Pilotprojekt in Berlin testet Elektromobilität
Aktuell hat die UN-Klimakonferenz in Kopenhagen das Thema der CO2-Minimierung verstärkt in den Blickpunkt gerückt. Modellcharakter könnte ein Pilotprojekt in Berlin mit klimafreundlichen Elektroautos besitzen. In dem Gemeinschaftsprojekt „MINI E Berlin powered by Vattenfall" zwischen der BMW Group und dem Energieversorger Vattenfall werden Elektrofahrzeuge und die dazu gehörige Ladeinfrastruktur getestet. An derzeit 33 von 50 geplanten Stromladestationen erfolgen die Identifikation und Abrechnung mit transponderbasierten Karten. Die Erweiterung des Projektes soll in Kürze erfolgen, wie Franziska Schuth, Unternehmensentwicklung, Vattenfall, gegenüber „RFID im Blick" bestätigt.
„Derzeit sind 33 öffentliche Ladestationen mit Transponderkarte zugänglich, geplant ist die Zahl auf 50 Säulen zu erhöhen, die von allen Elektrofahrzeugen und Energieversorgern genutzt werden können", erläutert Franziska Schuth. Die Tanksäulen stehen auf öffentlichen Plätzen, aber auch privat geführten Supermarktparkplätzen oder in Tiefgaragen vorrangig im inneren S-Bahn-Ring Berlins. „Die Handhabung für die Kunden ist sehr einfach. Die RFID-Nutzerkarte dient als Identifikationsmedium zum Einleiten des Ladevorgangs sowie zur Abrechnung. Die Karte verfügt über eine eindeutige Identifikationsnummer. Hält der Kunde die Karte vor die Säule, öffnet sich die Klappe der Ladesäule und der Kunde kann den Ladevorgang starten. Dadurch, dass die ID in unserem zentralen System hinterlegt ist, erfolgt gleichzeitig die Abrechnung, welche der Kunde später als Rechnung erhält", erläutert sie weiter.
Die Nutzerkarte könne laut Schuth bei Vattenfall oder anderen Energieversorgern bezogen werden. Die Ladung der Elektroautos selbst erfolgt mit einem handelsüblichen Schukostecksystem oder über eine CEE-Steckverbindung. Die BMW Group stellte für dieses Pilotprojekt die 50 elektrischen Fahrzeuge zur Verfügung, Vattenfall ist für Planung, Aufbau und Betrieb der Ladeinfrastruktur verantwortlich. Die BMW Group und Vattenfall wollen mit ihrem Pilotprojekt unter anderem sowohl Praxistauglichkeit als auch Nutzerakzeptanz untersuchen, um Rückschlüsse auf eine zukünftige Serienproduktion von Elektrofahrzeugen und Infrastruktur zu ziehen. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von der TU Chemnitz, der TU Berlin und der TU Ilmenau. „Durch RFID ist ein leichter Zugang zu den Ladestationen für alle Nutzer möglich. Jeder, der ein Elektrofahrzeug nutzt, kann an diesen Ladesäulen jederzeit sein Fahrzeug aufladen, egal ob Schuko oder CEE-Stecker für die Aufladung verwendet wird", betont Schuth.
Ebenfalls in Berlin hat Daimler mit einer Pkw-Flotte gemeinsam mit RWE das Gemeinschaftsprojekt „eMobility" gestartet, in dem für in der Bundeshauptstadt insgesamt 500 Ladepunkte errichtet werden sollen Daimler steuert für den Aufbau eines Stromtankstellennetz im Großraum Berlin mehr als 100 Elektroautos bei, darunter der smart ed (electric drive) der neuen Generation und batterieelektrische Fahrzeuge von Mercedes-Benz. RWE übernimmt die Entwicklung, den Aufbau und Betrieb der Ladeinfrastruktur, die Stromlieferung sowie die zentrale Systemsteuerung. Laut RWE-Pressesprecher Harald Fletcher werden Ladestationen beim Kunden zu Hause, am Arbeitsplatz und im öffentlichen Parkraum installiert. Außerdem werden Business-to-Business Partner, wie Shoppingzentren, Parkhäuser oder Flottenkunden, in die Infrastruktur eingebunden.
Wie Harald Fletcher betont setzt RWE ausdrücklich nicht auf die RFID-Technologie. Vielmehr identifiziere sich der Nutzer durch einen Anruf-Code per Mobilfunk, die Abrechnung erfolge ebenfalls per Handy. Der Datenaustausch zwischen einem speziellen Kommunikationssystem im Fahrzeug und der intelligenten Ladestation erfolgt per Powerline-Verbindung. Insgesamt soll die Zahl von aktuell über 60 „Strom"- Ladepunkten auf 500 in Berliner Stadtgebiet anwachsen. Deutschlandweit betreibe RWE derzeit 170 Ladepunkte. In mehreren großen Städten in Nordrhein-Westfalen will der Energiekonzern bis Ende 2010 400 solcher Säulen errichten. Das Projekt wird unterstützt durch die Bundesregierung und ist Teil des Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität, welchen das Bundeskabinett im August 2009 verabschiedet hatte. Dieser bildet den Rahmen für künftige Technologieentwicklungen und für eine anzustrebende Markteinführung von Plugin-Hybrid- und Elektrofahrzeugen in Deutschland. Laut Bundesregierung sollen bis zum Jahr 2020 bereits eine Million am Stromnetz aufladbare Elektrofahrzeuge und so genannte Plugin-Hybrid-Fahrzeuge auf deutschen Straßen fahren.
Setzt sich das Modell mit den dazugehörigen Strom-Tankstellen bundesweit durch, könnte zumindest ein zentrale Voraussetzung für die Verbreitung, nämlich eine ausreichend verfügbare Infrastruktur, - ob mit oder ohne Einsatz der RFID-Technologie - geschaffen werden.
Foto: Vattenfall Europe AG









