Studie zur Automobilindustrie zeigt Ineffizienzen in der Planungsfähigkeit auf
Die aktuelle Studie „Das unentdeckte Wissen in der Automobilindustrie" deckt eklatante Informationslücken in der Automobilindustrie auf. 80 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, dass die zur Planung verwendeten Daten nicht in einheitlichen Systemen integriert sind. Zudem verbringen Planungsverantwortliche bis zu 80 Prozent ihrer Arbeitszeit mit manueller Datenrecherche.
Unzureichend vernetzte IT-Systeme führen zu mangelnder Planungs- und Reaktionsfähigkeit in den Lieferketten der deutschen Automobilbranche und damit immer wieder zu erheblichen Ineffizienzen. Dies ist das Ergebnis einer breit angelegten Studie, die das Supply Chain Management Institute (SMI) an der European Business School (EBS) in Kooperation mit dem Verband der Automobilindustrie (VDA) und Teradata erstellt hat. Befragt wurden 63 hochrangige Planungsverantwortlichen bei insgesamt 39 Automobilherstellern, Zulieferern und Händlern. Als Hauptgrund nannten die Befragten vor allem die mangelnde Verfügbarkeit der relevanten Daten. Nur 16 Prozent können auf Daten aus integrierten Systemen zugreifen. Gerade einmal fünf Prozent der Planungsverantwortlichen halten zudem die im Unternehmen erhobenen Daten für zuverlässig und fehlerfrei. Als ausreichend detailliert werden die Daten von 23 Prozent erachtet, für aktuell von 35 Prozent der Befragten. Zudem kann nur eine Minderheit mit ihren Systemen Risikoanalysen sowie kurzfristig ereignisorientierte Analysen durchführen.
Dazu Dr. Jack Thoms, Projektleiter am Supply Chain Management Institute, European Business School, und Autor der Studie: „Heute werden in der Automobilindustrie die in dezentralen Datensilos vorgehaltenen Daten noch viel zu wenig genutzt. Nicht einmal die für die logistische Abwicklung absolut kritischen Kapazitäts- und Bedarfsdaten stehen den Planungsverantwortlichen rechtzeitig und in der erforderlichen Qualität zur Verfügung, ganz abgesehen von verschenkten Potenzialen durch weiterführende Analysen von fahrzeug- und kundenbezogenen Daten, beispielsweise im margenstarken After-Sales-Geschäft."
Die Menge der in den Lieferketten der Automobilindustrie erzeugten Daten werde Dr. Thoms zufolge in Zukunft durch neue Technologien wie RFID und verbesserte Sensorik weiter exponentiell ansteigen. Gleichzeitig befinde sich die Industrie mehr denn je unter verschärftem Wettbewerbsdruck und müsse in puncto Planungsgeschwindigkeit und -effizienz radikal umdenken. „Wer es schafft, die zukünftigen Datenmengen auch effizient für die Entscheidungsunterstützung nutzbar zu machen und damit das Wissen des Unternehmens zu entdecken wird damit einen erheblichen Wettbewerbsvorteil erlangen", so der Projektleiter weiter. „ Die IT-Branche ist gefordert, übergreifende, skalierbare und benutzerfreundliche Analysesysteme zu entwickeln, die schnellen und unkomplizierten Zugriff auf relevante Daten für Analysezwecke ermöglichen. Die Automobilbranche muss andererseits die Bedeutung des Datenmanagements erkennen und ihren Fokus noch stärker als bisher auf die effiziente Steuerung ihrer Lieferketten und die Verkürzung von Lernkurven in der Organisation ausrichten", so Dr. Thoms.
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