Ein passives RFID-System macht kontaktlose Hirndruck-Messung möglich
In der Notfallmedizin kann der Hirndruck eine Größe sein, die über Leben und Tod entscheidet. Will der Arzt den Hirndruck überwachen, muss er eine Operation am Schädel des Patienten vornehmen und eine kabelgebundene Sonde einführen. Eine neue Entwicklung soll nun eine kontaktlose Ermittlung des Hirndrucks ermöglichen. Die Lösung liegt im Trend: Passive RFID plus Sensorik.
Der äußere Zugang zum zentralen Nervensystem, den ein Drucksensor für die kabelgebundene Messung des Hirndrucks herstellt, sei stets mit Risiken verbunden, sagt Robert Reichenberger, Director Business Unit Assembly/Catheters bei Raumedic: „Die Erfahrung und tägliche Praxis zeigen, dass nach dem vierten bis fünften Tag das Infektionsrisiko signifikant ansteigt." Das fränkische Medizintechnik-Unternehmen entwickelte das Telemetriesystem zur Hirndruckmessung und geht 2010 in die klinische Erprobung.
Die Elektronik des RFID-Implantates, welches den bisherigen Katheter ersetzt, stammt vom Unternehmen Microsensys. Es wird genauso gesetzt, nämlich auf den Schädelknochen, den Sensor in das Gehirn gerichtet. Die Neuerung besteht darin, dass die Kopfhaut über dem Implantat vernäht wird. Die Naht wird abgedichtet, in den meisten Fällen verklebt und schließlich bandagiert. „Damit reduziert sich das Infektionsrisiko gegen Null", so Reichenberger gegenüber „RFID im Blick".
Die Idee hinter dem System zielt aber nicht nur auf die Minimierung des Infektionsrisikos ab, sondern will auch chronisch kranke Patienten mit dem Drucksensor „mobil machen". „Mobil machen heißt, dass der Patient sich relativ normal bewegen kann", erläutert Reichenberger. „Er ist nicht mehr an sein Krankenhausbett gebunden, sondern kann im besten Fall zuhause frei agieren." So könne man beispielsweise den Hirndruck bei Hydrocephalus-Patienten („Wasserkopf") überwachen, während diese alltägliche Aktivitäten mit Stresssituationen und körperlichen Anstrengungen meistern.
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Foto: RAUMEDIC AG








