Integrierte IT-Plattform vernetzt Rettungskräfte
Rettungsdienste müssen bei Großschadensereignissen wie einer Massenpanik im Fußballstadion oder einem Zugunglück bei der ersten Sichtung des Verletzten in Sekunden eine richtige Zuordnung treffen. In dem Projekt „ALARM" entwickelt ein Konsortium unter der Leitung der Charité in Berlin eine elektronisch gestützte Plattform, die beteiligten Rettungsdiensten hilft, den Informationsaustausch bei der Versorgung zu verbessern und zu beschleunigen.
„Wir alle haben die Bilder der Duisburger Loveparade oder des Zugunglücks in Eschede vor Augen. Diese Großschadensereignisse haben den Bedarf offenbart, mit einem technischen System die Versorgung der Verletzten und Zuordnung der Ressourcen zu verbessern," sagte Dr. Martin Schultz, Leiter des Telemedizincentrums der Charité (TMCC), gegenüber „RFID im Blick".
Unter Leitung des TMCC entsteht daher eine integrative IT-Plattform, welche die beteiligten Rettungskräfte, Stabs- und Leitstellen sowie Kliniken besser vernetzt. „Informationen zwischen den Rettungsdiensten werden heute noch handschriftlich auf Zetteln ausgetauscht, teilweise ist die Kommunikation mit Sprechfunk nicht gerichtet", so der Projektleiter. Zur Optimierung dieser Situation gibt es verschiedene Ansatzpunkte. Zum einen sollen direkt am Schadensort mobile Systeme (RFID-Handhelds) die Triage-Prozesse unterstützen. Zum anderen soll die Schadenslage an sich durch elektronische Systeme besser erfassbar sein. „Üblicherweise ist keine individualmedizinische Versorgung bei Großschadenslagen vorgesehen, sondern es erfolgt durch die Einsatzkräfte vor Ort nur eine erste Sichtung der Personen, auf deren Basis die unterschiedlichen Versorgungsbedarfe ermittelt werden. Die Informationen werden sofort auf der medizinischen Plattform zur Verfügung gestellt, sodass sich die nächsten Schritte besser planen und die weitere Ressourcensteuerung zur Versorgung der einzelnen Personen vornehmen lassen", erläutert Dr. Schultz.
Bei der ersten Sichtung (Triage) werden die Personen nach Behandlungspriorität in Kategorien eingeteilt. Diese wird auf zweiteiligen farbigen Verletztenanhängekarten (rot, gelb, grün, blau) vermerkt. Ein Teil geht zu den Rettungskräften, der andere verbleibt beim Opfer. „Bisher erfolgt das Auszählen der Karten händisch, was nicht nur fehleranfällig, sondern auch zeitaufwendig ist." Mittels farbiger Armbänder mit wiederbeschreibbaren RFID-Tags verbleiben die Informationen elektronisch beim Patienten. Zusätzlich werden per GPS erfasste Ortsinfos (Geofencing-Daten) sowie der Sichtungsprozess, der nach einem strukturierten Fragenkatalog abläuft, auf den Tag geschrieben. Gleichzeitig werden diese Informationen drahtlos über ein adhoc-Netzwerk an die zentrale Plattform weitergegeben. Wechselt der Verletzte durch Transportteams den Ort, beispielsweise zur weiteren ärztlichen Nachsichtung (Re-Tria-ge) am Behandlungsplatz, wird der Patient ebenfalls registriert. Während des gesamten Versorgungsprozesses, vom Erstkontakt bis in die Klinik, werden alle Bewegungen getrackt. Sämtliche Informationen sind fest am Patienten verortet, permanent und aktuell sofort verfügbar.
Lesen Sie den vollständigen Beitrag in der Juniausgabe von „RFID im Blick".
Weitere Informationen zum Projekt „ALARM" bietet der Jahreskongress von „RFID im Blick".
Bild: Telemedizincentrum der Charité.


Die RFID-Technologie ist ausgereift. Standards für die gängigen Systeme sind verfügbar. Und für alle Anwendungen unterschiedlichst...






