Medienrummel geht zulasten einer sachlichen Diskussion
Der Medienrummel um die ARD-Sendung „Plusminus", in der das Magazin und der Chaos Computer Club den Fernsehzuschauern demonstrieren wollten, dass der neue Personalausweis nicht sicher sei, hat sich schnell gelegt. Einig sind sich verschiedenste Vertreter aus dem Technologieumfeld, dass eine echte Sicherheitslücke nicht aufgezeigt werden konnte („RFID im Blick" berichtete).
Dieser Meinung ist auch Frithjof Walk, Vertriebsleiter Obid, Feig Electronic: „Der Medienrummel ist überflüssig und dient nicht der Sache. Hier wurde offensichtlich das Sommerloch ausgenutzt", kommentiert er. „Es sollte unter fahrlässigen Sicherheitsbedingungen an einem Computer demonstriert werden, dass die Schwachstelle bei den Lesegeräten liegt. Letztendlich wurde vorgeführt, wie ein Rechner kompromittiert wurde, der überhaupt nicht gegen fremde Zugriffe geschützt ist, weder durch eine Firewall noch durch einen Virenscanner. Jedes Schutzprogramm hätte diesen Angriff sofort gemeldet" Dass die PIN-Eingabe über die PC-Tastatur abgehört werden könne, sei so Walk, bei allen Onlinegeschäften theoretisch möglich.
Auch die Lesegeräte seien in verschiedenen Funktions- und Sicherheitsstufen erhältlich und müssen vom BSI zertifiziert werden. „Die Lesegeräte sind so sicher, wie der Stand der Technik es heute zulässt. Jeder, der eine hohe Sicherheit fordert, kann diese kaufen." Wichtig sei es, so Walk, den Benutzern klar zu machen, welche Maßnahmen notwendig sind, um Internet-Transaktionen sicher zu machen. „Heute weiß eigentlich jeder, dass man einen Virenscanner und Sicherheitsmaßnahmen braucht, um die 'Tür' zu schließen."
Eine unsachgemäße Diskussion ginge so auf Kosten eines Projektes, das von den verantwortlichen Behörden und Instituten in Berlin „sehr gut, gezielt, und zuverlässig vorangetrieben wird", betont Walk. Für sinnvoll und wichtig hält er es daher, auch die Chancen und Möglichkeiten aufzuzeigen, die sich rund um das Thema 'Sichere Identitäten und Produkte' im Zusammenhang mit dem neuen Personalausweis im Internet eröffnen: „Die Zuverlässigkeit des Online-Handels, des Datenverkehrs und von Dienstleistungen wird sich mit wirklich gesicherten Identitäten grundlegend ändern und für den Verbraucher nützliche Applikationen aufzeigen", ist der Vertriebsleiter überzeugt.
Um den neuen Personalausweis wird es auch beim AIM-Herbstforum gehen, welches der AutoID-Verband vom 6. bis zum 8. Oktober in Berlin veranstaltet. Zum Thema „Sichere Identitäten - AutoID im Spannungsfeld zwischen Personen- und Objektidentität" werden Risiken und Chancen im Rahmen einer Podiumsdiskussion gemeinsam mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft erörtert werden. Ein Vertreter des Bundesinnenministerium hat bereits sein Kommen zugesagt. „Dabei soll die Diskussion bewusst offen bleiben für die Fragen der Zuhörer", so Walk. „Sicherheitslücken und Maßnahmen zur Sicherheit des Produktes sind dann natürlich genauso ein Thema wie die zukünftigen Perspektiven."
Foto: © Andrzej Puchta - Fotolia.com









