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Gerry Weber plant RFID-Rollout

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Internationale Einführung entlang der Lieferkette soll in 2010 beginnen

Das House of Gerry Weber in Bielefeld war eine der Testfilialen in der Pilotphase

Im Laufe des nächsten Jahres will der Bekleidungshersteller mit Sitz in Halle die RFID-Technologie zur Optimierung der Logistik- und Retailprozesse sowie zur Warensicherung einführen. Ziel ist es, 25 Millionen Kleidungsstücke direkt in der Produktion in Asien mit eingenähten textilen Pflegeetiketten zu kennzeichnen. Dazu werden 150 eigene Filialen in Deutschland und Europa mit RFID-Technik ausgestattet. In der Logistikkette sollen zunächst Produktionsstätten in Asien eingebunden werden. Gleichzeitig werden die Logistikdienstleister Meyer & Meyer und Fiege die Warenausgänge ihrer Logistikstandorte mit RFID-Gates ausstatten.

Rollout in mehreren Phasen

„Die erste Phase des Rollouts, die noch einmal in Phase 1a und 1b unterteilt ist, werden wir Anfang des kommenden Jahres umsetzen", so Dr. David Frink, Vorstand für Produktion, Logistik und IT, Gerry Weber International. „Zum einen werden wir ab Januar die Houses of Gerry Weber mit Deckenantennen und Handscannern ausstatten. Die RFID-Lösung soll die bisherigen Sicherungssysteme mit Magnetnadeln und HF-Sicherungsgates ersetzen. Gleichzeitig werden wir ab April beginnen, jedes Kleidungsstück ab Produktion zu taggen. Bis circa Mitte des kommenden Jahres sollen dann alle Waren mit dem textilen RFID-Etikett am POS versehen sein." In der Logistikkette würden zunächst Produktionsstätten in Asien eingebunden werden, so Dr. Frink weiter. DHL werde dafür die eigenen Läger in China mit Gates ausstatten. Gleichzeitig werden die Logistikdienstleister Meyer & Meyer und Fiege die Warenausgänge ihrer Standorte in Osnabrück und Ibbenbüren mit Gates versehen, um Falschlieferung zu reduzieren. Im händischem Lager bei Fiege erfolge zudem eine Erfassung über RFID-Gates im Wareneingang. Cross-Docking sei laut Frink zunächst nicht angedacht. „Dies ist explizit erst in der zweiten Phase ab Mitte 2010 bis Anfang 2011 ein Thema."

Warensicherung im Store

An den Rollout sind verschiedene Lösung- und Logistikpartner beteiligt. Von Frühjahr bis Herbst 2009 wurde die Eignung von RFID als Warensicherungstechnologie bereits in mehreren Houses of Gerry Weber gemeinsam mit der Deutschen Telekom getestet. Die Deutsche Telekom stattet die Geschäfte an den Eingängen und Kassen mit RFID-Lesegeräten und eigens dafür entwickelten Antennen aus. Jeder RFID-Tag ist mit entsprechendem EPC-Code in einer Datenbank und im Kassenbestand des jeweiligen Geschäftes erfasst. Nach Kauf eines Kleidungsstückes wird die Identitätsnummer gelöscht. Wird Ware entwendet und das System hat das Kleidungsstück nicht korrekt ausgebucht, löst dies einen Alarm aus. Wie das Modeunternehmen betont, würden keine personenbezogenen Daten gespeichert.

Textiles Pflegeetikett mit eingenähtem TransponderEingenähte Pflegeetiketten mit RFID-Tag

Die textilen Pflegeetiketten mit integrierter Warensicherung und EPC-Code werden von Avery Dennison geliefert. Das RFID-Inlay ist in ein Pflegeetikett integriert, sei bis zu 60 Grad Celsius waschbar und könne auch chemisch gereinigt werden. Damit sei die Nachverfolgung der Waren von der Produktion bis zum Verkauf auch dann sichergestellt, wenn die Kleidungsstücke im Prozess nochmals gewaschen oder gereinigt werden müssen.

DHL Innovation Center koordiniert RFID-Datenübermittlung

Gegenwärtig wird mit DHL Global Forwarding ein Konzept entwickelt, wie die RFID-Technologie effizient in die logistischen Prozesse von DHL innerhalb der Logistikstandorte, die für den Kunden Gerry Weber genutzt werden, eingesetzt werden kann. Im Anschluss an die Konzeptentwicklung wird das DHL Innovation Center gemeinsam mit DHL Global Forwarding die Implementierung, Test und Rollout in den entsprechenden DHL Standorten vorbereiten und durchführen sowie in die DPDHL Auto ID Solution integrieren. Das DHL Innovation Center koordiniert zusammen mit T-Systems die RFID-Datenübermittlung.

Von China nach Deutschland

DHL Global Forwarding ist für die Liegeware von Gerry Weber aus China der ausgewählte Logistikdienstleister. Die Ware wird bereits mit einem eingenähten RFID-Tag bei DHL Global Forwarding im Logistikzentrum in Shanghai, China angeliefert. Im Wareneingang erfasst DHL Global Forwarding die Ware mittels der installierten lokalen RFID-Infrastruktur auf Artikelebene. Im Vorfeld senden die Lieferanten ein Avis an DHL mit den exakten Artikelnummern. Bei der Erfassung im Wareneingang ist somit eine direkte Überprüfung gewährleistet, ob die bestellte Ware auch komplett geliefert wird. Diese Daten werden dann an die DPDHL Auto Id Solution (RFID-Plattform) in das DHL IT-Competence Center nach Prag übertragen. Von dort kann die T-Systems die Daten übernehmen. Die Ware geht per Luftfracht nach Frankfurt, wird dort verzollt und an das Lager von Gerry Weber geliefert.

Forschungsprojekt „Ko-RFID"

Der Bekleidungshersteller war Teilnehmer am kürzlich beendeten Forschungsprojekt „Ko-RFID". In dem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie geförderten Projekt wurden gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft und Forschung (u. a. mit der TU-Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin und SAP Research) Aspekte des unternehmensübergreifenden Einsatzes von RFID wie beispielsweise Einsatzszenarien, Wirtschaftlichkeit und Datenschutz untersucht.


Lesen Sie den vollständigen Beitrag sowie das Interview mit Dr. David Frink, Vorstand für Produktion, Logistik und IT, Gerry Weber International, in der Dezemberausgabe von "RFID im Blick".

 

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