Interview mit Norbert Matthes, Produktmanager Geschäftsfeld Sensorik bei Contrinex
Die Januarumfrage des AMA Fachverband für Sensorik lässt auf ein Rekordjahr in der Sensor- und Messtechnik schließen. Die Branche geht von 13 Prozent Umsatzsteigerung aus. „Gerade in den Emerging Markets der Schwellenländer, wo sich die Lebensgewohnheiten ändern und Fortschritte erzielt werden, erwarten wir eine stärkere Nachfrage. Ganz vorn sehe ich unter anderem die Automobilbranche und die Nahrungsmittelindustrie", erklärt Norbert Matthes, Produktmanager Geschäftsfeld Sensorik bei Contrinex.
Im industriellen Umfeld wie in der Automobilindustrie herrschen häufig raue Umgebungsbedingungen, die robuste RFID-Datenträger Schreib-/Leseköpfe erfordern. Stichwort: Ganzmetall-Technologie. In welchen Prozessen erwarten Sie eine steigende Nachfrage?
Die Automobilindustrie ist ohne Frage Vorreiter für den RFID-Einsatz. Der Einsatz von RFID kann enorme Wertschöpfungspotenziale aufdecken, für den Automobil-Zulieferer ebenso wie für seine Logistikpartner. Unsere Ganzmetalltransponder kommen bereits in einem Projekt, das wir mit den Automobil-Zulieferer AE-Group in Gerstungen abgeschlossen haben, zum Einsatz. Die Anforderungen an den Transponder besteht darin, den rauen Industrieumgebungen (Schneidöle, Aluminiumspäne) standzuhalten. Werkstückträger für Getriebeteile sind mit Tags versehen, auf denen die Produktionsdaten sowie die nächsten Arbeitsschritte gespeichert sind. Die Daten werden dann als 2D-Code zusätzlich zum RFID-Tag auf das Produkt appliziert.
RFID wird die entscheidende Schlüsseltechnologie in den Bereichen Produktion und Logistik bleiben, vor allem, wenn es um betriebsübergreifende Prozesse geht. RFID ist das Mittel, um System- und Medienbrüche zu vermeiden. Dahin geht die Marktentwicklung. Nun gilt es die Standardisierungen voranzutreiben, um die Durchgängigkeit zu gewährleisten und die Potenziale der Technologie betriebsübergreifend auch nutzen zu können. Das heißt: Im Sinne des ‚Internet der Dinge' die dezentrale Steuerung über einen Datenträger, der über den gesamten Product-Life-Cycle am Objekt verbleibt und die gesamte Produktionshistorie aufzeichnet. RFID wird in industriellen Fertigungslandschaften früher oder später den Laufzettel ersetzen.
Die Hannovermesse steht vor der Tür. Auf welche neuen Produktgruppen konzentriert sich Contrinex in diesem Messefrühjahr?
Contrinex deckt als Sensorikhersteller Speziallösungen für alle Einsatzgebiete ab, in denen die Physik an ihre Grenzen stößt. Die Philosophie der Robustheit haben wir auch auf die RFID-Technologie übertragen. Im Bereich 125 kHz liegt der Fokus auf Systemen mit Ganzmetalltranspondern, die vollbündig ins Metall einbaubar sind. Im Bereich 13,56 MHz sehen wir das Thema Vernetzung ganz vorn. Wir haben ein System entwickelt, bei dem bis zu 253 Schreib-/Leseköpfe auf einer einzigen RS458-Leitung mit nur einem einzigen Adapter vernetzt werden können. Neu ist ein Schreib-/Lesekopf für den 13,56 MHz-Bereich mit USBAnschluss. Ein Adapter ist daher nicht mehr notwendig. Per Plug&Play ist dieser einsetzbar, wo der Kunde USB-Schnittstellen bereits an Bord hat, beispielsweise bei Industrie-PCs.
Stichwort Sensorik: Contrinex hat aktuell neue Miniatursensoren mit vollständig integrierter Auswertelektronik lanciert. Welche Anwendungen haben Sie dabei im Blick?
Beengte Einbauverhältnisse in den Maschinerien verlangen miniaturisierte Sensorik. Dabei handelt es sich um ein All-in-One-Geräte inklusive Verstärkerelektronik und einen Durchmesser-3-Sensor mit komplett integrierter Elektronik oder ein bündig einbaubaren Durchmesser-5-Sensor, der 2,5 Millimeter Schaltabstand hat. Leichtgewichtige, miniaturisierte Sensoren sind beispielsweise im Maschinen- und Anlagebau zur Drehzahlregelung oder zur Ansteuerung von ABS-Systemen gefragt. Im Bereich der hochdruckfesten Sensoren haben wir zudem eine Serie 5 auf den Markt gebracht für Anwendungen von Druckspitzen bis 1000 Bar und 500 Bar statischem Druck. Einsatzgebiete sind beispielsweise Hydraulikzylinder, überwiegend bei Fahrzeugen mit Hydraulikvorrichtungen oder in Maschinen, in denen Hydraulikzylinder mit hohen Drücken vorkommen. Dort fungiert der induktive Schalter als Endsensor, um die Endstellung des Kolbens innerhalb des Zylinders zu erfassen.
Laut dem AMA Fachverband für Sensorik soll sich das erwartete überdurchschnittliche Wachstum in 2011 dem vor der Krise annähern. Sind Sie ähnlich optimistisch?
Um in die Zukunft zu sehen, bräuchte ich eine Glaskugel. Aber ich kann bestätigen, dass der Markt sehr stark angezogen hat. Wir stehen jetzt wieder da wo wir vor der Krise waren. Und ich gehe davon aus, dass die positive Entwicklung weiter anhalten wird. Gerade in den Emerging Markets der Schwellenländer, wo sich die Lebensgewohnheiten ändern und Fortschritte erzielt werden, erwarten wir eine stärkere Nachfrage. Ganz vorn sehe ich unter anderem die Automobilbranche und die Nahrungsmittelindustrie. Mit der Expansion von europäischen Nahrungsmittelproduzenten in diese Länder steigt auch der Bedarf an Food-Maschinen.
Ja, das ist spürbar, an der Auslastung und der geforderten Manpower in unserem Werk in der Schweiz. Ein großes Lob an die Kollegen, die es geschafft haben aus dem Stand von Null auf 180 Prozent zu gehen und mit fast der gleichen Mannschaft eine Kapazitätenauslastung zu erreichen. Contrinex hat hier während und nach der Krise eine gute Strategie gewählt, um den gesamten Apparat wieder hoch zu fahren.
Wird die Manpower weiter aufgestockt?
Dies ist sicherlich geplant.
Die Katastrophe in Japan wird nicht ohne wirtschaftliche Konsequenzen bleiben. Japan ist eine der führenden Hightech-Nationen: Neben Endgeräten werden dort auch zahlreiche Komponenten wie Mikroprozessoren, Sensoren oder LCD-Glas gefertigt. Ein Fünftel der weltweiten Chips kommt aus Japan. Wie wird sich Ihrer Ansicht nach die aktuelle Situation auf den Hightech-Markt auswirken?
Die wirtschaftlichen Auswirkungen werden definitiv spürbar sein. Da Japan Lieferant von Schlüsseltechnologien ist, wird der Halbleitermarkt durch die Katastrophe stark gebeutelt. Ich traue den Japanern als kompetentes Volk allerdings zu, sich schnell von der Krise zu erholen. Nach dem Unglück 1995 in Kobe sind die Japaner auch nach kurzer Zeit wieder zur Tagesordnung zurückgekehrt und haben die Produktion schnell wieder aufgenommen. Dies würde auch jetzt der gesamten Weltwirtschaft zugute kommen.
Inwieweit könnten spezialisierte europäische Hersteller von der wirtschaftlichen Situation profitieren?
Sicherlich wird es Hersteller von Mikrochips geben, die davon profitieren, dass in Japan die Bänder stillstehen. Allerdings ist fraglich, inwieweit ein Produkt kurzfristig ersetzt werden kann. Wer flexibel ist, schafft schnell ein Redesign mit Komponenten, die nicht aus Japan kommen.


Die RFID-Technologie ist ausgereift. Standards für die gängigen Systeme sind verfügbar. Und für alle Anwendungen unterschiedlichst...





