Sonderausgabe BIBA | LogDynamics: Industrie 4.0 und Logistik 4.0 aus Bremen

BIBA

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Christian Gorldt

Oberingenieur Strategie und Organisation
BIBA - Bremer Institut für Produktion und Logistik GmbH

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Sonderausgabe BIBA | LogDynamics: Industrie 4.0 und Logistik 4.0 aus Bremen

„Buten un binnen – Wagen un winnen!“

Dieser Wahlspruch ist am Schütting in Bremen zu finden. Dieses denkmalgeschützte Gebäude war ehemals das Zuhause der Bremer Kaufleute und ist seit 1849 Sitz der Handelskammer Bremen. Die Bremer Kaufleute sollten es auch weit über Bremens Stadtgrenzen hinaus wagen und dabei gewinnen.

Mit der bereits dritten Sonderausgabe „Industrie 4.0 und Logistik 4.0 aus Bremen“ wagen wir es, über die vierte industrielle Revolution zu berichten und die Potenziale dieses Zukunftsprojektes durch zahlreiche Beispiele aufzuzeigen. Industrie 4.0 – ein Megatrend? Die nächste Stufe der technischen Revolution oder technische Evolution? Mit der aktuellen Ausgabe wollen wir Antworten auf diese Fragen finden und die Chancen für den Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien darstellen.

Lernen Sie in dieser Ausgabe innovative Ansätze für die Gestaltung zukünftiger Produktions- und Logistiksysteme kennen. Grenzen, Möglichkeiten und Herausforderungen der Industrie 4.0 werden aus praktischer sowie wissenschaftlicher Perspektive klar und prägnant vermittelt. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Blättern in dieser Sonderausgabe. Wagen Sie den Blick in die „Fabrik der Zukunft“ und gewinnen Sie viele Informationen über Industrie 4.0 in Produktion und Logistik.

Mit freundlichen Grüßen

Christian Gorldt

Hansestadt Bremen: Mehr als Mittelpunkt einer Region

Hansestadt Bremen Mehr als Mittelpunkt einer RegionProf. Dr.-Ing. Klaus-Dieter Thoben (BIBA), Prof. Dr.-Ing. Michael Freitag (BIBA), Hans-Georg Tschupke (WFB) und Uwe Will (VIA Bremen) trafen Anja Van Bocxlaer („RFID im Blick“) zum Ortstermin in Bremen

„Ambitioniert und agil“, so lautet das Zukunftskonzept der Universität Bremen. Dieses Motto steht für exzellente Spitzenforschung, interdisziplinäre Kommunikation und Kooperationsstärke, die in Bremen groß geschrieben wird. In der „short way city“ und kleinstem Bundesland läuft alles etwas „flotter“, wie der Norddeutsche sagt. Trotz – oder gerade wegen der geografischen Kleinlage ist Bremen mit dem Containerterminal in Bremerhaven, internationalen Unternehmen der Automobil- und Luftfahrtindustrie sowie dem Windenergiesektor Hightech-Standort in Norddeutschland und logistisches Drehkreuz.

Mit seinen Lehr- und Forschungseinrichtungen wie dem BIBA und LogDynamics sowie zahlreichen Unternehmen nimmt der Standort eine Vorreiterrolle in der Logistik ein. Das kooperative Miteinander von Wirtschaft und Wissenschaft hat stets eine besondere Rolle gespielt. Wie wirken Wirtschaft und Wissenschaft in Bremen zusammen? Was zeichnet die Lehre und Forschung in Bremen aus und mit welchen Fragen und Visionen zum Thema Industrie 4.0 befassen sich die Institute? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Diskussionsrunde.

„In Bremen denken wir über die Weiterentwicklung der Logistik in den Jahren 2020 bis 2030 bereits heute nach, wenn wir an einigen Stellen nicht sogar schon so weit sind.“ - Uwe Will

Technologien für den logistischen Fortschritt

Technologien für den
logistischen FortschrittMaßgeschneidertes universitäres Know-how von der Idee bis zur Lösung

Hier wird der Transfergedanke Realität: 2013 führte der Forschungsverbund LogDynamics an der Universität Bremen 93 Prozent der Projekte in Kooperation mit Unternehmen durch. Auch nationale sowie europäische Förderer und Grundlagenforschung geben die Richtung vor. „Logistik ist prinzipiell interdisziplinär. Forschung und Entwicklung in diesem Bereich verlangen nach Input aus mehreren Forschungsfeldern“, erklärt Aleksandra Himstedt, wissenschaftliche Mitarbeiterin in LogDynamics. Im Interview mit „RFID im Blick“ erklärt sie, wie die Fäden aus Forschung und Wirtschaft in Bremen zusammenlaufen und in einem strukturierten Geflecht zu praktischen Lösungen werden.

„Wir bringen unsere Forschungsprojekte in die wirtschaftlich tragfähige Praxis. Dafür ist auch die seit Beginn erfolgreich angestrebte Internationalisierung im europäischen Ausland sehr von Vorteil. 2013 wurden tatsächlich 93 Prozent der LogDynamics-Projekte in Kooperation mit Unternehmen durchgeführt.“ - Aleksandra Himstedt

Internationale Souveränität ist lernbar

Internationale Souveränität ist lernbar
LogDynamics trainiert internationale Doktoranden, sich im interdisziplinären Diskurs zu behaupten

Selbstständigkeit statt Verschulung – um dieses generelle Konzept der Promotion zu fördern, bietet der Forschungsverbund LogDynamics seinen Doktoranden in der International Graduate School for Dynamics in Logistics (IGS) eine kontinuierliche interdisziplinäre Zusammenarbeit und strukturierte Unterstützung im Promotionsprozess. Weitere Besonderheit: Der Anteil internationaler Promotionen liegt an der IGS bei 80 Prozent.

„Für Unternehmen ist die internationale Vorbildung und Vorerfahrung besonders attraktiv. Wer hierher kommt, wird neben der Promotion darauf vorbereitet, sich auf der internationalen Bühne souverän zu behaupten“, erklärt Dr.-Ing. Ingrid Rügge, Geschäftsführerin der IGS. Welche Herausforderungen Doktoranden zu meistern haben und wie die IGS sie auf diesem Weg unterstützt, berichtet sie im Interview mit „RFID im Blick“.

„Untersuchungen zeigen, dass sich deutsche Unternehmen aus dem Ausland zurückziehen, wenn sie nicht mit der fremden Kultur umgehen können – wenn Geschäftspartner beispielsweise ‚ja‘ sagen, aber ‚nein‘ meinen. An der IGS trainieren die Doktoranden durch praktische Erfahrungen im beständigen internationalen Umfeld, wie sich diese Missverständnisse wahrnehmen und abfedern oder gar vermeiden lassen.“ - Dr.-Ing. Ingrid Rügge

Auf dem Weg zu Industrie 4.0 in Produktion und Logistik

Auf dem Weg zu Industrie 4.0 in Produktion und LogistikMit über 30 Jahren Erfahrung und Entwicklungsleistung forscht das BIBA gemeinsam mit Unternehmen an zukunftsfähigen Lösungen für Produktion und Logistik

Robotik in der Logistik, Computer-Integrated Manufacturing in der Produktion: Zukunftsweisende Konzepte, die das BIBA durch gezielte Ausrichtung der Forschungsschwerpunkte auf die zukünftigen Marktbedürfnisse vorangetrieben hat. Praxisgelenkte Forschung, von der Wissenschaft und Wirtschaft unmittelbar profitieren, kann jedoch nur über den direkten Schulterschluss mit innovativen Unternehmen gelingen. Seit über 30 Jahren bringt das BIBA über diese Symbiose neue Konzepte von der Grundlagenforschung bis in die Praxis. Mittels moderner Informations- und Kommunikationstechnologien entwickelt das Institut aktuell neue Dienstleistungskonzepte, um auf Grundlage des Industrie 4.0-Konzepts Potenziale zu erschließen.

„Wir bieten auch KMU die Möglichkeit, ihre Fragestellungen wissenschaftlich anzugehen und mit Dienstleistern, Softwarehäusern sowie Integratoren Projekte und Netzwerke zu gründen.“ - Christian Gorldt

Und viele Beiträge mehr

Keimzelle der Innovation

RFID- und andere funkbasierte Ortungstechnologien sowie mobile Computersysteme haben bereits heute einen hohen Einfluss auf die Prozesssteuerung in Logistik und Produktion. Das LogDynamics Lab stellt Unternehmen eine Umgebung zur Verfügung, um Prozesse eins zu eins nachzustellen und aktuelle, marktführende Systeme und Neuentwicklungen auf ihre Einsatztauglichkeit zu prüfen. Wie das LogDynamics Lab im nächsten Schritt als „Living Lab“ mit seinen Kunden individuelle Technologiestrategien erarbeitet und in drei Schritten ein Maximum an Logistikkompetenz vermittelt, erklärt Marco Lewandowski, Geschäftsführer des LogDynamics Lab an der Universität Bremen im Interview mit „RFID im Blick“.

Aktive Klimakontrolle im Intelligenten Container

Rund 1,3 Milliarden Tonnen, ein Drittel aller weltweit produzierten Lebensmittel, werden jedes Jahr weggeworfen oder sind Verluste entlang der Wertschöpfungskette. „Rund zehn Prozent der Verluste allein bei leicht verderblichen Fleischprodukten sind vermeidbar“, berichtet Dr. Reiner Jedermann vom Institut für Mikrosensoren-, aktoren und -systeme (IMSAS). Um Lebensmittel beim Transport im Container in Echtzeit zu überwachen und die Logistik dem Reifeprozess beziehungsweise der Haltbarkeit anzupassen, realisierte ein Verbund aus Forschung und Industrie im Projekt „Intelligenter Container“ eine praxisfähige Lösung auf der Basis von Sensorik und Aktorik.

„Die Kombination von Logistik und Sensorik sowie das damit verbundene Monitoring kann das Risiko minimieren, dass qualitativ minderwertige Lebensmittel in den Verkauf gelangen.“ - Dr. Reiner Jedermann

Die Produktionslogistik der Zukunft

Cyber-Physische Systeme, kurz CPS, sind zentraler Dreh- und Angelpunkt auf dem Weg in die Industrie 4.0. Welches Potenzial Cyber-Physische Systemmodule für Produktions- und Logistiksysteme haben können, wird derzeit im großangelegten Projekt CyProS erforscht. Ziel ist eine Produktivitäts- und Flexibilitätssteigerung, damit die deutsche Industrie auch weiterhin eine führende Rolle in der Weltwirtschaft übernimmt. Das BIBA engagiert sich speziell im Bereich der Optimierung logistischer Prozesse. Erkenntnisse aus CyProS werden anschließend auch in ein neugeschaffenes Kompetenz- und Transferzentrum des BIBA einfließen, wie Marius Veigt im Gespräch mit „RFID im Blick“ berichtet.

„Das Kompetenz- und Transferzentrum für Logistik am BIBA wird Testlabor und Showroom zugleich. Wir entwickeln CPS für die Produktionslogistik der Zukunft und können diese live demonstrieren.“ - Marius Veigt

SMART SC – eBusiness-Standardisierung in der maritimen Supply Chain

Kilometerlange Rückstaus in Spitzenzeiten, lange Stehzeiten der Lkw, zu wenig Parkplätze – ständig wachsende Transportvolumina stellen Containerhäfen vor die Herausforderung, die Ströme zulaufender Lkw zu handeln. Daher bedarf es auch neuer Kommunikationsstrukturen. „Für den Hinterlandtransport in der containerbezogenen Logistik gibt es bisher keine einheitliche IT-Datenkommunikation, die alle Beteiligten der Supply Chain, wie Speditionen, Verlader, Terminals, Fuhrunternehmen sowie Verwaltungseinrichtungen (Zoll, Hafenamt) integriert, so Dr. Thomas Landwehr, Projektleiter am ISL Bremen, im Interview mit „RFID im Blick“. In dem Konsortialprojekt SMART SC soll eine ganzheitliche Lösung für die Abwicklung elektronischer Kommunikationsprozesse für alle beteiligten Unternehmen der containerbezogenen Supply Chain konzipiert werden.

„Eine Einbindung aller Akteure der maritimen Supply Chain in Planungs- und Monitoring-Prozesse liefert auch die Basis für eine optimierte Zulaufsteuerung zum Containerterminal.“ - Dr. Thomas Landwehr

Erst testen, dann sicher abheben

Testen. Was als Aufgabe so einfach klingt wie die Bedienung eines Lichtschalters, ist bei näherem Hinsehen eine nicht nur hochkomplexe Aufgabe, sondern in vielen Bereichen ein absolut unverzichtbarer sicherheitsrelevanter Prozess während der Entwicklung von mechatronischen Systemen. Gemeinsam mit Konsortialpartnern hat das BIBA ein methodengestütztes, softwarebasiertes System entwickelt, das seine Funktionalität zum Projektabschluss eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat. Die in BreTeCe erforschten Grundlagen werden in Folgeprojekten nun weiterentwickelt, berichten Marco Franke und Dr. Carl Hans im Gespräch mit „RFID im Blick“.

„Mit BreTeCe haben wir einen Weg aufgezeigt, wie der Aufwand des Testens trotz steigender Anforderungen und Komplexität praktikabel bleiben kann.“ - Marco Franke

Industrie 4.0 in der Weste

Industrieroboter arbeiten bereits heute Werkern zu, indem sie ihnen Bauteile für feinmotorische Arbeitsschritte anreichen. Dabei werden mitunter große Lasten von mehreren hundert Kilogramm mit hohen Geschwindigkeiten bewegt. Um Unfälle zu vermeiden, werden passive Schutzeinrichtungen wie Gitter eingesetzt. Durch ein aktives, sensor basiertes Schutzsystem, das im Projekt InSA entwickelt wird, können einige passive Einrichtungen entfallen und so Taktzeiten bei einer gleichzeitig erhöhten Sicherheit für den Werker gesteigert werden.

„Die Industrie hat ein großes Interesse an einem aktiven Schutzsystem, das die Steigerung von Fertigungstaktraten ermöglicht, ohne die Sicherheit des Werkers zu gefährden.“ - Prof. Dr. Lawo

Herausfordernde Verkehrsszenarien: RFID-Kennzeichen im Praxistest

Hersteller von RFID-basierten Nummernschildern oder Windshield Labels können die Funktionalität der RFID-Technologie in Verkehrsanwendungen oft ausschließlich theoretisch nachvollziehen. Das BIBA bietet den Herstellern den Service an, die theoretischen Annahmen in praxisnahen Szenarien zu verifizieren. Unternehmen erhalten dadurch die Möglichkeit, die Praxistauglichkeit ihrer Produkte gegenüber ihren Kunden durch eine unabhängige Institution bestätigen zu lassen. Gemeinsam mit dem BIBA haben aktuell die J.H. TÖNNJES E.A.S.T. GmbH & Co. KG aus Delmenhorst sowie die Erich Utsch AG aus Siegen eine ausführliche RFID-Testreihe durchgeführt. Unter dem gemeinsamen Dach der UTSCH TÖNNJES INTERNATIONAL AG (UTI) und UTSCH TÖNNJES EUROPE GmbH widmen sich beide Partner und Weltmarkführer seit Langem intensiv dem Einsatz von RFID-basierten Kennzeichen und Tags sowie darauf aufbauender Fahrzeugregistrierungs- und Fahrzeugidentifizierungssysteme für Kunden in aller Welt.

„Mit professionellen Fahrern können wir die Praxistauglichkeit von RFID-Kennzeichen an Fahrzeugen auf mehreren Teststrecken bei bis zu 260 km/h testen.“ - Marco Lewandowski

Drahtlose Strukturüberwachung

In der Luftfahrt, Windenergie, Fahrzeugtechnik oder der Sportindustrie vermehrt verwendete Kohlenfaserverbundstoffe sind besonders stabil und gleichzeitig leicht, haben aber den Nachteil, dass Beschädigungen der Struktur von außen kaum erkennbar sind. Mit strukturintegrierten Überwachungssystemen sollen Schäden sicher erkannt, Inspektionsintervalle verlängert und die Lebensdauer erhöht werden. Die Herausforderung, eingebettete Sensoren in diese modernen Leichtbaustrukturen für die kontinuierliche Strukturzustandsüberwachung (Structural Health Monitoring - SHM) einzubringen, besteht darin, das geringe Gewicht und die Struktur nicht zu stören. Das Faserinstitut Bremen e.V. arbeitet daher mit dem FWBI und IMSAS unter Prof. Lang an „Drahtlosen Sensoren/Sensornetzwerken zur Strukturzustandsüberwachung (SHM) von Bauteilen aus Faserverbundwerkstoffen mittels Lamb-Wellen“, kurz „Drahtloses SHM“.

„Der Vorteil der drahtlosen Strukturüberwachung liegt generell darin, dass diese weniger in die Struktur eingreift.“ - Oliver Focke

Manipulationssichere Warensendungsverfolgung

In der Luftfrachtkette bestehen umfangreiche Reglementierungen, um die Sicherheit der Luftfracht zu gewährleisten. Werden Waren von „bekannten Versendern“ verschickt und von „reglementierten Beauftragten“ transportiert, so gelten sie als sicher. Sind jedoch Nachprüfungen notwendig, bedeutet dies für luftfrachthandelnde Unternehmen einen hohen Zeit- und Kostenaufwand. Seit Mitte 2013 befasst sich ein Konsortium unter Beteiligung des BIBA in dem BMBF-Projekt „ESecLog“ mit der Entwicklung von Technologien, welche in Zukunft die effiziente Sicherheitsüberprüfung auf Packstückebene ermöglichen. Das „Fracht-Fingerprint- Informationssystem“ könnte den Prüfaufwand reduzieren und gleichzeitig zu einer Erhöhung der Sicherheit in der Luftfrachtkette beitragen.

„Mit innovativen Prüftechnologien ist es möglich, den Sicherheitsstatus packstückindividuell über definierte Sicherheitsmerkmale zu überprüfen.“ - Olaf Poenicke

Fehlersuche in der Welt der Bits und Bytes

Elektronik ist heute aus Geräten des täglichen Alltags wie Kaffeemaschinen, aber auch aus sicherheitskritischen Anwendungen wie Airbags nicht mehr wegzudenken. Allein im Automobil sind heute bereits über 100 Mikroprozessoren verbaut. Um die sichere Funktionsweise dieser Komponenten zu gewährleisten, befasst sich die Arbeitsgruppe Rechnerarchitektur (AGRA) unter Leitung von Prof. Dr. Rolf Drechsler an der Universität Bremen mit dem Test und der Verifikation von komplexen, elektronischen Schaltungen und Systemen. Neben Grundlagenforschung werden in enger Kooperation mit Partnern aus der Industrie auch Methoden für die Qualitätssicherung weiterentwickelt. Ein konkretes Tool für das automatisierte Debugging von Embedded Systems ist in dem Projektvorhaben und Spin-off Solvertec entstanden.

„Industrie 4.0 ist ein natürlicher evolutionärer Schritt. Elektronische Komponenten werden immer mehr interagieren. Wenn Systeme miteinander kommunizieren, gilt es Sorge zu tragen, dass die Kommunikation auch in der beabsichtigten Weise und mit höchster Sicherheit erfolgt.“ - Prof. Dr. Rolf Drechsler

120 Windräder zur Wartung – Bei welchem droht der Ausfall?

Zehn Prozent der Instandhaltungskosten für Anlagenbetreiber zu sparen, ist laut Marco Lewandowski das realistische Ziel des Projekts preInO. Nach Schätzungen des Bundesverbands Windenergie machen Service und Wartung bis zu einem Viertel der Kosten von Offshorewindparks aus. 146 Offshore-Windenergieanlagen mit einer Leistung von 628,3 Megawatt befinden sich aktuell in Betrieb, etwa 570 weitere Anlagen im Bau. Bis zu 40.000 MW (entspricht circa 8.000 Anlagen) markieren das langfristige Ziel des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi). Methoden und Werkzeuge zur preagierenden Instandhaltung ermöglichen bedarfsorientierte Wartung und die Reduzierung von Logistik- und Materialkosten.

„Die Instandhaltung ist der entscheidende Kostenfaktor in der Betriebsphase der Windenergieanlage. Senken wir diese Kosten, motivieren wir Betreiber zum weiteren Ausbau.“ - Stephan Oelker

Agenten für eine optimierte Logistik

Logistikprozesse sind heute hochdynamisch und komplex. Dennoch bieten sie ein enormes Potenzial zur Optimierung. Die Offenlegung dieses Potenzials ist jedoch aufwendig, da zahlreiche Parameter wie Abhängigkeiten und Randbedingungen sowie Reaktionen auf unvorhersehbare Ereignisse berücksichtigt werden müssen. Mit PlaSMA, am Technologie-Zentrum Informatik und Informationstechnik (TZI) der Universität Bremen entwickelt, lassen sich komplexe logistische Prozesse realitätsnah simulieren, um detaillierte Szenario- und Strategieanalysen durchzuführen. Mittels PlaSMA konnte so unter anderem in Fallstudien mit Anwendungspartnern gezeigt werden, dass ein am TZI entwickeltes agentenbasiertes Dispositionssystem Optimierungspotenziale ausnutzt sowie die Effizienz, Flexibilität, Robustheit und Zuverlässigkeit der Transportprozesse steigert.

„PlaSMA eröffnet Logistikern die Möglichkeit, trotz hochkomplexer und dynamischer Prozesse, Optimierungspotenziale in der Routen- und Tourenplanung zu identifizieren und auszunutzen.“ - Max Gath

Zeit für die Werft?

Sportbootindustrie und Schiffsbetreiber teilen ein Problem: Es mangelt an Daten. Ohne zeitnahe präzise Informationen zu Zustand und Nutzung des Schiffes führt die zyklusbasierte Wartung gegebenenfalls zu unnötigen Einnahmeausfällen. Charterunternehmen und Hersteller von Sportbooten haben kaum Informationen über den Lebenszyklus ihrer Produkte. Um diesen Informationsausfall zu beheben, haben zwei Projektgruppen am BIBA eine modulare Lösung erarbeitet, die Daten lokal erhebt und verarbeitet, um sie je nach Konfiguration verschiedenen Systemen aktiv oder passiv bereitzustellen. Auf dem Konzept der modularen, skalierbaren Datenmodulationsschicht haben die Projektgruppen BOMA und ThroughLife diesen Ansatz zur Datenerhebung in innovative Lösungskonzepte umgesetzt, wie Karl Hribernik, Abteilungsleiter, sowie Moritz von Stietencron und Zied Ghrairi, wissenschaftliche Mitarbeiter am BIBA, im Interview mit „RFID im Blick“ berichten.

„Industrie 4.0“ an der Jacobs University

Als Leiterin der Arbeitsgruppe Produktions- und Logistiknetzwerke an der Jacobs University Bremen forscht Prof. Dr. Julia Bendul an der Schnittstelle von Betriebswirtschaftslehre und Ingenieurwissenschaften. Gemeinsam mit ihrem Team untersucht sie Fragen der Gestaltung und Steuerung von Produktionsund Logistiknetzwerken. Im Interview formuliert sie ihre Sichtweise auf den Begriff „Industrie 4.0“ ebenso differenziert wie kritisch. Sie zeigt dessen inhaltliche Potenziale auf und blickt auf die daraus entstehenden Anforderungen und Chancen für Unternehmen.

„Schon jetzt müssen Antworten auf die Fragen gefunden werden, wann Vernetzung und „Industrie 4.0“ überhaupt Sinn machen und wann die Kosten für die Vernetzung den Nutzen übersteigen.“ - Prof. Dr. Julia Bendul

RFID speichert digitalen Produktlebenslauf

Beim Einsatz von Softwareprodukten haben sich Problemberichte an den Hersteller als Standard etabliert. Detaillierte Informationen zu Version, System und Problem vereinfachen die Lösungsfindung und gezielte Weiterentwicklung der Software erheblich. Der Hardwarebereich soll nachziehen: Um den Produktlebenszyklus exakt nachvollziehbar zu machen und einzelne Phasen von der Genese bis zum Lebensende detailliert zu dokumentieren, entwickelt das BIBA ein RFIDbasiertes System für die Erstellung einer digitalen Lebenslaufakte am Beispiel von Thin Client Computern im Auftrag des Herstellers IGEL Technology. „Die Lösung eignet sich grundsätzlich für alle Produkte, ob Computer oder Pkw“, berichtet Marco Lewandowski, Leiter des Anwendungszentrums LogDynamics Lab an der Universität Bremen, „je komplexer, desto sinnvoller“.

„Mit RFID ist eine wirtschaftliche Lösung zur Datenerhebung von Low-Cost-Produkten möglich. Bisher war diese Informationsgewinnung nur im Aviation- und Automobilbereich umsetzbar.“ - Dr. Martin Schnatmeyer

Das „Bauchgefühl“ der Dispositionsexperten nutzbar machen

Disponenten müssen heute eine Vielzahl an Parametern bei der Entscheidungsfindung berücksichtigen, um die vordergründig einfache Frage zu beantworten: Welches Gut soll auf welchen Lkw? „Unter dem Einfluss des zunehmenden Güterstruktureffekts steigen die Anforderungen an die Logistik rasant“, sagt Dr. Arne Schuldt, Geschäftsführer von Aimpulse, einem Spin-off der Uni Bremen. „IT-Systeme, welche die Entscheidungsfindung unterstützen, sogar in einigen Teilen automatisieren, verschaffen dem Disponenten Zeit für die Lösung komplexerer Fälle.“ In mehreren Projekten konnte die von Aimpulse kontinuierlich weiterentwickelte Software ihre Leistungsfähigkeit bereits demonstrieren.

„Eine intelligente Software wird zum Bindeglied, um die Fähigkeiten von Menschen und Maschinen ideal zu vereinen.“ - Dr. Arne Schuldt

Alles der Reihe nach!

Fertigungsprozesse in der Halbleiterindustrie sind hochkomplex – mehrere hundert Schritte sind nötig, bis ein Wafer fertiggestellt ist. Die Produktionsprozesse sind in der Regel nach allen Möglichkeiten optimiert, die am Markt verfügbare Lösungen zur Steuerung und Planung zulassen. „Nicht ganz“, sagen dazu die beiden Wissenschaftler Dr.-Ing. Jens Heger und Torsten Hildebrandt, die im Rahmen eines Grundlagenforschungsprojektes am BIBA eine Simulationssoftware entwickelten, die einen neuen, innovativen Ansatz verfolgt und enorme Verbesserung durch die Anpassung von Steuerungsregeln in diskreten Fertigungen ermöglichen soll. „Seit Mai 2014 bereiten wir eine Ausgründung aus dem BIBA vor, um die Software jasima zur Marktreife weiterzuentwickeln“, so die beiden zukünftigen Geschäftsführer.

„jasima ermöglicht in der Praxis leistungsstarke Steuerungslösungen für die Logistik- und Produktionsplanung, die so bislang höchstens in der Forschung betrachtet wurden.“ - Torsten Hildebrandt

RFID-Kennzeichnung für Holzpaletten: BIBA entwickelt mobilen Tagging Roboter

Der Handel ruft nach transparenten Supply Chains. Als Reaktion will das BIBA bereits Ende 2014 den Prototyp eines mobilen Tagging Roboters zur RFIDKennzeichnung von Holzflachpaletten vorstellen. Durch die Entkopplung der RFID-Kennzeichnung von der Herstellung der Paletten greift das BIBA dabei nicht in bestehende Produktionsprozesse ein und bietet eine hohe Flexbilität bei der Installation von RFIDTranspondern. Schafft das BIBA mit seiner mobilen Lösung die Basis für eine automatisierte Logistik?

„Die Mobilität des Roboters bietet den Vorteil, dass der Bedarf gleich mehrerer kleinerer Betriebe gedeckt werden kann.“ - Dirk Werthmann

Letzte Änderung am Donnerstag, 16 April 2015 15:46

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