„RFID im Blick“ trifft außergewöhnliche Menschen an außergewöhnlichen Orten. Dieses Mal Dominik Rotzinger und Jürgen Heim, die Geschäftsführer der Unternehmen Warok und Psion, auf der Nordseeinsel Sylt. Wind und Wellengang vermitteln, was auch Psion mit seiner „Open Source Mobility“ ausdrücken will: Offenheit, Innovation, Stärke und Mut. Chefredakteurin Anja Van Bocxlaer sprach mit Heim und Rotzinger über ihre Strategien und die besondere Partnerschaft.
Dominik Rotzinger: Für mich persönlich bedeutet das ein Gefühl der Freiheit. Ich nehme die Atmosphäre förmlich in mich auf. Die ungewöhnliche, angenehme Umgebung verleiht den Gesprächen einen besonderen Charme. Es gibt sicherlich viele andere schöne Flecken – aber es ist einfach traumhaft, hier am nördlichsten Zipfel der Republik zu sein.
Jürgen Heim: Heute Morgen nach dem Frühstück standen wir beide gemeinsam am Strand. Wir sprachen über private Dinge und begannen automatisch auch, über Geschäftliches zu reden. Wir diskutierten. Wir planten und blickten gemeinsam in die Zukunft. Die Art und Weise der Unterhaltung ist stressfrei und locker. Ich lasse das Ambiente auf mich wirken. Das erzeugt Kreativität.
„Das große Geheimnis der langjährigen erfolgreichen Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Warok basiert sehr stark auf der menschlichen Komponente. In der heute stark technologisch bestimmten Zeit ist es sehr erfrischend, dass der Faktor ‚Mensch‘ für beide Seiten klar im Vordergrund steht.“
Jürgen Heim
Die Partnerschaft der Unternehmen Warok und Psion dauert nunmehr fast 25 Jahre. Wie begann Ihr persönlicher Kontakt zueinander?
Jürgen Heim: Wir kennen uns seit Oktober 1999. Ich war damals als Vertriebsleiter Deutschland/Österreich/Schweiz bei Psion tätig. Die Messe, auf der wir uns kennengelernt haben, war die „Systems“. Die gibt es heute nicht mehr.
Dominik Rotzinger: Ich war damals Vertriebsleiter bei Warok. Der Erfolg eines Unternehmens und die Vernetzung am Markt ist immer auch von den Menschen im Unternehmen abhängig. Da spielt jeder Mitarbeiter mit. Diejenigen, die das Unternehmen nach außen mit ihrem Gesicht repräsentieren, stehen in besonderem Maße in der Verantwortung. Jürgen und ich haben uns auf Anhieb sehr gut verstanden und gemeinsam Projekte verfolgt. Dieses Gleichgewicht hat bis heute Bestand.
Ist zwischen Ihnen eine Freundschaft entstanden?
Dominik Rotzinger: Unbedingt! Ich glaube kaum, dass ein Mitbewerber mit einem Partner eine so enge Geschäftsbeziehung pflegt wie Psion mit uns.
Jürgen Heim: Das sehe ich auch so. Natürlich ist die Beziehung zu vielen anderen Partnern auch sehr gut. Für mich ist die Erkenntnis wichtig, dass Geschäfte zwischen Menschen gemacht werden. Warum aber sollen wir das Geschäftliche nicht mit dem Angenehmen verbinden? Wenn sich eine Freundschaft entwickelt, kann man trotzdem gute Geschäfte miteinander machen.
Was bedeutet Qualität für Sie?
Dominik Rotzinger: In erster Linie gehört eine Verlässlichkeit der Produkte dazu. Die Produkte, die wir verkaufen, halten, was sie versprechen. Darauf baut alles andere auf: das Angebot an Dienstleistungen ebenso wie das Netzwerk der Partnerschaften.
Jürgen Heim: Beim Umstellen von Abläufen sind wir darauf gestoßen, dass Qualität ganz stark mit Offenheit und Ehrlichkeit zusammenhängt. Wenn ich nicht offen und ehrlich bin, kann ich Schwachstellen umgehen. Beginne ich aber, mich zu öffnen, lege ich auch Schwachstellen offen. Ich muss den Qualitätsanspruch steigern und werde besser. Die Quantität folgt erst auf die Qualität, denn sie ist deren logische Konsequenz.
Häufig tendieren Technologie-Unternehmen dazu, ihre Strategien nur wenigen Kunden zu offenbaren und nicht in die breite Öffentlichkeit zu gehen. Psion geht mit der „Open Source Mobility“ sehr offen um und benennt exakt die Ziele. Warum tun Sie das?
Jürgen Heim: Was kann das für eine Strategie sein, die geheim gehalten wird? Irgendwann muss ich sowieso in die Welt gehen und mich öffnen. Mit dem Open Source-Gedanken tun wir das von Beginn an, weil wir glauben, dass die Innovationszyklen im Zuge der Globalisierung der Märkte immer kürzer werden. Rasante Reaktionszeiten sind gefordert. Wir glauben, dass wir die Offenheit, die wir geben, auch zurückbekommen. Dadurch haben wir einen Informationsvorsprung. Denn bei allen Entwicklungen, mit denen ich mich beschäftige, brauche ich immer Informationen über aktuelle Trends.
Dominik Rotzinger: Warok begrüßt die Offenheit hinsichtlich Unternehmensstrategie und Roadmap seitens Psion. Nur so können wir unseren Partnern und deren Endkunden vermitteln, dass sie mit den Produkten auch in den Folgejahren investitionssicher arbeiten können. Und wenn unsere Kunden im Rahmen von Open Source Mobility zukünftige Technologien, Lösungen, Produkte und den Markt treiben können, werden sie bestätigt, dass sie auf das richtige Konzept gesetzt haben. Uns stehen 30 oder 40 verschiedene Module zur Verfügung, aus denen wir 200 individuelle Geräte modellieren können. Das bedeutet, dass wir praktisch immer alles verfügbar haben. Der Kunde bestellt eine bestimmte Stückzahl von einem Gerät. Wir bauen die Geräte zusammen, testen sie und in zwei Tagen sind sie versandfertig. Besser geht es nicht.
Jürgen Heim: Dass wir dem Kind den Namen Open Source Mobility gegeben haben, liefert uns einen diskutierbaren Gegenstand. Wo ich jetzt hinkomme, erhalte ich positives Feedback von Kunden und Partnern. Die Arbeitsvorgänge mit unseren Produkten sind zwar grundsätzlich dieselben wie mit den Produkten der Mitbewerber. Aber unsere Produkte sind erweiterbar. Sie sind technologisch anpassungsfähig und bieten damit eine Zukunftssicherheit.
Was denken Sie über die aktuellen Software-Entwicklungen für Smartphones? Welche Rolle können Smartphones im industriellen Umfeld spielen?
Dominik Rotzinger: Im Business-Umfeld ist das Smartphone nicht mehr wegzudenken. Jeder weiß die Vorteile zu schätzen. In dem Umfeld, in dem wir uns bewegen, gelten aber andere Ansprüche. Hier muss ein Gerät robust sein. Zwar werden auch für den Bereich Logistik und Industrie widerstandsfähige Smartphones kommen. Man darf aber die Software-Seite nicht außer Acht lassen. Wenn ich auf einem Handheld von Psion arbeite, erhalte ich nach 18 Monaten einen neuen Betriebs-Systemstand. Da kann ich langfristig planen. Anders sieht es aus, wenn ich alle zwölf Wochen eine neue Variante meines Betriebssystems bekomme. Wer soll das alles anpassen und die Software immer wieder umstellen?
Jürgen Heim: Ein Consumer-Gerät ist immer ein Einzelgerät. Jeder Consumer benutzt sein Gerät auf seine eigene, persönliche Art und Weise. Unsere Handhelds werden verbunden und gesamtheitlich eingesetzt. Da spielt die Individualität der Benutzung keine große Rolle. Ich finde es extrem spannend, was die Smartphone- Hersteller mit ihrer Software machen. Für mich hat sich trotzdem nichts geändert. Früher gab es PDAs, heute Smartphones. Bei beiden ging und geht es beispielsweise um integrierte Kameras oder Scanner. Die Diskussion ist dieselbe. Das sind Consumer-Geräte, die für einen Einzelbenutzer ausgelegt sind. Jeder versucht, etwas vom Hype mitzunehmen. Es gibt aber viele Enttäuschungen. Ich vermute, dass uns die Smartphones eher zugute kommen. Den jeder Smartphone-Nutzer erfährt die Vorteile, überall auf jede Art von Information zugreifen zu können. Die Affinität für mobile Anwendungen steigt.
„Nur so können wir unseren Partnern und deren Endkunden vermitteln, dass sie mit den Produkten auch in den Folgejahren investitionssicher arbeiten können. Und wenn unsere Kunden im Rahmen von Open Source Mobility zukünftige Technologien, Lösungen, Produkte und den Markt treiben können, werden sie bestätigt, dass sie auf das richtige Konzept gesetzt haben.“
Dominik Rotzinger


Die RFID-Technologie ist ausgereift. Standards für die gängigen Systeme sind verfügbar. Und für alle Anwendungen unterschiedlichst...





