RFID optimiert Lagermanagement in chinesischen Zigarettenfabriken
Von Walter Hein, Produktmanager RFID, Hans Turck GmbH & CO. KG
Als externer Systemintegrator entwirft die China Post Science and Technology Co., Ltd. (CPST) für zahlreiche chinesische Unternehmen Strategien zur Effizienzsteigerung. Um das Lagermanagement der nationalen Zigarettenfabriken nachhaltig zu verbessern, setzen die Spezialisten für Logistik- und Informationsmanagement seit 2007 auf eine RFID-basierte Lösung.
Kein Land der Welt produziert mehr blauen Dunst als China. Mit einem Konsum von mehr als 1,5 Milliarden Zigaretten pro Jahr machen die chinesischen Raucher alleine rund 30 Prozent des weltweiten Zigarettenverbrauchs aus. Zum Vergleich: In China greifen rund 350 Millionen Einwohner regelmäßig zur Zigarette - damit ist die Anzahl der Raucher im Reich der Mitte größer als die Gesamtbevölkerung der USA. Nationale Zigarettenmarken halten in China nach wie vor den größten Anteil am Zigaretten-Jahresumsatz. Zu den bekanntesten - insgesamt gibt es mehrere Hundert überwiegend Low- und Mid-Range-Marken - gehört die Baisha-Serie, die bei chinesischen Rauchern einen vergleichbaren Stellenwert hat wie Marlboro bei Tabakliebhabern in westlichen Ländern.
Bei dem Vorhaben, die eigenen Lagersteuerungssysteme zu modernisieren und das Supply-Chain-Management effizienter zu gestalten, setzt die Baisha Group - ebenso wie zahlreiche weitere Zigarettenhersteller aus dem Reich der Mitte - auf das Automatisierungs- Know-how der China Post Science and Technology Co., Ltd.. Neben der Planung und Integration von Logistik- und Distr ibutionsanlagen beinhaltet dies auch die Im-plementierung von übergeordneten Informations- und Steuerungssystemen. In den vergangenen Jahren hat das Forschungs- und Entwicklungszentrum der CPST auch die chinesische Regierung bei der Modernisierung des landesweiten Postdienstes unterstützt und in diesem Rahmen in mehr als 800 Einzelprojekten RFID-Anwendungen implementiert - unter anderem in Hochgeschwindigkeitssortiersystemen und Horizontalförderbändern.
Diversität als Herausforderung
Als besondere Herausforderung für das jüngste Großprojekt des Logistik- und Informationsmanagementunternehmen stellte sich schnell die Vielfältigkeit der in der Zigarettenproduktion verwendeten Produkte heraus. Da in einer großen Tabakfabrik wie dem Baisha-Werk in der Provinz Hebei meist mehrere Zigarettenmarken produziert werden, müssen die zahlreichen Bestandteile der verschiedenen Endprodukte ständig in großen Mengen bevorratet werden. Dazu gehören unterschiedliche Tabaksorten, Zuschnitte, Aroma- und Zusatzstoffe (unter anderem Ammoniumchlorid, Zucker und Glykol) und schließlich auch die verschiedenen Verpackungen. Um die Intralogistik der chinesischen Tabakfabriken effizienter und übersichtlicher zu gestalten, führte die CPST im Jahr 2007 an zahlreichen Produktionsstandorten - neben der Baisha-Group ließen sich unter anderen auch die Jinan General Tobacco Company und die Shandong Qingzhou Tobacco Company beraten - die RFID-Lösung BL ident von Turck ein.
Zusätzliche Daten speichern
Die Auto ID-Technologie bietet den Anlagenbetreibern unabhängig von der jeweiligen Lagerausstattung Vorteile im Supply-Chain-Management: Im Gegensatz zum zuvor häufig eingesetzten Barcode, der auf Basis einer Seriennummer ausschließlich die Identifizierung einer Warengruppe (beispielsweise der Tabakbehälter) ermöglicht, können die RFID-Datenträger mit einer Speicherkapazität von bis zu 2 kByte (FRAM) auch zusätzliche relevante Informationen wie Charge, Eingangsdatum oder zuletzt durchgeführte Verarbeitungsschritte protokollieren. Um die Lagerhaltung und Intralogistik der Baisha Group zu modernisieren und effizienter zu gestalten, werden Schreib-/Leseköpfe in direkter Nähe der Transportbänder montiert, und erfassen an den Lagerein- und Lagerausgängen berührungslos die auf den Transportbehältern der verschiedenen Lagerwaren angebrachten Datenträger. Die eingelesenen Daten werden anschließend von den Gateways der Remote-I/O-Knoten über das Profibus-Protokoll an das übergeordnete Lagermanagement- System weitergeleitet.
Optimiert auf die jeweilige Anwendung
Die Kombination geeigneter Datenträger und Schreib-/ Leseköpfe erlaubt anwendungsoptimierte Reichweiten, vom Schreib-/Lesekopf bis zum Schnittstellenmodul konnten die Systemintegratoren von CPST die robusten Komponenten vor Ort einbauen. Auf der Basis unterschiedlicher Gateways unterstützt das System praktisch alle gängigen Feldbusprotokolle - von Profibus-DP über DeviceNet bis hin zu Ethernet/IP - sowie eine Vielzahl von Signalformen wie beispielsweise digitale und analoge Ein- und Ausgabemodule, RS232/422/485-Schnittstellenmodule und Hochgeschwindigkeits-Countermodule. Die Lagerbetreiber können so auch bei künftigen Automationsvorhaben auf bestehende Remote-I/O-Strukturen zurückgreifen - und damit zusätzliche Implementierungs- und Lagerhaltungskosten vermeiden.
- Gefasoft: Für die Herstellung von Multichipmodulen setzt das Unternehmen auf ein automatisiertes Be- und Entladesystem.
- Leineweber: Im zentralen Logistikzentrum für Hängeware betreibt der Bekleidungshersteller eine RFID-basierte vollautomatisierte Anlage.
- Tower Automotive: Der Volvo-Zulieferer automatisiert seine Produktion mittels einer RFID-Lösung.
- Winkler und Dünnebier Süßmaschinen: Zur Verfolgung verschiedener Kunststoffformen verwendet der Hersteller von Fertigungsmaschinen für die Süßwarenindustrie ein RFID-System.

Einblick in AutoID/RFID: Hans Turck







