Home Forschung und Entwicklung RFID-Schutzsystem für Fußgänger

RFID-Schutzsystem für Fußgänger

Drucken

Mittels Transponder, welcher beispielsweise in den Schulranzen eines Kindes integriert werden könnte, können auch verdeckte Verkehrsteilnehmer durch das Fahrzeug wahrgenommen werden.Forschungsinitiative für Sicherheit im Straßenverkehr gestartet

Laut Meldung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) kamen 2008 insgesamt 4 477 Personen trotz aller Bemühungen um mehr Sicherheit im Straßenverkehr ums Leben. Das sind durchschnittlich zwölf Menschen täglich. Den präventiven Maßnahmen zur Sicherheit im Straßenverkehr widmet sich nun ein groß angelegtes Forschungsvorhaben. So geht in den kommenden Wochen das Verbundprojekt Ko-Tag im Rahmen der Forschungsinitiative Ko-Fas an den Start. Darin erforschen die Spezialisten im Rahmen der Car2Tag-Kommunikation Transpondersysteme zur Objektlokalisierung und -klassifizierung auf Basis kooperativer Sensorik. Diese Technologie soll zukünftig zum Schutz von Verkehrsteilnehmern wie Fußgängern oder Radfahrern sowie im Bereich der Fahrzeug-Fahrzeug-Sicherheit zum Einsatz kommen. „RFID im Blick" sprach mit Daniel Schwarz, BMW Group Forschung und Technik und Projektsprecher von Ko-Tag.

Ko-Tag greift die Ergebnisse aus dem Vorgängerprojekt Amulett („Aktive mobile Unfallvermeidung und Unfallfolgenminderung durch kooperative Erfassungs- und Trackingtechnologie") auf. Darin haben Mitarbeiter der BMW Group Forschung und Technik mit ihren Partnern ein erstes Fußgängerschutzsystem auf Basis dieser Technologie entwickelt.

In dem Verbundprojekt sollen die Ergebnisse weiterentwickelt und im Hinblick auf eine breite Nutzung untersucht werden. „Der gemeinsam mit der TU München entwickelte Transponderprototyp, mit dem wir aktuell arbeiten, basiert auf einem aktiven System im 2,4 GHz-Frequenzband", erläutert Daniel Schwarz. „Dieses System bietet die Möglichkeit, Verkehrsteilnehmer wie beispielsweise Fußgänger zu lokalisieren und als verletzliche Verkehrsteilnehmer zu klassifizieren, selbst wenn sie für den Autofahrer im Moment der Gefahrensituation nicht zu sehen sind. Eine typische Szene ist, dass ein Kind plötzlich zwischen parkenden Fahrzeugen herausspringt. Dieses ließe sich bereits im Vorfeld in einem Umkreis von bis zu 100 Metern orten", so der Entwicklungsingenieur weiter.

Möglich sei laut Schwarz zudem eine präzise Abstands- und Winkelmessung durch ein Mehrfach-Antennensystem, welches sich im Prototyp hinter der Frontscheibe des Fahrzeuges befindet. Zukünftiges Ziel sei jedoch eine integrierte Lösung, bei der die Antennen unsichtbar beispielsweise hinter dem Stoßfänger verbaut werden. Voraussetzung ist, dass die Verkehrsteilnehmer, zunächst vor allem Personengruppen, die besonders im Verkehr gefährdet sind, einen Tag bei sich tragen. Dieser könnte etwa in Schulranzen von Kindern oder in Gehwägen von älteren Menschen integriert sein.

Amulett habe laut Schwarz die technische Machbarkeit des Systems nachgewiesen. Nun interessieren die Forscher Fragen, wie diese Funktechnologie in weitreichenderen Szenarien mit vielen Beteiligten eingesetzt werden kann. „Wenn wir nachweisen wollen, dass ein solches System auch in der Serie einsetzbar ist, muss dieses natürlich auch mehrere hundert Transponder adressieren können. Dabei gilt es Sonderfälle auszuschließen, beispielsweise was passiert, wenn ein Kind mit einem Transponder im Fahrzeug vor einem sitzt, sich also anders bewegt als ein Fußgänger oder ein Transponder an einem Fahrrad."

Eine der großen Herausforderungen sieht Schwarz in der Reduzierung sowohl des Stromverbrauchs als auch der Größe des Transponders. „Wenn man beispielsweise Gehwägen oder Schulranzen mit Tags ausstatten will, muss eine Batterielebensdauer von einigen Jahren gewährleistet sein. Ein anderer Punkt ist es, die Miniaturisierung des System weiter voranzutreiben." Dann wäre neben der gezielten Ausrüstung von Kindern und älteren Personen laut dem Projektsprecher für den breiten Einsatz zukünftig denkbar, die Technologie in Mobiltelefone zu integrieren.

Wann die Technologie in dem Reifegrad verfügbar sein werde, sei laut Schwarz schwer abschätzbar.

Noch befinde sich das Projekt in der Anfangsphase, doch der Entwicklungsingenieur ist von einer schnellen Durchdringung der Technologie überzeugt: „Ein zentraler Aspekt wird es sein, einen Standard zu schaffen, der für alle nutzbar ist. Dieser führt bei einer Verbreitung der Technologie dazu, dass die Kosten sinken. Wenn dieser Standard geschaffen ist, kann es relativ schnell gehen, die Technologie zu verbreiten, wenn man bedenkt dass jeder Nutzer alle zwei Jahre sein Handy wechselt. Auch auf Fahrzeugseite, gerade bei Neufahrzeugen, rechnen wir mit einer schnellen Verbreitung.

In Kürze findet das Startmeeting gemeinsam mit den Projektpartnern statt. Projektpartner in Ko-Tag sind die Unternehmen Continental Safety Engineering International, Daimler, das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen, das Steinbeis Innovationszentrum für Embedded Design und Networking , die TU München sowie Zentec.

„Wie in Amulett nachgewiesen, können die Daten aus einem solchen Ortungssystem um ein Vielfaches zuverlässiger und genauer sein als dies mit nicht-kooperativen Sensoren erreicht wird. Aktionen, wie beispielsweise Eingriffe in die Fahrdynamik, können viel präziser erfolgen und eine höhere Wirksamkeit erreichen. Dies gibt uns die Möglichkeit, im Vergleich zu heutigen verfügbaren Technologien, die Sicherheit im Straßenverkehr noch einmal erheblich zu steigern", resümiert Schwarz.

Ko-Tag ist eines von drei Verbundprojekten unter dem Dach der Forschungsinitiative „Kooperative Sensorik und kooperative Perzeption für die Präventive Sicherheit im Straßenverkehr („Ko-Fas")", welche das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie am 18. September gestartet hat.

Foto: BMW Group

 

Jahreskongress 2012

Aktuelle Ausgabe

Maiausgabe 2012: Themenspezial RFID-Reader und RFID-Systemintegratoren

Maiausgabe 2012: Themenspezial RFID-Reader und RFID-Systemintegratoren Die RFID-Technologie ist ausgereift. Standards für die gängigen Systeme sind verfügbar. Und für alle Anwendungen unterschiedlichst...

Aprilausgabe 2012: Logistik sicher im Griff

Aprilausgabe 2012: Logistik sicher im Griff

Titelstory
Ohne zuverlässige Logistik, ohne optimierte Warenprozesskette und ohne die Möglichkeit Komponenten eindeutig zuzuordnen,...



Medienpartnerschaften

OMNICARD 2012: 17. - 19. Januar, Der ultimative Kongress für die Smart Card/Smart Objects Community!

RFID-Jahreskongress

Spezialausgaben

rib_mnchen2011_titelseite
rib_aim2011_titelseite