Vollautomatische Logistikprozesse
AL-KO Therm GmbH beschleunigt Vereinnahmung und Versand mit SAP RF-ID
Von Markus Wenning, IGZ Logistics + IT GmbH
Seit dem Jahr 2005 nutzt die Alois Kober GmbH, besser bekannt unter der Dachmarke AL-KO, das Logistikmodul SAP Logistics Execution System. Gemeinsam mit der IGZ Logistics + IT, dem auf SAP-Direktanbindung von Lager- und Produktionsanlagen spezialisierten SAP Logistik-Projekthaus, integrierte AL-KO die Logistikprozesse als dezentrale Plattform in das bestehende SAP ERP-System. Nun verschlankte AL-KO die logistischen Prozesse zusätzlich mit einer SAP RF-ID-Anwendung, die erneut mit dem früheren Partner IGZ umgesetzt wurde, um label- und scannerfrei zu be- und entladen.
AL-KO ist überzeugten Fußballanhängern und Gartenfreunden ein Begriff. Einerseits unterstützt das in Kötz (Schwaben) ansässige Familienunternehmen den Fußball- Zweitligisten FC Augsburg als Hauptsponsor und andererseits produziert AL-KO Geräte für die Gartenpflege, Holz- und Bodenbearbeitung sowie Bewässerungssysteme. Die Unternehmensgruppe zählt neun Geschäftsfelder in den Unternehmensbereichen Fahrzeugtechnik, Garten + Hobby sowie Luft- und Klimatechnik an weltweit 50 Standorten. „Quality for Life“ nennt das traditionsreiche Familienunternehmen sein unternehmensweites Bestreben, Mehrwerte durch Innovationen zu bieten. So überrascht es nicht, dass AL-KO eines der ersten Unternehmen war, das die SAP-Prozesse im Jahr 2005 auf das voll automatisierte Versandzentrum ausdehnte. Sämtliche Wareneingangs-, Einlager-, Kommissionier-, Auslager- und Versandprozesse werden seither mit der SAP-Logistiklösung LES (Logistics Execution System) abgewickelt. Das schließt den automatisierten Materialfluss im 4 900 Palettenplätze fassenden voll automatisierten Hochregallager, die wegeoptimierte Staplersteuerung und Sonderprozesse wie beispielsweise Cross-Docking ein. IGZ | Das SAP Logistik-Projekthaus unterstützte bereits damals bei der Beratung, Planung und SAP LES/TRM-Implementierung.
SAP RF-ID beschleunigt Intercompany-Verkehre
Dass die mit SAP LES verwirklichte Vereinfachung der Systemlandschaft, die es AL-KO ermöglichte, mit der Logistik-IT flexibel und unabhängig von externen Softwarelieferanten zu agieren, weiteres Potential bietet, zeigt das zuletzt abgeschlossene SAP RF-ID-Projekt innerhalb der Unternehmensgruppe. Um die Versandabwicklung und Wareneingangsprozesse bei der AL-KO THERM GmbH zu beschleunigen, baute das Kötzer Unternehmen bestehende SAP ERP-Prozesse mit Datenfunk- und RF-ID-Technologie an zwei Standorten aus. Das Ziel: Vereinfachung und Beschleunigung der Intercompany- Verkehre zwischen den beiden Standorten in der Lutherstadt Wittenberg und Jettingen/Scheppach. Beide Standorte gehören zur Sparte Lufttechnik, wobei Wittenberg als Profit-Center für Teile und Komponenten von Heizungs-, Lüftungs- und Klimageräten sowie als Produktionsstätte von Seriengeräten fungiert. Hauptsitz des Unternehmensbereichs Lufttechnik mit Produktion und Montage eines weitgehend standardisierten Geräteprogramms für Klimatechnik, Industrielufttechnik und Absaugtechnik ist der Standort Jettingen/Scheppach.
Berührungsloser Warenausgang in der Fläche
Zur Kommissionierung von Komponenten in Wittenberg nutzt AL-KO THERM spezielle PC-Dialoge in SAP LES, die auf Monitoren (u.a. Touchscreens) ergonomisch bedient werden. Nach Entnahme der Ware stößt der Mitarbeiter durch ein speziell belegtes Screenfeld des PC-Dialogs die Beschreibung des RF-ID-Tags mit der Nummer der Versandeinheit (NVE) an. Die Transponder werden der Versandpalette beigelegt. An den beiden Kommissionierplätzen kommen RF-ID-Schreiber des Typs UDL50 von Deister zum Einsatz.
Nun kann die Palette mit Flurförderzeugen aus der Halle (Packbereich) gefahren werden. Auf der Bereitstellfläche vor der Versandhalle stellen die Fahrer die Versandpaletten zu Transporten zusammen. Je Transport, der einem Lkw entspricht, ist ein separater Bereich definiert.
Unterstützt werden die Fahrer von staplermontierten RF-Geräten, über die ein SAP SD-Transport einer Verladung zugeordnet werden kann. Erst nachdem alle Paletten organisatorisch einem Lkw-Transport zugewiesen sind, beginnt der physische Verladeprozess.
Um alle Versandpaletten zu erfassen, durchfährt der Stapler ein mit jeweils vier UDL500-Antennen von Deister ausgestattetes Tor, das jede Versandpalette anhand des beiliegenden Transponders erfasst und dem SAP SD-Transport zuordnet. Das RF-ID-Verladetor liest die palettenbezogenen Transponder, die mit der Handling Unit-Nummer (HU) beschrieben sind. Wird eine Palette identifiziert, setzt SAP auf HU-Ebene den Verladestatus, ermittelt die zugehörige Auslieferung zur HU und ordnet diese dem aktiven SAP SD-Transport zu.
Konnten nicht alle Versandpaletten eines Transports auf einen Lkw verladen werden, besteht die Möglichkeit, einen Liefersplit der HUs vorzunehmen.
Der SAP SD-Transport wird durch den Druck der erforderlichen Versandpapiere wie Frachtbrief, Lieferschein und Ladeliste abgeschlossen. Im Hintergrund wird zugleich die Warenausgangsbuchung in SAP ERP über das Aktivitätenprofil angestoßen. Soll die Verladung gestoppt werden, beispielsweise weil der Transport eines anderen Lkw vorgezogen werden soll, wird der SAP SD-Transport für die Verladung deaktiviert. Zur Verladestornierung wird für alle Paletten zum aktuellen SAP SD-Transport der Verladestatus zurückgenommen. Am Standort Wittenberg kommt der RF-ID gestützte Verladeprozess berührungslos ohne Einsatz von Scannern, die manuelle Zusatzprozesse mit sich bringen würden, aus. Damit ist eine einfache, schnelle und fehlerfreie Lkw-Verladung in SAP ERP sichergestellt.
Automatische Wareneingangsbuchung mit SAP RF-ID
Analog zum Warenausgang gestaltet sich die Anlieferung am Zielstandort Jettenbach/Scheppach, dessen Wareneingangslagerort anders als in Wittenberg nicht mit SAP LES verwaltet wird. Die Anlieferung aus Wittenberg wird vor der Entladung im System angelegt.
Auch in Jettingen/Scheppach stehen den Staplerfahrern spezielle PC-Verladedialoge zur Verfügung, um Transporte anzulegen und zu aktivieren. Lieferungen können angepasst, HU-Stati ersetzt und die Wareneingangsbuchung getriggert werden.
Analog erfolgt mit RF-ID-Technologie die Vereinnahmung der Anlieferungen in SAP ERP am Standort Jettingen/ Scheppach. Damit wird eine werksübergreifende Rückverfolgbarkeit über den Belegfluss sichergestellt, was für die Fachabteilung eines der wesentlichsten Entscheidungskriterien darstellte. Damit beschleunigt sich die label- und scannerlosee Warenvereinnahmung bei gleichzeitigem Anstieg der Prozesssicherheit.

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