Mittelständischer Bekleidungsfachhändler erprobt Flächenbewirtschaftung
Anfang November hat das mittelständische Modehaus Jost begonnen, die EPC/RFID-Technologie zur Flächenbewirtschaftung einzusetzen. Einbezogen in das RFID-Projekt sind vier Filialen in Grünstadt, Frankenthal, Landau und Worms sowie das ebenfalls in Grünstadt ansässige Logistiklager. Aktuell beteiligen sich an dem Vorhaben, das Teil des Prozeus-Projektes ist, die Bekleidungshersteller Gardeur und Lemmi Fashion. Anfang 2010 soll auch das Unternehmen Seidensticker als Lieferant hinzukommen. „RFID im Blick" sprach mit Patric Knoll, Kaufmännischer Leiter des Modehauses Jost, und Anja Olbertz, Projektmanagerin EPC/RFID Solutions bei GS1 Germany.
Um Transparenz über die Warenbestände im Lager und in der Filiale zu schaffen, kommt eine mobile RFID-Lösung zum Einsatz. „Aktuell werden zwei Handhelds genutzt. Eines wird im Logistiklager Grünstadt und der benachbarten Filiale für die Erfassung am Wareneingang verwendet, ein zweites Gerät rotiert abwechselnd zur Bestandsaufnahme in den vier Filialen. Einmal in der Woche werden dazu die Geschäfte abgefahren und eine Bestandsaufnahme durchgeführt", erläutert Patric Knoll. Lemmy Fashion und Gardeur liefern bereits getaggte Waren an das Modehaus. Für 4500 Etiketten, die sich derzeit im Einsatz befinden, werden Hangtags von RF-iT Solutions genutzt, ebenfalls steuerte das Unternehmen die AutoID-Plattform zur Steuerung der Prozesse für die Flächenbewirtschaftung bei. Die Konzeption erfolgte durch das Unternehmen ADT Sensormatic, die Handhelds stammen von Nordic ID.
Aktuell erfolge laut Anja Olbertz die Optimierung der technischen Situation. „Eine Herausforderung, welche es zu meistern galt, war die metallische Umgebung im Lager. Im nächsten Schritt wird es darum gehen, weitere Lieferanten in das Warenwirtschaftssystem zu integrieren und den Datenaustausch zu den Lieferanten mittels EDI zu optimieren", erläutert die Projektmanagerin die Projektziele. Der erste Schritt dazu soll im Januar erfolgen, wenn das Unternehmen Seidensticker getaggte Ware, zunächst nur Hemden des Herrenausstatters Jacques Britt, an das Modehaus Jost liefern wird.
„Anfänglich war der Start etwas holprig, aber von der Erweiterung um die Inventory-Reports versprechen wir uns sehr viel", erklärt Patric Knoll. Die Bestandsmeldung an die Lieferanten sehen wir als den Hauptvorteil der RFID-Lösung sowohl für die Handelspartner als auch für uns. Seidensticker erhält damit jederzeit Einblick, welche Ware auf der Fläche verfügbar ist. Unsere Vorteil liegt darin, dass wir bereits jetzt die Wareneingangsprozesse beschleunigen und genauer machen können", so der Kaufmännische Leiter weiter. Bei DESADV-Lieferungen hatten wir häufig eine Fehlerquote von fünf Prozent bei Größen und Farben. Bisher musste die Ware einzeln überprüft werden. Dieser Aufwand entfällt nun, da wir diese Bestandslücken direkt im Wareneingang erfassen können. Laut Patric Knoll funktioniere die Erfassung im Wareneingang problemlos. „Die Identifikation ist sehr zuverlässig. In den Filialen liegt die Erkennungsrate aktuell bei 95 Prozent, aber wir analysieren, wie wir diese Quote optimieren können."
Wie Anja Olbertz berichtet, hätten bereits weitere Lieferanten Interesse signalisiert, sich an dem Projekt zu beteiligen. „Wir gehen davon aus, dass im Laufe des kommenden Jahres noch mehr Partner auf Lieferantenseite hinzukommenden werden." Auch Patric Knoll hofft auf steigende Beteiligungen: „Wir sehen RFID als Zukunftstechnologie. Je mehr Lieferanten die Technologie einsetzen, desto größer ist der Nutzen für beide Seiten." Das Modehaus Jost, deren 60 Hauptlieferanten rund 80 Prozent der Ware stellen, hat selbst 40 000 Euro in das RFID-Projekt investiert. Der mittelständische Modefachhandel mit Sitz Grünstadt und 240 Mitarbeitern erwirtschaftet einen Umsatz von 30 Millionen Euro.
In Kooperation mit GS1 Germany soll im nächsten Projektschritt die Betrachtung der Wirtschaftlichkeit sowie die Machbarkeitsfeststellung im Hinblick auf den Einsatz von RFID in einem mittelständischen Unternehmen erfolgen. „Wir wollen zeigen, dass bei einer Beteiligung an Prozeus bereits mit einer geringen Erstinvestition ein RFID-Projekt auch für kleinere und mittlere Unternehmen realisierbar ist", betont die GS1-Projektmanagerin. Die Ergebnisse sollen nach Abschluss des Projektes im Sommer 2010 veröffentlicht werden.
„Als mittelständisches Unternehmen konnten wir durch die Projektpartner aus Vorerfahrungen aus großen Fashion-Projekten profitieren. Allerdings wurde RFID aus unserer Sicht oft zu technisch behandelt und zu wenig über den konkreten Nutzen für den Einzelhandel informiert. Vielleicht können wir mit diesem Projekt auch andere mittelständische Bekleidungshändler überzeugen."
Fotos: RF-iT Solutions, Modehaus Jost







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