RFID-gestützte Systeme schaffen Containersicherheit in der Hafenlogistik
Neuralgische Punkte bei der Abfertigung von Containern im Containerterminal sind die Terminalschnittstellen, über die ein Container das Terminal erreicht oder verlässt. Dies können das Truckgate für die Lkw, das Zufahrtsgleis der Bahn und die Wasserseite sein. „Für die anschließende Abnahme durch Hafenmitarbeiter sind drei Aspekte von Bedeutung: die Container-Identifikation, sprich das automatische Auslesen der Containernummer, das Checken des elektronischen Siegels und letztendlich die Dokumentation von Schäden am Container", erklärt Dr. Nils Meyer-Larsen, Abteilung Informationslogistik des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) in Bremerhaven.
AutoID-Systeme seien laut Dr. Meyer-Larsen in der Containerlogistik noch nicht sehr weit vorgedrungen. Die Containernummer werde meist bei der Anlieferung von den Mitarbeitern abgelesen, notiert und anschließend händisch in das Terminal-Betriebssystem eingepflegt. In den wenigsten Fällen werde Schrifterkennung zur automatisierten Erfassung der Containernummer eingesetzt. Auch Barcodes seien im Falle von Verschmutzungen im Hafenumfeld nur begrenzt einsetzbar.
Einsatz von Container-Tags
Das ISL erprobte daher im Jahre 2008 im Rahmen des Projekts „Chinos" den Einsatz von sogenannten Container-Tags sowie elektronischen Siegeln in verschiedenen europäischen Terminals (NTB Bremerhaven, Warschau, Graz, Thessaloniki). Um sicherzustellen, dass die Container auf ihrer Reise nicht unbefugt geöffnet wurden, wurde dieser mechanisch mit einem Siegel verschlossen, welches mit einer Nummer versehen ist, die zusätzlich in den Frachtpapieren vermerkt ist. Bislang seien laut Dr. Meyer-Larsen konventionelle Hochsicherheitssiegel mit massiven Stahlbolzen in Verwendung. Um die manuellen Prozesse zu optimieren, wurden die Siegel um eine RFID-Komponente erweitert, um den Status des Siegels drahtlos erfassen zu können und die Kontrolle zu beschleunigen. Auch die Fehlerquote konnte durch den Einsatz verringert werden, da unter anderem Zahlendreher nicht mehr vorkamen. Zudem konnte durch zusätzliche Sensorik überprüft werden, ob der Bolzen des Siegels durchtrennt wurde oder nicht. Ein weiterer Aspekt des Chinos-Projektes ist die Dokumentation des physischen Zustandes des Containers über hochauflösende Bilder. Dafür wurden stationäre Lesesysteme mit Kameras an den Lkw-Gates am Terminal installiert, welche den Container zusätzlich zur Identifizierung fotografierten.
Flächendeckender Einsatz in Verzug
„Um eine flächendecke Einführung von Container-Tags sowie elektronischen Siegeln einzuführen, müssten Reeder sowie Terminalbetreiber sich auf Standards einigen, denn die Container-Eigner sind oft die Reeder und diese haben keine unmittelbaren Vorteile von der automatischen Identifikation, ganz im Gegensatz zu den Terminals", erklärt Meyer-Larsen. Trotz dieses Verständigungsproblems hält der Experte eine flächendeckende Einführung von RFID in der Container-Logistik für möglich, da die Ergebnisse des Chinos-Projekts durchgängig positiv ausgefallen sind und die Prozesse stark optimiert werden konnten.
Verabschiedete Standards
Weltweit gültige Standards wurden laut Meyer-Larsen mittlerweile für den Container-Tag und für das elektronische Siegel verabschiedet. Für das Siegel wurde die ISO 18185 und im Falle des Container-Tags die ISO 10891 festgelegt. „Zurzeit gibt es aber keine Siegel, die sich an der ISO 18185 orientieren. Für die Hersteller macht es keinen Sinn diese Siegel zu produzieren, da es keine entsprechenden Vorschriften gibt, um diese Siegel einzusetzen und die Wahrscheinlichkeit, dass jetzt jemand in diese Siegel investiert, ist sehr gering", erläutert Dr. Meyer-Larsen die Patt-Situation.
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Bild: Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL)









