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Turck: Transparentere Prozesse und wirtschaftliche Effizienz in der Automobilindustrie sind nur mit RFID möglich

Artikel | von Hans Turck | 03. April 2014
Turck: Transparentere Prozesse und wirtschaftliche Effizienz in der Automobilindustrie sind nur mit RFID möglich BILD: Hans Turck

RFID-Fertigungssteuerung

Magna rollt UHF-Lösung von Turck auf weitere Werke aus

Der Markt ist in Bewegung. Nach der erfolgreichen Inbetriebnahme einer RFID-basierten Fertigungssteuerung beim Automobilzulieferer Magna in Meerane baut der global agierende Konzern seine RFID-Aktivitäten weiter aus. Die Rollouts von Magna auf weitere Produktionsstandorte in Obertshausen und im tschechischen Liberec sprechen eine deutliche Sprache. Turck liefert die komplette RFID-Hardware – von den Readern bis zu den Labels und bringt gemeinsam mit dem Systemhaus Sigma Chemnitz neue Impulse in den Markt, die Automobilisten und Zulieferer gleichermaßen aufhorchen lassen. Welche Strategie Turck im Automotive-Umfeld verfolgt, berichten Bernd Wieseler und Walter Hein im Gespräch mit „RFID im Blick“.

Bernd Wieseler, Produktmanager RFID, und Walter Hein, Business Development Manager RFID, sprachen mit Anja Van Bocxlaer, Chefredakteurin, „RFID im Blick“

rib04-2014 Turck SIG2-480

Herr Wieseler, seit einem halben Jahr arbeiten Sie bei Turck als RFID-Produktmanager Hand in Hand mit Walter Hein zusammen, der seine langjährige Erfahrung als Business Development Manager mit einbringt. Wie schätzen Sie den Automotive-Markt mit Blick auf die RFID-Technologie, speziell auf UHF, ein?

Bernd WieselerBernd Wieseler: Wir verspüren eine große Dynamik im Automotive-Umfeld. Die RFID-Technologie steht bei zahlreichen Automobilisten und Zulieferern weit oben auf der Agenda. Mit der RFID-Installation im Magna-Werk in Meerane konnten wir im Idealzustand zeigen, welche Vorteile und Mehrwerte UHF-Anwendungen ermöglichen. Magna hat das erkannt und rollt die Lösung jetzt auf weitere Werke aus. UHF ist immer dann ein Thema, wenn RFID komplett neu eingeführt wird. Bei bestehenden RFID-Anwendungen im automobilen Umfeld erleben wir zurzeit den Wechselwillen zahlreicher Unternehmen von LF-Lösungen zu HF-Anwendungen.

Magna beliefert aus dem Werk in Meerane zurzeit ausschließlich Volkswagen. In den internen Prozessen wird jedoch ein Label genutzt, das von der Speicherkapazität nicht den Anforderungen des Volkswagenstandards entspricht. Wird so nicht Potenzial verschenkt?

Bernd Wieseler: Für Magna stand und steht die Optimierung der eigenen Prozesse klar im Fokus. Alle Anforderungen von Magna hinsichtlich einer erhöhten Transparenz der logistischen Abläufe in der Fertigung werden erreicht. Labels mit einer größeren Speicherkapazität zu nutzen, nur damit ein Kunde in Folgeprozessen das Label an den Bauteilen weiterverwenden kann, hat für Magna zusätzliche Kosten, aber keine Mehrwerte. Dennoch ist Magna mit der jetzt installierten RFID-Infrastruktur bestens gerüstet, um möglichen zukünftigen Anforderungen gerecht zu werden, ohne dass ein komplett neues System entwickelt und integriert werden muss.

Die Infrastruktur von Readern und Antennen ist dennoch etabliert, ebenso die Middleware und die Schnittstellen zum ERP-System. Sind die Verbrauchsmaterialien jetzt der Faktor, der über einen breiteren Einsatz der UHF-Technologie entscheidet?

Bernd Wieseler: Die Kostenthematik der Labels ist auf den ersten Blick vielfach tatsächlich eng mit dem Rollout einer Lösung verbunden. Allerdings ist es aus unserer Sicht nicht erstrebenswert, den Erfolg einer Anwendung nur an den Kosten und damit an einem möglichst schnellen ROI festzumachen. Von Kundenseite bestehen immer klar definierte Qualitätsanforderungen, die wir als Technologielieferant gewährleisten müssen. Für die Prozesse bei Magna ist ein stabiles, dauerhaft funktionierendes Label entscheidend für den Erfolg. Ein Risiko sehe ich darin, dass Marktteilnehmer selbst die Preise für Labels nach unten drücken. Macht ein Automobilist in der Folge schlechte Erfahrungen mit diesen „Billig“-Labels in seinen Prozessen, fordert er möglicherweise von uns eine bessere Qualität zum gleichen „Billig“-Preis. Da bedarf es einem ausgeprägten Standing zu sagen, dass dieser Weg nicht mitgegangen werden kann.

„False reads“ schließt Magna in seinem Stoßfänger-Werk heute über die intelligente Software-Logik aus.„False reads“ schließt Magna in seinem Stoßfänger-Werk heute über die intelligente Software-Logik aus.

Herr Hein, Ihr Kollege Bernd Wieseler sprach die Erfolgsgeschichte bei Magna bereits an. Welche Reaktionen von anderen Marktteilnehmern nehmen Sie wahr?

Walter HeinWalter Hein: Nicht erst seit dem Magna-Projekt sprechen wir mit nahezu allen Automobilisten und zahlreichen Zulieferern in Deutschland. Aus Meerane beliefert Magna ausschließlich Volkswagen. Das Magna-Werk in Obertshausen, wo jetzt ebenfalls die in Meerane etablierte Lösung ausgerollt wird, beliefert zahlreiche deutsche Automobilhersteller mit Bauteilen. Da wird das Interesse an der RFID-Lösung der Autohersteller anhand von konkreten Nachfragen sehr deutlich.

Wie wird Turck – auch gemeinsam mit Partnern wie Sigma Chemnitz – jetzt den Markt weiter angreifen?

Walter Hein: Indem wir das Thema RFID umfassend weiter vorantreiben. Aus unserer Sicht gibt es kein Zurück mehr für RFID aus der Automobilindustrie. Wir alle kennen die vergangenen Hype-Phasen der RFID-Technologie. Doch die heutige Situation ist grundsätzlich eine andere. Heute sprechen wir nicht mehr über Testläufe und erste Pilotprojekte. Die RFID-Installationen, wie bei Magna, sind heute produktionsrelevant und damit ein fester Bestandteil der Gesamtstrategie. Die RFID-Aktivitäten der Automobilisten dienen ja nicht dem Zweck, die Technologie einzusetzen, sondern dem Ziel, gute Autos zu bauen. RFID ist ein Teil des Weges, um dieses Ziel zu erreichen. Durch unsere Technologiepartnerschaft mit Deister Electronic hinsichtlich der UHF-Technologie sowie unserem Integrationspartner Sigma Chemnitz, der die Middleware entwickelt hat und die Systeme beim Kunden implementiert, sind wir bestens aufgestellt, der gesamten Automobilindustrie komplette Lösungen anzubieten.

Und Turck geht ja noch einen Schritt weiter und liefert die Label in die Anwendungen.

Walter Hein: Ja. Wir arbeiten im Bereich der UHF-Label sehr eng mit zwei Inlay-Herstellern und zukünftig auch mit einem Konvertierer zusammen. Für das Antennendesign haben wir im Hause Turck kompetente Mitarbeiter, um den Anforderungen in den unterschiedlichen Anwendungen gerecht zu werden.

Herr Hein, wann wird ein RFID-Label eingesetzt, das sowohl Zulieferer als auch Automobilisten in gleicher Weise nutzen?

Walter Hein: Dass Magna den Mehrwert einer RFID-Lösung für ihre internen Prozesse erkannt hat und die Lösungen jetzt ausrollt, ist definitiv ein Schritt in die richtige Richtung. Zahlreiche andere Zulieferer haben diesen Schritt noch nicht vollzogen. Die Anforderungen der Automobilisten, insbesondere an die Labels, sind hoch. Zulieferer können und wollen heute diese Anforderungen vor allem mit den zusätzlichen Kosten für Labels mit größerem Speicher nicht erfüllen. Die Branche ist aber in intensiven Gesprächen, um einen gemeinsamen Weg zu finden. Das ist für uns ein weiteres Indiz, dass RFID definitiv in der Automobilbranche angekommen ist. Jetzt gilt es, gemeinsam mit Partnern das passende Portfolio aus Hard- und Software sowie Beratung und Integration tiefer in den Markt hineinzubringen und auch eine Nachhaltigkeit insbesondere mit Blick auf die Labels zu etablieren.

Wie kann diese Nachhaltigkeit sichergestellt werden?

Walter Hein: Ein Beispiel, um das zu veranschaulichen: Ein Automobilist hat mehrere Hundert Reader installiert. Erreichen die jetzt neu eingesetzten Labels nicht die gleiche Reichweite wie die bislang eingesetzten, muss der Reader mit einer stärkeren Leistung arbeiten, was dazu führt, dass nicht mehr eindeutig ist, ob das korrekte Label gelesen wird. Ein Mischbetrieb aus verschiedenen Labels ist also eine Herausforderung, die zum einen hohe Ansprüche an das passende Antennendesign richtet, aber auch eine Klarheit braucht, welche Labels überhaupt eingesetzt werden. Dafür definieren wir gemeinsam mit den Automobilisten Spezifikationen für die in den Labels genutzten Chips und das Antennendesign. Nur so können wir nachhaltige Lösungen gewährleisten, die nicht darauf ausgelegt sind, dass die Reader regelmäßig neu parametriert werden müssen.

Also sind auch die Chip-Hersteller gefordert, diesen Prozess mitzugehen?

Walter Hein: Für die Chip-Hersteller ist es ausschließlich eine Frage der Stückzahl. Im industriellen Umfeld sind komplett andere Fähigkeiten gefragt als beispielsweise in der Logistik oder beim Ticketing. Das Beschreiben der Transponder ist in diesen Bereichen nur selten gefordert, dafür hohe Lesereichweiten. Ebenso spielen größere Datenspeicher kaum eine Rolle. Für Automobilhersteller hingegen ist die Schreibfähigkeit sowie ein größerer Datenspeicher essentiell, um den bereits formulierten Standards und Richtlinien zu entsprechen. Chip-Hersteller sind jedoch erst ab einer bestimmten Stückzahl bereit, überhaupt zu liefern und das zu vertretbaren Preisen. Je breiter die RFID-Technologie also in der Automobilindustrie eingesetzt wird, desto eher lassen sich sinnvoll kalkulierbare Business Cases aufstellen.

Letzte Änderung am Freitag, 10 April 2015 10:51
Hans Turck Turck

Bernd Wieseler

Director Product Management RFID Systems
Hans Turck GmbH & Co. KG

Tel: (+49) 208-4952 4067

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