Technische Hochschule Wildau (FH) entwickelt Lösungen für den Produkt- und Markenschutz
Von Prof. Dr. Frank Gillert, Fachbereich Ingenieurswesen/Wirtschaftsingenieurswesen, Logistikmanagement/Logistikcontrolling, Technische Hochschule Wildau (FH)
In den letzten Jahren haben AutoID-Technologien allgemein und RFID-Lösungen speziell ihren Platz als integraler Bestandteil von Informations- und Kommunikationsinfrastrukturen eingenommen. Ein wesentlicher Grund dafür ist der fortschreitende Produktiveinsatz dieser Technologien, obgleich die Medienpräsenz rückläufig ist. Aus Sicht des Technologiemanagements befinden sich viele RFID-Applikationen im produktiven Einsatz oder sind zurzeit aus Gründen der Funktionalität und/oder Wirtschaftlichkeit zurückgestellt, beziehungsweise werden auf Basis optischer Identifikationsverfahren umgesetzt. Viele Anwendungen sind in Nischen und nicht in den prognostizierten Massenmärkten zu finden. In 2011 wird sich diese Entwicklung weiter festigen.
Es lassen sich zwei grundsätzliche Treiber für diese Entwicklung erkennen. Zum einen werden die zugrunde liegenden Problemstellungen spezifischer und erfordern Mehrwertlösungen, die über eine einfache Prozessoptimierung hinausgehen, wie beispielsweise die Sicheren Identitäten von Dingen, die wiederum wirtschaftlich tragfähige Anwendungen ermöglichen. Zum anderen bewirken die zugegebenermaßen selten werdenden Innovationen im Umfeld von RFID neue Lösungsräume, zum Beispiel den Metalltransponder auf UHF-Basis.
Ganzheitliche Ausrichtung der Aktivitäten
Die Technische Hochschule Wildau (FH) unterhält eine Forschungsgruppe „Sichere Objektidentität“, die sich im Rahmen von industriellen und öffentlichen Forschungsprojekten mit den Fragestellungen der Sicherheit im Rahmen des Produkt- und Markenschutzes, des Lifecycle- Managements und der sicheren Lieferkette auseinandersetzt und Lösungen konzipiert, sowie deren Implementierung unterstützt. Basis dafür ist einerseits das Kompetenzzentrum Sichere Objektidentität und Authentizität (COIDA Competence Center Objectidentification and Authentication) und andererseits ein AutoID-/ RFID-Test-Center.
Einfallstor für Plagiate
Die fortschreitende Virtualisierung der Geschäftsprozesse im Rahmen von e-Business- Anwendungen führt zu neuen Bedrohungslagen in den Supply- Chains. Wurde zuvor auf vertraute Geschäftsbeziehungen gesetzt, sind häufig wechselnde und anonyme Geschäftspartner Teil der globalen Netzwerke. Neben den wirtschaftlichen Vorteilen, bedingt durch die erhöhte Agilität, bestehen aber auch Gefahren durch unbekannte Schnittstellen und damit Einfallstore für Plagiate und Fälschungen.
Halbwertszeit von Sicherheitslösungen
Gelingt es nicht, die Supply-Chain sicher zu gestalten, indem organisatorische und prozessuale Maßnahmen getroffen werden, welche die Einfallstore für Plagiate und Fälschungen schließen, hilft in vielen Fällen die Implementierung von technischen Merkmalen zur Identifikation von Plagiaten und Fälschungen. Diese Maßnahmen sind allerdings nur dann als erfolgreich zu bezeichnen, wenn sie nicht nur die ex-post-Identifizierung von einem Teil eingeschleuster gefälschter Produkte bewirken, sondern das Fälschen der Produkte grundsätzlich unattraktiv machen. Ob dies gelingt, hängt jedoch maßgeblich vom Konsumenten ab; ist er nicht daran interessiert, dass die Produkte, die er erwirbt, originale Produkte sind, dann werden Schutzmaßnahmen keinen hinreichenden Nutzen aufweisen. Darüber hinaus sind Schutzmaßnahmen meist nicht von andauernder Wirkung, sondern werden gegebenenfalls durch die Reaktion der Fälscher außer Kraft gesetzt. Diese „Halbwertszeit“ von Sicherheitslösungen muss stets bei einer zukunftsorientierten Vorgehensweise der Bedrohungsanalysen berücksichtigt werden.
Bedrohungssituation genau analysieren
Um nun eine Entscheidung zugunsten des proaktiven Einsatzes von Merkmalen zu treffen, bedarf es einer genauen Analyse der Bedrohungssituation. Hierzu fehlt es aber zurzeit an geeigneten Modellen, wie sie beispielsweise aus der Informationstechnologie bekannt sind. Die Herausforderungen bestehen insbesondere in der ganzheitlichen Abbildung der prozessualen, organisatorischen und systemtechnischen Abgrenzung der Problemstellung mit dem Ziel, Technologien mit Zusatznutzen zu identifizieren und zu implementieren. Ein wesentlicher und allgemein attraktiver Zusatznutzen existiert durch die Anwendung von Identifikationstechnologien zur Verbesserung der Logistikprozesse. Hier verspricht die RFID-Technologie die größten Synergien.
Anwendungsfelder mit erfolgreichen Umsetzungen
Anwendungsfelder sind im Rahmen des Produkt- und Markenschutzes beispielsweise Anforderungsanalysen hinsichtlich des AutoID-/RFID-Einsatzes in den einschlägigen Industrien wie der Pharma-, Medizintechnik-, Automobilund Luftfahrtindustrie. Fragen im Lifecycle-Management betreffen RFID-gestützte Ersatzteilprozesse oder die Freischaltung medizinisch- technischer Geräte. Im Bereich sichere Supply-Chain kann das Kompetenzzentrum auf Forschungsaktivitäten zur Sicherheit im internationalen Containerverkehr mit großen Partnern der Industrie verweisen.
Für die erfolgreiche Unterstützung von Innovationen kann die Kooperation mit dem Ingenieurbüro Zissel beispielhaft angeführt werden. Abbildung 3 zeigt den dort entwickelten Metalltransponder, für den unlängst das Patent erteilt wurde. Dieser Transponder ist für Anwendungen im metallischen Umfeld entwickelt worden und ist selbst in ein Metallgehäuse integriert. Höchste mechanische und chemische Widerstandsfähigkeit bei besten Pulkeigenschaften und hohen Lesereichweiten zeichnen diese Entwicklung aus. Die Technische Hochschule Wildau (FH) unterstützt die Vorentwicklung und Validierung sowie die Prozessintegration.

Einblick in AutoID/RFID: Technische Hochschule Wildau (FH)
Die RFID-Technologie ist ausgereift. Standards für die gängigen Systeme sind verfügbar. Und für alle Anwendungen unterschiedlichst...






