
Interview mit Rainer Deisenroth, Mitglied der Geschäftsführung bei MPDV
Bei Manufacturing Execution Systemen (MES) hat sich das Unternehmen MPDV Mikrolab in den vergangenen Jahrzehnten einen Namen gemacht. Die aktuelle Lösung „Hydra 8“ soll Fertigungsunternehmen zusätzliche Möglichkeiten bieten, Transparenz zu schaffen und wirtschaftlicher zu arbeiten. Die Redaktion von „RFID im Blick“ sprach mit Rainer Deisenroth, Leiter Vertrieb und Mitglied der Geschäftsführung bei MPDV.
Herr Deisenroth, MPDV verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung im Fertigungsumfeld. Welches sind die wichtigsten Pfeiler Ihrer Unternehmensphilosophie?
Unser Anspruch ist es, die Bedürfnisse von Fertigungsunternehmen zu erkennen und adäquate IT-gestützte Lösungen zu entwickeln. Wir verstehen IT dabei nicht als das Maß aller Dinge, sondern als ein Werkzeug für diejenigen, die sehr nah an der Fertigung agieren. Um auf konkrete Kundenanforderungen einzugehen, haben wir einen Baukasten an MES-Standardfunktionen zusammengestellt, aus dem wir sehr einfach Module und Elemente herausziehen können. Auch gehört es zu unserem Grundverständnis, dass wir über den Tellerrand hinaus schauen. Wir folgen nicht einfach den Forderungen des Marktes, sondern versuchen, im MES-Bereich in die Vorreiterrolle zu gehen und Dinge heute zu erkennen, die morgen benötigt werden.
Wir haben mit den MES-Lösungen zunächst die Möglichkeit zu erkennen, wo die Schwachstellen liegen. Bei vielen Unternehmen ist das ein Tabuthema – wer möchte schon gerne über die eigenen Fehler informiert werden? Bevor wir mit Verbesserungen ansetzen können, müssen wir aber wissen, wo die Schwachstellen liegen.“
Worauf konzentriert sich Ihre Entwicklungsarbeit derzeit, welche grundlegenden Tendenzen sehen Sie am Markt und wie reagieren Sie mit dem entsprechenden Produktangebot darauf?
Die Insellösungen, die man in der Vergangenheit oft in den Fertigungsunternehmen vorgefunden hat, sollen sukzessiv durch integrierte Systeme ersetzt werden. Unser Lösungsportfolio ist dazu geeignet, alle Themen der Fertigungsprozesse über alle beteiligten Ressourcen aufzugreifen und miteinander in Beziehung zu bringen. Wir umschreiben das mit dem Oberbegriff horizontale Integration. Dabei arbeiten wir branchenübergreifend und sind in vielen Fertigungsprozessen zuhause. Das Know-how, das wir in den verschiedenen Bereichen gesammelt haben, möchten wir bündeln, um zukünftig verstärkt Branchenlösungen anbieten zu können. So werden Produkte der Medizintechnik immer stärker nachgefragt, nicht zuletzt aufgrund der demografischen Entwicklung. Wir werden in diesem Bereich verstärkt Lösungen anbieten.
Wie stark sehen Sie den Produktionsstandort Deutschland?
Natürlich verschieben viele deutsche Unternehmen ihre Produktionen ins Ausland – nicht nur nach Osteuropa, sondern auch verstärkt nach China. Wir haben heute schon Tochtergesellschaften in Singapur und den USA, und sind jetzt dabei, MPDV im Wachstumsmarkt China zu etablieren. Aber: Wenn die Fertigungsunternehmen beherzigen, was wir jeden Tag predigen, wird der Produktionsstandort Deutschland nicht in Gefahr sein. Wir sehen in vielen Unternehmen Ansatzpunkte für mannigfaltige Verbesserungspotenziale und wissen, welche Erfolge unsere Kunden mit der Nutzung der Hydra-MES-Funktion erzielt haben.
Wie passt das Produkt Hydra ins Bild, was Optimierungs- und Einsparungsmöglichkeiten betrifft?
Wir haben mit den MES-Lösungen zunächst die Möglichkeit zu erkennen, wo die Schwachstellen liegen. Bei vielen Unternehmen ist das ein Tabuthema – wer möchte schon gerne über die eigenen Fehler informiert werden? Bevor wir mit Verbesserungen ansetzen können, müssen wir aber wissen, wo die Schwachstellen liegen. Der Ursprung des Übels ist in vielen Unternehmen bereits, dass die Dinge nicht gemessen werden. Wenn Sie etwas verbessern wollen, müssen Sie genau wissen, wo und warum beispielsweise Ausschuss entsteht oder an welcher Stelle Energie verschwendet wird.
Welche Funktionen bietet Hydra, um genau an diesen Schwachstellen anzusetzen?
Zunächst sind es die Erfassungsfunktionen. Zustände können ebenso gemessen werden wie Zeiten und Mengen oder all die anderen Daten, die in der Produktion entstehen. Nachgelagert bietet Hydra entsprechende Auswertungsfunktionen. Die Daten lassen sich zum Beispiel innerhalb von Kennzahlensystemen verdichten und visualisieren. Wenn die Unternehmen Verbesserungen aufgeschlossen gegenüber stehen, kann man entsprechende Folgemaßnahmen daraus ableiten. Dabei dürfen die Unternehmen nicht den Fehler machen, auf einen Schlag alle Probleme lösen zu wollen. Sie müssen Schwerpunktthemen erkennen. Haben sie erste Erfolge erzielt, kann man den nächsten Problempunkt anpacken.
Inwieweit kann das System zu einer Senkung des Energieverbrauches beitragen?
Es ist nicht nur wichtig zu wissen, wie viel Energie eine Maschine benötigt, sondern bei der Fertigung welches Produktes sie diese verbraucht. Hydra bietet immer den Bezug zum Artikel, der gefertigt wurde, zum verwendeten Material und Werkzeug. Erst in der Korrelation kann ich die Schwachpunkte erkennen. Dazu gehört auch die indirekte Energieeinsparung. Wenn Sie verhindern, dass Ausschuss produziert wird, haben Sie automatisch Energie gespart. Ein weiterer Punkt ist, dass Fertigungsunternehmen heute zumeist Energiekontingente einkaufen.Wenn Sie diese überschreiten, wird Energie richtig teuer. Hier hat man die Möglichkeit, mit einer gezielten Fertigungssteuerung Aufträge zu verschieben oder vorzuziehen, um das aktuelle Energiekontingent besser auszunutzen oder eine energieintensive Produktionscharge in das nächste Kontingent zu verschieben.
Worin besteht das Konzept des MPDV Campus und wen möchten Sie damit ansprechen?
Unsere Kunden haben sehr gute Erfahrungen mit den MES-Funktionen gemacht. Sie haben Einsparungen erzielen können, ihre Produktion gestrafft und Produktionskosten reduziert. An diesen Erfahrungen wollen wir andere Unternehmen teilhaben lassen. Im Beratungskonzept MPDV Campus reichern wir die Erfahrungen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und Methoden an. Wir vermitteln unsere Handlungsempfehlungen im Rahmen von Seminaren und Workshops. Geht es um unternehmensspezifische Anforderungen, informieren sich unsere Mitarbeiter vor Ort und untersuchen im Detail, wo die Potenziale versteckt sind.


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