Experten erörtern am 10. ECR-Tag aktuelle RFID-Projekte
Über kooperative Zukunftsstrategien diskutierten am 10. ECR-Tag in Dresden Entscheider aus Logistik, IT, Category Management, Organisation, Marketing, Vertrieb, Einkauf und Key Account Management. „EPC/RFID als multifunktionales Element der 'intelligenten' Supply-Chain" war der Titel des diesjährigen Technologie-Forums. Diverse Referenten präsentierten Praxisanwendungen und Lösungen bezüglich des RFID-Einsatzes in Lieferketten und Transport.
Nicht nur der Konzern selbst sollte eine vollständige Transparenz über die Warenströme innerhalb der Supply-Chain-Prozesse einsehen können, auch der Lieferant sollte Kenntnis über die erforderlichen Daten bekommen. Peter Nemeth, Projektmanager Lieferantenkooperation, CSG - KarstadtQuelle Konzern-Einkauf, gab Antworten zu diesem Thema und legte Fakten anhand des RFID-Projekts bei Karstadt in der Filiale Düsseldorf vor. Zielsetzung war ein unternehmensübergreifendes Flächenmanagement. Dies beinhaltete die Einsicht seitens der Lieferanten in die in der Karstadt-Filiale gesammelten RFID-Daten im 2500 Quadratmeter großen Herren- und Knaben-Oberbekleidungs-Bereich. Über ein SAP-Business-Warehouse-System, an welches einmal täglich die RFID-Daten des zentralen Servers in Düsseldorf übertragen werden, können die Lieferanten mit den ihnen übertragenden Nutzungsrechten auf die RFID-Berichte zugreifen, um die Wege der Warenströme nachvollziehen zu können.
Ein Problem im Fashion-Bereich ist die zeitraubende Applizierung sowie Ablösung von Hartetiketten, wie Joachim Wilkens, RSC Commercial Services, berichtete. Zudem müssen die angewendeten Hartetiketten durch die Naht gestochen werden, um nicht den Oberstoff zu beschädigen. In einem Verbundprojekt mit Tailorit plant C&A bis ins Jahr 2010 daher 50 Prozent der im Jahr verkauften Artikel mit RF-Softetiketten an der Quelle durch den Hersteller zu sichern. Die komplexe Veränderung der Prozesse durch den Einsatz von RFID vom Lieferanten bis in den Store waren laut Wilkens einer der Gründe, warum RFID bisher noch keinen Einzug bei C&A hielt. Bezüglich des möglichen Einsatzes von RFID erläutert Wilkens:„Wenn Sie RFID entlang der Supply-Chain einführen wollen, müssen Sie Phasen schaffen, die jede für sich nutzbringend ist". Zurzeit befinde sich das Unternehmen bei Phase 0 in der Quellensicherung mit Softtags. In den nächsten zwei Phasen stehe die Nutzenabschätzung von RFID sowie die Einführung der Technologie entlang der Lieferkette an.
Der Einsatz von Sensorik in Supply-Chains schafft eine effiziente Überwachung von temperatursensitiven Gütern. Über dieses Thema referierte Georg Nentwig, Management Technology & Innovation, Deutsche Post Headquarters. Durch die Verbindung eines Temperatursensors mit einem UHF-RFID-Tag können die Temperaturdaten sensitiver Güter bereits während dem Transport ausgelesen werden. Der Hersteller kann zeit- und ortsunabhängig darauf zugreifen und wird im Falle einer kritischen Temperaturabweichung alarmiert. Ein Beispiel wurde von Nentwig, in Form eines Sensor-Tags, vorgestellt. Seit Anfang des Jahres sei dieser als Produkt freigegeben und finde bereits Anwendung bei der Transportkette eines Sushi-Herstellers in England.
Die Anforderungen des Supply-Chain-Managements und die Verfolgung und Lokalisierung der Warenströme in Echtzeit ist für viele Handelsunternehmen unerlässlich. Das eingesetzte System sollte höchste Genauigkeit bieten sowie skalierbar sein. Diese Ansicht vertrat Roelof Koopmans, Managing Director Europe bei Mojix, und erläuterte diesbezüglich den Einsatz des Mojix-Systems bei Rewe und Kraft Foods. Das passive UHF-RFID-System arbeitet als ein einziges Netzwerkelement und besteht aus einem oder mehreren Empfängern, die jeweils bis zu 512 Mojix-eNode-Transmitter verwalten. Diese Transmitter liefern Energie an alle passiven RFID-Tags innerhalb ihrer festgelegten Interrogations-Zone. Der zentralisierte Empfänger verarbeitet die aktivierten Signale von den Tags in einem bis zu 25 000 Quadratmeter großen Abdeckungsbereich des Systems. Laut Sven Jürgens, Organisator IT bei Rewe-Informationssysteme, werden zurzeit 105 Tore sowie die Entsorgungsrampe mit dem System bei Rewe in Buttenheim ausgestattet. Weitere Pilotinstallationen seien für den Wareneingang, die Tourenplanung und für das Regal-Management angedacht. Die gesteigerte Anzahl der Warenempfänger sowie die Skalierbarkeit der eNodes waren laut Volker Heidorn, Manager e-Commerce bei Kraft Foods Deutschland, der Grund das System im Februar 2008 in Betrieb zu nehmen. Erste Tests liefen im November 2007. Zurzeit sind 17 Tore mit dem System ausgestattet. „Für eine Fall-Back-Lösung, falls also ein RFID-Tag nicht funktioniert, haben wir allerdings wieder auf den Barcode gesetzt, da wir auch in unserem zweiten Lagerbereich immer noch mit Barcodes arbeiten", resümiert Heidorn.
Systeme für das Tracking und Tracing von Einweg-Getränken auf Mehrweg-Ladungsträgern scheitern meist daran, dass diese oft mehrere Funk-Paletten gleichzeitig erfassen. Das Lesen von Datenträgern auf Flüssigkeiten und Metall sind ebenfalls Herausforderungen, welche das System meistern muss. So lautet die Einschätzung von Dr. Jan Schneider, Leiter Logistik Nationale Kunden bei Coca-Cola. Thematisiert wurde dieses Problem durch das Unternehmen Chep, Anbieter im Pooling von Paletten, welches Paletten mit einem RFID-Chip und einer 18-stelligen Identifikationsnummer (Global Returnable Asset Identifier - GRAI) bestückte. Bei GRAI steckt der Chip in der Palette, kann wiederverwendet werden und hat daher eine lange Lebensdauer. Pilotprojekte erfolgten bei Coca-Cola Erfrischungsgetränke sowie bei der Rewe Group in Norderstedt. Beteiligt war zudem das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik in Dortmund. „Wir haben uns vorgenommen über die gesamte Supply-Chain den RFID-Einsatz abzubilden, das heißt vom Anliefern der Ladungsträger vom Pooldienstleister Chep, über FMCG-Hersteller Coca-Cola bis zu den Rewe-Stores und zurück auf die Recyclingsrampe und zurück zum Pool-Dienstleister", fasst Niko Hossain vom Fraunhofer IML zusammen. „Im Themengebiet RFID und Warentransport konnten wir zum ersten Mal eine hundertprozentige Lesequote erreichen", betont Schneider. Das bestätigt auch Jörg Sandlöhken, Leiter Consulting/Standards bei Rewe-Informations-Systeme: „Die GRAI ist die Kennzeichnung, um Informationen von „außen" in die Kette der Warenversorgung nach „innen" zu bekommen. Intelligente Paletten sind die Antwort auf die Einwegtransponder-Lösung Slap&Ship."
Text: RFID im Blick (MF)
Bild: GS1 Germany GmbH


Die RFID-Technologie ist ausgereift. Standards für die gängigen Systeme sind verfügbar. Und für alle Anwendungen unterschiedlichst...







