von Projektleiter Hub.
Text: RFID im Blick (JS)
Foto: Institut für Visualisierung und Interaktive Systeme (VIS) der Universität Stuttgart









