Die schnelle Verfügbarkeit der Waren auf der Verkaufsfläche wird zunehmend zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil für den Handel. Voraussetzung sind transparente Prozesse von der Produktion bis zum Geschäft. Kam das Thema „offene Logistikkette" bisher eher schleppend voran, rückt die gläserne Supply-Chain mit der RFID-basierten Warenverfolgung auf Artikelebene in der Textilbranche nach Einschätzung von Experten nun in greifbare Nähe.
„Ich bin überzeugt, dass wir kurz vor dem entscheidenden Durchbruch stehen. Im Fashion-Bereich geht der Trend weltweit zur Radiofrequenztechnologie in Verbindung mit dem Elektronischen Produkt-Code. In Deutschland entscheiden sich neben den großen Playern wie Gerry Weber auch immer mehr mittelständische Unternehmen für den Einsatz von RFID", äußert Jörg Pretzel, Geschäftsführer, GS1 Germany, im Interview gegenüber 'RFID im Blick'.
Aktuell strebt das Bekleidungsunternehmen Gerry Weber noch in diesem Jahr an, jedes Kleidungsstück ab Produktion mit textilen RFID-Etiketten zu versehen. Auch Modehäuser der vor allem mittelständisch geprägten Branche entdecken das Thema zunehmend für sich, wie die Beiträge dieser Reportage belegen. Beispiele für Pilotprojekte sind das Modehaus Jakob Jost oder das Bekleidungsunternehmen K&L. Aktuell erprobt das Unternehmen in einem sechsmonatigen Pilotprojekt in einer Referenzfiliale am zentralen Standort Weilheim, wie RFID-gestützte Retail-Prozesse die Wirtschaftlichkeit erhöhen können. Generell versprechen sich die Händler Umsatzsteigerungen vor allem durch automatische Inventuren, eine artikelgenaue Bestandsführung und eine verbesserte Nachschubversorgung.
Zudem rückt ein bisher vernachlässigtes Thema erstmals explizit in den Blickpunkt: Mit dem Einsatz der RFID-Technologie ab der Quelle wäre auch die gleichzeitige Nutzung zur Warensicherung eine lohnende Option. Nicht nur vertikale Händler, so haben die Gespräche von 'RFID im Blick' mit Spezialisten der Branche ergeben, verfolgen die Möglichkeit des so genannten 'Source Tagging' mit verstärktem Interesse. „EAS ist aus unserer Sicht der Durchbruch für RFID. Denn es ermöglicht die Nutzung von Source-Tagging, betont Heiko Tiedmann, Business Development Manager RFID, Avery Dennison Central Europe. „Der Trend geht ganz klar dahin, dass zukünftig alle Anbieter RFID als Warensicherung einsetzen werden", ist der RFID-Experte überzeugt.
Wirtschaftliche Potenziale sieht Heiko Tiedmann aktuell vor allem durch die erhöhte Lagerbestandsgenauigkeit auf der Fläche. „Nachweislich lässt sich die Lagerbestandsgenauigkeit von 80 auf 98 Prozent plus steigern. Wenn sich die Bestandsgenauigkeit um drei Prozent erhöht, steigt der Umsatz um ein Prozent. Kunden von uns konnten die Umsätze durch bessere Warenverfügbarkeit je nach Artikelgruppen um fünf bis zehn Prozent steigern. Der bedeutende britische Textilfilialist Marks & Spencer, der seit 2003 eine RFID-Lösung von Avery Dennison nutzt, erwirtschaftete nach eigenen Angaben sogar ein Umsatzplus von 15 Prozent."
Die 16-seitige Reportage liefert eine vielschichtige Bestandsaufnahme der aktuellen Entwicklungen in der Textilbranche. Betrachtet werden Prozesse, Anforderungen und zukünftige Perspektiven aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Sowohl große als auch mittelständische Textilhändler geben Einblick in aktuelle Projekte. Technologieexperten sprechen über spezifische Aspekte von Source-Tagging, über Anforderungen an mobile Geräte, bis hin zu der Frage, wie die Integration von RFID auf Filialseite gelingen kann. Die Rolle des Logistikdienstleisters als Bindeglied in der Kette, Herausforderungen hinsichtlich durchgehender Standards, aber auch Forschungsansätze für neue Geschäftsmodelle werden in Interviews beleuchtet.
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