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Über den Tellerrand geschaut

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Das getaggte Geschirr automatisiert die Bezahlvorgänge an der Kasse.Intelligentes Porzellan automatisiert Essensausgabe in Großkantinen

Im Firmenrestaurant der Mercedes-Benz Bank in Stuttgart kommt seit rund zweieinhalb Jahren Pabis, das getaggte Geschirr des Porzellanherstellers Bauscher, zum Einsatz, das eine schnellere Abwicklung der Bezahlvorgänge an der Kasse ermöglicht. Für rund 850 Essen pro Tag übernimmt nicht das Kassenpersonal die Abrechnung, sondern die Gäste können selbst Schnitzel, Rostbraten oder Maultaschen scannen. Eine besondere Herausforderung an das Prozessdesign, wie Dr. Wilfried Weiss, Geschäftführer Avus Services, gegenüber „RFID im Blick" berichtet.

„Für das Porzellan wurde eine neuartige Form produziert, die in der Mitte des Bodens eine Vertiefung besitzt. Nach dem Brennen wird der Tag in die Vertiefung eingebracht und mit einer porzellanähnlichen Masse verklebt", erläutert Dr. Weiss. Diese ist temperaturbeständig bis 150 Grad und spezifiziert für 3 000 Spülvorgänge." Über die weltweit eindeutige ID auf dem HF-Tag werden die Teller bei der Essensausgabe über fest installierte RFID-Reader erfasst. Reicht das Kantinenpersonal dem Gast den Teller, wird dem Chip das jeweilige Gericht zugeordnet und an eine Datenbank gemeldet. Sobald das Porzellan an der Kasse abgestellt wird, werden die dem Chip zugeordneten Gerichte aufgerufen und in das Kassensystem eingelesen. Die Abrechnung der Kosten erfolgt über eine Schnittstelle mit dem Gehaltskonto oder über bargeldlose Bezahlsysteme.

„Insgesamt 35 bis 40 Lesegeräte stehen Wochentag für Wochentag für verschiedene Produkte", so der Geschäftsführer weiter. „So ist beispielsweise Reader 1 am Montag dem Schnitzel zugeordnet oder am Dienstag den Maultaschen. Da der Koch die Gerichte in der Regel vier Wochen im Vorfeld festlegt, kann er anhand einer grafischen Oberfläche die Reader anwählen und entsprechend definieren."

Eine andere Codierungsform wurde in der Kantine im ISS Service Center von Capgemini in Düsseldorf gewählt. Hier definiert das Küchenpersonal die Menüs nicht vorher, sondern die Festlegung der Speisen erfolgt automatisch über das Porzellan selbst. So referiert beispielsweise ein weißes Schälchen auf Sättigungsbeilagen oder eine Schale mit grünem Rand auf Salat. „Dies erleichtert für das Küchenpersonal die eindeutige Zuordnung, die an der Kasse anhand der Seriennummer erfolgt. Auch für die Kunden ist die Handhabung sehr intuitiv und einfach."

Mit einer Erkennungsquote von über 99 Prozent funktioniere das System laut Dr. Weiss sehr schnell und zuverlässig: „Während in Stuttgart lange Schlangen an der Kasse die Regel waren, da zwei Kassen nur in Stoßzeiten besetzt waren, hat sich die Wartezeit verkürzt. Derzeit laufen drei Kassen, davon eine mobile, im Dauerbetrieb. Auch die Akzeptanz ist nach anfänglichen Schwierigkeiten sehr gut". Das eingesparte Kassenpersonal könne nun im Service eingesetzt werden, wovon sich die Betreiber eine bessere Betreuung der Gäste und mehr Umsatz erhoffen.

Der Aufbau der gesamten Geschäftslogik, die Entwicklung der Software und Antennen sowie die Kommunikation zur Kasse erfolgte durch Avus. Genutzt werden HF-Reader von Feig Electronic, die Tags lieferte das Unternehmen Smart-Tec. „Eine Herausforderung bestand darin, das System so zu gestalten, dass sich der Kunde nicht auf veränderte Abläufe einstellen muss. Dazu gehörte auch die Antennen so zu designen, dass sich diese in küchentaugliche Materialien integrieren lassen. So wurde beispielsweise die Geometrie der Flächenantennen an den Tellerspendern der Salatbar so in den ausgefrästen Rahmen aus Corian, einem edlen Kunststein, eingepasst, dass die Schälchen bei Entnahme winkelunabhängig durch die obere Öffnung erkannt werden."

Für Dr. Weiss hat das innovative Catering-Konzept Marktpotenzial: „Gerade für neue Kantinen von großen Banken, Versicherungen oder Industrieunternehmen mit 500 bis 1500 Essensausgabe pro Tag sehen wir das größte Einsparpotenzial. Als Weiterentwicklungen arbeitet das Unternehmen derzeit daran, auch gewogenes Essen über eine Waage mit integriertem Lesegerät abzubilden, sowie einen Barcode-Scanner, der beispielsweise Schokoriegel erfasst, in den Prozess zu integrieren. „Denn natürlich schauen wir auch über den Tellerrand hinaus."

Foto: Engel & Zimmermann AG

 

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