AutoID/RFID-Branche diskutiert Auswirkungen des neuen Personalausweises
Bei zuverlässigen Sicherheitsmechanismen zum Schutz von Identität und Privatsphäre übernimmt Deutschland Vorbildfunktion. Dies ist das Fazit des diesjährigen AIM-Herbstforums in Berlin. Im Rahmen von Expertenvorträgen und des abschließenden AIM-Herbstgesprächs „Konvergenz von sicherem Objekt und sicherer Identität - diskutierten Experten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft mögliche Auswirkungen des neuen Personalausweises auf unser tägliches Umfeld.
„Deutschland übernimmt klar eine Technologieführerschaft, die Know-how und Arbeitsplätze schaffen wird, so Frithjof Walk, Vorstandsvorsitzender AIM-D, gegenüber "RFID im Blick". „Das Projekt 'neuer Personalausweis' hat Pilotcharakter und wird von allen EU-Partnern und weltweit aufmerksam beobachtet. Durch die professionelle Umsetzung ist es Deutschland gelungen, sich sehr gut zu positionieren. Das heißt, dass die Sicherheitsprozesse und -standards höchstwahrscheinlich auch in anderen Ländern zum Einsatz kommen werden."
Umdenken ist unausweichlich
Zur sicheren Ausgestaltung dieser Prozesse im Zusammenhang mit dem neuen Personalausweis werde es laut Walk vor allem das Thema Sichere Identitäten im Netz von zentraler Wichtigkeit sein. Dabei sei das Wissen um den Zugang zu Servern ein ganz essenzieller Bestandteil: „Die IT-Welt befindet sich im Wandel. Und automatische Identifikationsverfahren, sei es Barcode oder RFID, sind Teil dieses Wandels. Um diesen Medienübergang von der realen in die virtuelle Welt zu bewerkstelligen, wird es ein Umdenken geben müssen, was die zuverlässige Abbildung von Prozessen betrifft. Datenschutz und Datensicherheit stellen dabei ein wichtiges Thema dar."
'Internet der Dinge' neu definieren
Als Verband wolle sich AIM bei dem Thema 'Sichere Personen-und Objektidentitäten' verstärkt engagieren, kündigte Walk an. „Unsere Aufgabe als Verband ist es, unserer Branche Visionen und Innovationen liefern. Das diesjährige Herbstforum markiert einen Startschuss, um mit einem relativ branchenfremden Thema den Blick über den Tellerrand hinaus zu öffnen", erklärt er gegenüber „RFID im Blick". Die Themen „sichere Personen- und Objektidentitäten" eröffneten in den nächsten Jahren weite Arbeitsfelder. Jetzt sei die Aufgabe jedes einzelnen Unternehmens, zu prüfen, welchen Teil dieses dazu beisteuern könne. „Klar ist: Ein Internet der Dinge ohne sichere Identitäten von Objekten wird es nicht geben", betont der AIM-Vorstandsvorsitzende.
Deutschland übernimmt Vorreiterrolle
Dies war auch der Tenor der Podiumsdiskussion im Rahmen des AIM-Herbstforum, bei der Experten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft über Anwendungsszenarien vernetzter intelligenter Objekte diskutierten. „Die AutoID-Technologien werden künftig nicht mehr nur als voneinander unabhängige Systeme betrachtet. Stattdessen werden die Objekte intelligenter und sind stärker miteinander vernetzt. Die Herausforderung hierbei ist, die jeweiligen Identitäten als echt nachzuweisen", so Dr. Benjamin Fabian bei der Podiumsdiskussion. Dies ist auch das Ziel des neuen Personalausweises (nPA): „Der nPA ermöglicht den Zugang zu dieser funktionalen Welt und reduziert die Komplexität, sich in dieser Welt zu bewegen sowie von anderen akzeptiert zu werden. Gleichzeitig stärkt er das Vertrauen", erklärt Ministerialrat Andreas Reisen und weist auf die Vorreiterrolle hin, die Deutschland bei der Entwicklung von Datenschutz- und Sicherheitsstandards übernimmt. „Deutschland ist führend bei der Umsetzung dieser Anforderungen sowie bei der Entwicklung von Zugangsmechanismen. Dies eröffnet die Chance, dass diese Technologie und Standards auch international Akzeptanz finden (...)"
Noch ein langer Weg
Bis es soweit ist, sei jedoch noch ein langer Weg zurückzulegen. Darüber waren sich alle Teilnehmer des AIM-Herbstgesprächs einig. „Bis die Konvergenz von sicheren Objekten und sicherer Identität funktioniert, dauert es noch. Wichtig ist jedoch, die Konvergenz mit Sicherheits- und Datenschutzmaßnahmen zu flankieren", so Dr. Benjamin Fabian. Laut Dr. Julia Gerhards ist zudem eine hohe Transparenz für Verbraucher besonders wichtig, damit die neuen Angebote und Möglichkeiten auf breite Akzeptanz stoßen. Zudem müssen Prof. Dr. Sarah Spiekermann zufolge alle Partner bei der Umsetzung an einem Strang ziehen, was aufgrund unterschiedlicher Interessen in der Praxis neue Herausforderungen an alle Beteiligten stellt, die künftig bewältigt werden müssen.
Konvergenz ganzheitlich betrachten
Sichere Personenidentifikation und sichere Objektidentifikation lassen sich nicht mehr künstlich trennen – davon ist auch Prof. Dr. Frank Gillert, TH Wildau, überzeugt: „Es gibt keine rein personenbezogene und eine rein logistische Abbildung. Diese Diskussionsstufe haben wir überwunden. Um eine ganzheitliche Betrachtung des Themas Konvergenz kommen wir nicht umhin, da die Technologien in Zukunft immer stärker zusammenwachsen“. Ein Beispiel sei der Produkt- und Markenschutz. Wenn der Verbraucher Geschäftsprozesse unter Verwendung des Personalausweises nutze, müsse sichergestellt sein, dass auch die Produkte, welche er erwirbt, authentisch sind. Ein anderes Beispiel sind laut Gillert „intelligente“ Stromnetze. Ein Smart Grid integriert alle Akteure auf dem Strommarkt in ein gesamtes System. Dadurch können Haushaltsgeräte zukünftig nicht nur vom heimischen PC des Verbrauchers, sondern auch von außen – vom Energieerzeuger – gesteuert werden. Für den sicheren und autorisierten Zugriff auf die Kontrollsysteme sind daher entsprechende Authentifizierungsmaßnahmen erforderlich.
Pull-Situation statt Push-Situation
„Noch befindet sich die Nutzung dieser hochdynamischen Anwendungen in einem frühen Stadium. Daher ist es umso wichtiger, das Thema weg von einer Push-Situation, wie sie bei neuen Technologien ja häufig zu finden ist, in eine Pull-Situation zu drehen. Diese sollte und wird seitens des Verbandes sowie von Wissenschaftlern verstärkt getrieben werden. Der Auftrag heißt jetzt den Dialog zu fördern, das heißt zum einen Anwendern den Nutzen von Geschäftsprozessen besser zu kommunizieren, zum anderen den Dialog beispielsweise mit Konsumgüterherstellern, die durch Fälschungen bedroht sind, zu suchen. Diesen Dialog gilt es dann auf die Verbandsebene zurückzuspielen, aus dem diese Lösungen kommen können.“
Fotos: AIM-D e.V., Bundesdruckerei GmbH


Die RFID-Technologie ist ausgereift. Standards für die gängigen Systeme sind verfügbar. Und für alle Anwendungen unterschiedlichst...






