Harting setzt die Segel für neue Konzepte auf den Sektoren Energy und Transportation
Seit Beginn des Jahres ist Dr. Michael Groß der neue Kopf des Bereiches „Industrial Communication / Power Networks / RFID" bei Harting. Als Anbieter von Systemlösungen will sich der Komponentenhersteller verstärkt auf die Branchen Aviation, Energiewirtschaft und Bahntechnik konzentrieren. Neue Konzepte und Produkte sind bereits in der Pipeline, wie der Geschäftsführer im Exklusivinterview mit „RFID im Blick" erklärt.
Dr. Groß, Sie haben zum Beginn des Jahres Ihre Tätigkeit als Geschäftsführer des Geschäftsführungsressorts ICPN/RFID bei Harting Electric aufgenommen. Welche Ziele haben Sie sich für Ihre neuen Aufgaben gesetzt?
Wir haben ein starkes Umfeld, in dem wir uns auch stark positionieren wollen. Wir wollen im Bereich ICPN/RFID in den nächsten drei Jahren Lösungsanbieter mit einem kompletten Produktportfolio werden und auch entscheidend die Entwicklungen in diesen Märkten mitbestimmen. Im Bereich ICPN/RFID wurden bei Harting alle Aktivitäten zusammengefasst, die sich um Komponenten und Lösungen für intelligente Infrastrukturen kümmern. Starke Entwicklungskapazitäten und ein hervorragend technologisch ausgestattetes Prüf- und Testlabor geben uns hierbei die erforderlichen Grundlagen. Aktuell sind wir in dem Bereich circa 50 Mitarbeiter und unser Ziel ist es über die nächsten Jahre mit 40 Prozent zu wachsen und damit ein weiteres starkes Standbein der Harting Technologiegruppe zu werden.
Auf welche Branchen konzentrieren sich die RFID-Entwicklungen vorrangig?
Die RFID-Entwicklungen im Rahmen der Smart Infrastructure Strategie von ICPN verfolgen zwei Zielrichtungen: Zum einen werden wir die durch RFID erreichbaren Prozessoptimierungen besonders in den eigenen Herstellungsprozessen und den weltweit verteilten Fertigungsstandorten einsetzen. Damit wird unsere eigene Projektabteilung lange Zeit ausgelastet werden. Zum anderen wollen wir natürlich die RFID- und Infrastrukturlösungen auch über unsere 32 Landesgesellschaften weltweit vermarkten. Ziel ist es, durch eine enge Zusammenarbeit mit Systemintegratoren in den Targetmärkten Transportation, Energy und Automation unsere Marktanteile auszubauen.
Unter dem Begriff „Automation IT" bietet Harting mit der Dachmarke Ha-VIS ein durchgängiges Programm an Ethernet Netzwerkkomponenten und Verkabelung an. Welche neuen Lösungen und Komponenten wird Harting in 2011 lancieren?
Es werden von Harting 2011 sowohl neue Transponder als auch ein Gate-Reader das Portfolio erweitern. Der Schwerpunkt wird aber unter dem Begriff „Smart Infrastructure" darauf liegen, integrierte Plattformen anzubieten, die RFID, Infrastruktur und Software umfassen. RFID ist eine Enabling- Technologie, um die virtuelle Welt der Daten mit der realen Welt der Fertigungs- und Geschäftsprozesse zu verbinden. Der Schlüssel dazu ist die intelligente Infrastruktur, die sowohl kabelgebunden als auch wireless die notwendige Verfügbarkeit und Bandbreite zur Verfügung stellen muss. Hier sind wir exzellent aufgestellt. Wir decken sowohl die Bereiche Kabel bei der strukturierten Verkabelung als auch die Ethernetkomponenten wie Switches und die Verbindungstechnologien verschiedener Protokolle mit Fast Track Switching (FTS) ab. Zusätzlich beziehen wir dieses Jahr auf der Hannover Messe noch den Bereich der smarten Power Netzwerke mit ein und zeigen, wie die Informationen netzübergreifend durch alle drei Lebensadern (Daten, Power, Signals) der virtuellen Welt f ließen können.
Das Unternehmen stellte in den Mittelpunkt des Messeauftritts auf der Hannover Messe auch die Ha-VIS RFID-Systemlösung als Erweiterung des Harting Netzwerk-Systemportfolios. Welche weiteren strategischen Schritte verfolgt das Unternehmen in Bezug auf die Positionierung als Anbieter von Plattformlösungen?
Unter dem Begriff eKanBan haben wir auf der Hannover Messe dieses Jahr ein Beispiel für eine Systemlösung vorgestellt, die auf der intelligenten Infrastruktur von Harting basiert. Diese Lösung wird bei Harting eingesetzt und zeigt die Leistungsfähigkeit der Einzelkomponenten sowie die System- und Lösungskompetenz. Zusammen mit Systemintegratoren wollen wir einfach zu wartende, sicher zu betreibende und schnell zu implementierende Lösungen anbieten. Nur dann geht das Geschäftsmodell der Systemintegratoren auf. Wenn diese an den Serviceleistungen kaputtgehen, haben weder wir als Hersteller noch der Kunde etwas davon. Stichwort Automobilindustrie: Die durchgängige Supply-Chain ist das Ziel in der Automotive-Industrie.
Welche Anforderungen stellt die unternehmensübergreifende Transparenz aus Ihrer Sicht an zukünftige RFID-Systemlösungen?
Die automobile Lieferkette ist global ausgerichtet. Daher sind international einsetzbare Strukturen unumgänglich. Harting wird am Markt nicht als eigener Systemintegrator auftreten. Wir wollen verlässliche und sichere Infrastruktur- und RFID-Systemlösungen anbieten, die in Zusammenarbeit mit Systemintegratoren implementiert werden können. Zusätzlich schaffen wir mit unseren Landesgesellschaften den weltweiten Support und die Serviceinfrastrukur bieten, die auch weltweite Supply-Chain-Lösungen möglich machen.
Der von Harting entwickelte Lufthansa-Transponder hat vor wenigen Monaten die „Feuertaufe" bestanden. Wie sehen die nächsten Schritte aus: Welche Produktweiterentwicklungen und welche konkreten Praxiseinsätze sind im Laufe des Jahres geplant?
Der Lufthansa-Transponder ist für den Einsatz im Flugzeug freigegeben und befindet sich nun in der Serienproduktion in unserem Werk in Biel. Bereits jetzt sind etliche Stückzahlen von Kunden angefordert worden. Der Lufthansatransponder basiert ja auf der MID-Technologie, das heißt einer 3-dimensionalen Antennenkonstruktion. Mit der MIDTechnologie erzielen wird im schwierigen Umfeld sehr gute Leseperformances. Diese Technologie wird noch in anderen Gehäusevarianten dieses Jahr kommen und damit sowohl über Verklebungen wie über Schraubösen oder Kabelbinder befestigt werden können. Seine hervorragenden „on metal"-Eigenschaften eröffnen damit einen großen Einsatzbereich. Zusätzlich haben wir aber auch Transponder mit Sensoreigenschaften in der Pipeline, die schon in Zusammenarbeit mit Pilotkunden im Test sind.
An welche Einsatzbereiche denken Sie dabei?
Die besonderen On-Metal-Eigenschaften ermöglichen ganz neue Einsatzgebiete, beispielsweise vom Transportation-Sektor über Offshore-Ölplattformen bis hin zu Windparks. Im gesamten Asset-Tracking- und Maintanance-Bereich von Kraneinrichtungen oder Sicherheitstechnik im maritimen Umfeld sind robuste Hardcore-Transponder gefragt, die Wind und Wetter sowie der Salzwasserbelastung trotzen. Mit Windenergieherstellern haben wir bereits 2010 erste Tests durchgeführt. Wir arbeiten derzeit an den Design-Ins, sodass wir neben dem Aviation-Segment auch für diese Branchen noch in diesem Jahr Lösungen vorweisen werden. Wir bauen gerade ein Werk in Indien auf, wo derzeit eine große Windindustrie entsteht. Auch in Deutschland sind wir bereits mit unseren Ethernetlösungen vertreten. Daher ist es naheliegend, dass auch hier RFID-Technologie zum Einsatz kommen wird.Das Unternehmen hat in 2010 Erweiterungen des hauseigenen Labors angekündigt. Um welche RFID-bezogene Hardware wird das Labor für die Qualifizierung von Produkteigenschaften erweitert?
Wir haben in unseren CTS (Central Technology Service) vom Computertomographen über Vibration, Chemikalien, Temperatur und Prüfständen für mechanische Belastungen alle Einrichtungen, um unsere Produkte auf Herz und Nieren für den Einsatz in rauen Umgebungen fit zu machen. Zusätzlich hat unsere Serviceabteilung aber auch neue Testeinrichtungen zu Performancemessungen der Transponder unter unterschiedlichsten Umgebungsbedingungen zur Verfügung und es werden eigene Benchmark-Tests für Reader und Transponder durchgeführt. Wir konzentrieren uns dabei auf UHF-Lösungen, da wir glauben, dass diese Technologie in unseren Zielmärkten die entscheidende Rolle spielen wird.
Ausblick 2012: In welchen Industrien erwarten Sie die stärkste Nachfrage für RFID-Lösungen?
Aktuell sehen wir in der Automation zur Steuerung von Intralogistikprozessen eine steigende Nachfrage und auch im Bereich Asset-Management besteht reges Interesse. Der Zielmarkt Transportation ist zunehmend an RFID-basierten Maintenance-Lösungen interessiert, wobei auch die Nachfrage nach aktiven und semiaktiven Transpondern, die um Sensorik erweitert sind, steigt. Dies wird ein Zukunftsfeld sein, dem wir uns bei Harting in den nächsten Jahren verstärkt widmen werden. Besonders im Segment Energy Harvesting, also mit Sensorik verbundene Tags, die ihre Energie aus der Umwelt ziehen, sehen wir in Zukunft großes Potenzial.


Die RFID-Technologie ist ausgereift. Standards für die gängigen Systeme sind verfügbar. Und für alle Anwendungen unterschiedlichst...






