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RFID im Blick

VDA empfiehlt die Umsetzung von ISO/IEC-Standards für RFID in der Automobilindustrie

Interviews | von PR RFID im Blick | 16. Juli 2015
In Q1 2015 hat der RFID-Expertenkreis (VDA)  jetzt eine Grundsatzentscheidung gefällt und eine klare Empfehlung für die Umsetzung von ISO/IEC-Standards ausgesprochen. In Q1 2015 hat der RFID-Expertenkreis (VDA) jetzt eine Grundsatzentscheidung gefällt und eine klare Empfehlung für die Umsetzung von ISO/IEC-Standards ausgesprochen. BILD: Verband der Automobilindustrie e.V.

Standards sind eine tragende Säule der Industrie 4.0

Die RFID-Standardisierung innerhalb der deutschen Automobilindustrie ist seit fast zehn Jahren durch die anhaltende und intensiv geführte Diskussion um zwei alternative Standards geprägt: ISO/IEC oder GS1? In Q1 2015 hat der RFID-Expertenkreis jetzt eine Grundsatzentscheidung gefällt und eine klare Empfehlung für die Umsetzung von ISO/IEC-Standards ausgesprochen.

Die applikationsübergreifende RFID-Richtlinie VDA 5500 und die anwendungsspezifischen Industrieempfehlungen VDA 5501 (Behälter), VDA 5509 (Prototypenteile), VDA 5510 (Serienteile) und VDA 5520 (Fahrzeuge) werden entsprechend angepasst. Damit haben sich die ISO/IEC-Standards in den logistischen Kernprozessen der unternehmensübergreifenden Supply-Chain der Automobilindustrie durchgesetzt.

Dr. Malte Schmidt (Volkswagen AG), Dr. Gerd Scheying (Robert Bosch GmbH), Olaf Schütze (Adam Opel AG), Vertreter des RFID-Expertenkreises (VDA), im Interview

RFID tomorrow-2015Jörg Walther, Referent Logistik beim VDA, referiert auf der RFID tomorrow 2015 am 29. September in Forum 2 - "RFID in der Industrie" über:

"Die Durchsetzung von ISO/IEC-Standards in den logistischen Kernprozessen der unternehmensübergreifenden Automotive Supply Chain"

Was bedeutet die Entscheidung für ISO/IEC bezüglich der weiteren Entwicklung des RFID-Einsatzes in der Automobilindustrie?

Malte SchmidtDr. Malte Schmidt Die klare Entscheidung für den Einsatz von ISO/IEC-Standards in den unternehmensübergreifenden Prozessen der Automobilindustrie ist ein wichtiger Meilenstein, welcher die Entscheidung für die Umsetzung von RFID-Projekten erheblich begünstigt.

Der Einsatz von RFID stellt eine Investition in die Zukunft dar, die entsprechende Planungssicherheit voraussetzt. Bislang war das noch nicht immer gegeben. Jetzt können sich prozessbeteiligte Supply-Chain-Partner auf gemeinsame Standards berufen.

Warum haben sich die ISO/IEC-Standards durchgesetzt?

Olaf SchützeOlaf Schütze In der Automobilindustrie haben sich über viele Jahre hinweg alphanumerische Nummernkreise etabliert. Mithilfe von ISO/IEC-Standards lassen sich die bestehenden Strukturen vieler Unternehmen leichter abbilden als mit GS1-Standards. Das gilt insbesondere für die Automobilhersteller.

Die ausgearbeiteten Empfehlungen erlauben es, bestehende Barcode/DataMatrix-Lösungen und neue RFID-Ansätze zu synchronisieren. Das trägt erheblich zur nahtlosen, schrittweisen Einführung von RFID bei.

Das klingt eher nach Evolution als nach radikaler Innovation...

Dr. Gerd ScheyingDr. Gerd Scheying Exakt. Die Automobilindustrie hat bereits einen vergleichsweise hohen Automatisierungsgrad erreicht. Das muss bei der Einführung von neuen Lösungsansätzen berücksichtigt werden. Selbst kleine Veränderungen innerhalb der heutigen Strukturen können mitunter enorme Auswirkungen auf die Abläufe vieler und untereinander vernetzter Unternehmen haben.

Die neue Generation der VDA-Empfehlungen ermöglicht den Einsatz von RFID-Technologie, ohne langjährig etablierte und bewährte Prozesse zu gefährden.

Bedeutet die Entscheidung für ISO/IEC-Standard das Ende von GS1- Standards in der Automobilindustrie?

G. Scheying: Keinesfalls. Die Entscheidung für die ISO/IEC-Kodierung bezieht sich auf Objektkennzeichnung im Rahmen von unternehmensübergreifenden Prozessen. Das bedeutet gleichzeitig nicht, dass interne Abläufe zwangsläufig auf ISO/IEC umgestellt werden. GS1-Standards werden bei Bosch bereits seit vielen Jahren mit großem Erfolg unternehmensintern eingesetzt. Das wird auch so bleiben. Wenn wir heute über RFID-Standardisierung sprechen, dann ist damit vor allen Dingen die Strukturierung von Daten auf den RFID-Transpondern gemeint (onTag). Der parallele Informationsaustausch zwischen Unternehmen findet über elektronische Nachrichtenformate statt (onNet). In diesem Bereich hat GS1 viele Stärken, die in den VDA-Empfehlungen auch entsprechend aufgegriffen werden. Das gilt insbesondere für sogenannte EPCIS-Telegramme, die eine technische Ergänzung zu den heute verwendeten EDI-Nachrichten darstellen. Sie beinhalten über die EDI-Inhalte hinaus ereignisorientierte Informationen, die eine zusätzliche Informationsquelle darstellen und damit eine feingranularer Objektverfolgung innerhalb der unternehmensübergreifenden Supply-Chain ermöglichen.

Dr. Gerd Scheying„Der nächste Schritt besteht in der Weiterentwicklung und Etablierung AutoID-spezifischer Nachrichtenformate, damit RFID-Daten effektiv und effizient zwischen den Unternehmen ausgetauscht werden können.“

Dr. Gerd Scheying, Director RFID@Bosch, Robert Bosch

Also ISO/IEC und gleichzeitig GS1? Das klingt auf den erstem Blick nach einem faulen Kompromiss.

M. Schmidt: Die Empfehlung des RFID-Expertenkreises ist das Ergebnis eines langjährigen Abstimmungsprozesses. Schlussendlich hat sich die Praxis durchgesetzt. Der VW-Konzern wird mittlerweile im Rahmen des Projekts „Gläserner Prototyp“ markenübergreifend (VW, Porsche, Audi) von über 100 Lieferanten mit Prototypenteilen beliefert, die über eine RFID-Kennzeichnung verfügen. Die Daten auf den RFID-Transpondern sind nach ISO/IEC-Prinzipien strukturiert (VDA 5509) und werden kundenseitig ausgelesen und mithilfe von EPCIS-Nachrichten an die jeweils eingesetzten IT-Systeme kommuniziert. ISO/IEC und GS1 stellen in der Praxis also nicht unbedingt einen Widerspruch dar. Wir nutzen das Beste aus beiden Welten.

Olaf Schütze„Die neuen RFID-Empfehlungen stoßen auch international auf hohes Interesse und bestätigen die Vorreiterrolle der deutschen Automobilindustrie.“

Olaf Schütze, Supply Chain Project Manager, OPEL

Ist der Standardisierungsprozess innerhalb der Automobilindustrie damit abgeschlossen?

M. Schmidt: Die neue Generation der VDA-Empfehlungen ist richtungsweisend für den zukünftigen RFID-Einsatz in der unternehmensübergreifenden Supply-Chain. Standardisierung ist immer ein kontinuierlicher Prozess. Dies gilt auch für RFID. Da ist noch viel Raum für Innovation.

Was sind die nächsten, unmittelbaren Schritte im Hinblick auf die RFID-Standardisierung?

O. Schütze: Die neue Generation der VDA-Empfehlungen ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Gleichzeitig steht der RFID-Expertenkreis für offenen Austausch und befürwortet keine Alleingänge. Der nächste, unmittelbare Schritt besteht darin, die Inhalte der neuen VDA-Empfehlungen auf internationale Ebene zu tragen, also beispielsweise auf Ebene von Odette (Europa) und des internationalen Joint Automobile Industry Forums (JAIF). Bei der Ausarbeitung der neuen VDA-Empfehlungen haben wir im Vorfeld Wert auf intensive Abstimmungen mit den internationalen Standardisierungsgremien gelegt.

G. Scheying: Mit den neuen VDA-Empfehlungen haben wir klare Absprachen bezüglich der Strukturierung von identifizierenden Objektdaten auf den RFID-Transpondern getroffen (onTag). Das ist eine sehr positive Entwicklung – und gleichzeitig nur ein Teil des Puzzles. Im Zuge des weiteren Standardisierungsprozesses stellt sich die Frage, wie die RFID-Daten zwischen den beteiligten Unternehmen ausgetauscht werden (onNet). Bei Bosch hat sich die ergänzende Nutzung von EPCIS-Telegrammen für den Austausch von technischen Ereignisdaten bewährt. Diese positiven Ergebnisse möchten wir gerne in den Standardisierungsprozess einbringen und verstärkt auch auf unternehmensübergreifender Ebene nutzen.

Malte Schmidt „Die Entscheidung für ISO/IEC-Standards in den unternehmensübergreifenden Prozessen ist ein Meilenstein für den zukünftigen RFID-Einsatz.“

Dr. Malte Schmidt, Leiter AutoID Center/Technische Entwicklung, Volkswagen

Wie können die Dienstleistungsbranche und die Forschung bei den nächsten Schritten unterstützen?

O. Schütze: Die Preise für die geeigneten onMetal- und nonMetal- Transponder sind in den letzten Jahren signifikant gefallen. Wir sehen jedoch noch weiteres Potenzial. Gleichzeitig zeigen die Praxiserfahrungen, dass die Transponder-Preise längst nicht mehr das entscheidende Argument für oder gegen den RFID-Einsatz sind. Bislang wird die Erfassung von RFID-Daten tendenziell mithilfe von Standardhardware und zusätzlich eingesetzten Software-mdulen realisiert, welche die unternehmensinterne Verarbeitung und Kommunikation sicherstellen. Vergleichbare Softwaremodule sind in der Logistik auch zukünftig notwendig, um ebenfalls komplizierten Erfassungsszenarien gerecht werden zu können (beispielsweise Richtungserkennung). Im Rahmen von geführten Produktionsszenarien können solche Softwaremodule zukünftig entfallen. Da sind eher kombinierte Hard- und Softwareeinheiten gefragt, die die unternehmensübergreifend-typischen Merkmale der Datenverarbeitung übernehmen (beispielsweise 6-bit Kodierung/ Dekodierung). So entfällt der Einsatz zusätzlicher, anwendungsspezifischer Softwaremodule. Damit sind entsprechende Kostenvorteile zu erwarten.

Worin bestehen die zukünftigen Herausforderungen für die Automobilindustrie?

M. Schmidt: Zukünftig geht es darum, diese Ergebnisse auch auf die klassischen, unternehmensübergreifenden Prozesse der Serienproduktion zu übertragen – also beispielsweise zur Unterstützung der gesetzlich vorgeschriebenen Bauzustandsdokumentation (BZD). Erste Untersuchungen bei den Automobilherstellern bestätigten das Potenzial der RFID-Technologie in diesem Bereich. Gleichzeitig werden heute schon viele Bauteile von den Lieferanten serienmäßig mit RFID-Technologie ausgestattet. Der nächste logische Schritt besteht damit in der standardkonformen Datenverarbeitung auf Lieferanten- und Kundenseite sowie in der anwendungsspezifischen Weiterentwicklung etablierter Nachrichtenformate. Die erfolgreiche Umsetzung wäre ein nicht unerheblicher Beitrag zur Effektivität und Effizienz in der automobilen Serienproduktion – und damit eine wichtige Säule für Industrie 4.0 in der unternehmensübergreifenden Supply-Chain.

Letzte Änderung am Donnerstag, 16 Juli 2015 13:20

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