• Anwendungsbereich







    Keine Auswahl

    Schlagwortsuche
    Technologie






RFID im Blick

Industrielle Fertigung: Industrie 4.0 bei Bosch

Use Cases | von PR RFID im Blick | 04. Dezember 2014
Nachgewiesene Benefits RFID-basierter Buchungsprozesse forcieren den weltweiten Rollout bei Bosch: Milkrun-Fahrten wurden um zehn Prozent reduziert, die Effizienz in den Prozessen um zehn Prozent gesteigert und den Lagerbestand um bis zu 30 Prozent gesenkt. Nachgewiesene Benefits RFID-basierter Buchungsprozesse forcieren den weltweiten Rollout bei Bosch: Milkrun-Fahrten wurden um zehn Prozent reduziert, die Effizienz in den Prozessen um zehn Prozent gesteigert und den Lagerbestand um bis zu 30 Prozent gesenkt. BILD: Bosch

Virtuelle Prozesse gleich physische Prozesse

Seit dem RAN-Projekt treibt Bosch eine Innovationsspirale aus Datenerhebung, Auswertung und rückwirkender Optimierung logistischer Prozesse voran

Von 2008 bis 2013 ist die Zahl RFID-basierter Buchungen von annähernd null auf rund 20 Millionen in Produktivsystemen von 16 Werken in vier Geschäftsbereichen und unterschiedlichen Arbeitsgebieten gestiegen. Manuelle Prozesse werden immer weiter digitalisiert und virtuell abgebildet. „Wo Mitarbeiter vorher einen Zettel ausgefüllt haben, existieren heute RFID-gestützte Scan-Prozesse. Der physische Weg von Logistikzentrum in die Montage ist transparent und jederzeit einsehbar“, berichtet Dr. Daniel Neuhäuser, Bosch Corporate Sector Information Systems & Services. Welche optimierten Prozesse zukünftig durch umfassende Datensammlung und -verarbeitung auf einer zentralen Plattform möglich werden sollen, erklärt er im Interview mit „RFID im Blick“.

Dr. Daniel Neuhäuser, Bosch Corporate Sector Information Systems & Services, im Interview mit „RFID im Blick“

Geschäftsmodell Prozessoptimierung

Dr. Daniel NeuhäuserDr. Daniel NeuhäuserDie Zahl der Produkterfassungen entlang der Supply Chain erhöhen und dadurch deren Transparenz zu steigern, gleichzeitig aber den Aufwand dieser Buchungen verringern. Das war das Ziel, mit dem Bosch im Jahr 2008 im Rahmen des RAN-Projekts den Einsatz der RFID-Technologie startete. „Durch eine zentrale, unternehmensübergreifende Schnittstelle können durchgängige Buchungen ermöglicht werden. Die daraus resultierende, genaue Kenntnis der Prozessparameter erlaubt einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess entlang der Lieferkette, der anhand der Buchungen unmittelbar mess- und vergleichbar ist mit dem vorherigen Zustand“, berichtet Dr. Daniel Neuhäuser. „Generisch betrachtet heißt das: Wir analysieren, digitalisieren und virtualisieren den Wertstrom eines manuellen Prozesses. Diese Digitalisierung bildet eine Datenbasis zur Prozessoptimierung. Im zweiten Schritt lassen sich anhand der Daten mehrwertbietend Prozessfehler aufzeigen, die entsprechenden Prozesse verbessern und schließlich Geld sparen.“

„Digitalisierung bildet die Datenbasis zur Prozessoptimierung. Im zweiten Schritt lassen sich anhand der Daten mehrwertbietend Prozessfehler aufzeigen, die entsprechenden Prozesse verbessern und schließlich Geld sparen.“

RFID-Buchungen in der Wertschöpfungskette

Was bedeutet diese theroretische Beschreibung für die Umsetzung in den Bosch-Werken? „Wir haben nicht nur einfach eine Theorie entwickelt, sondern diese Theorie direkt mit einer Pilotierung umgesetzt“, so Dr. Daniel Neuhäuser. „Das lässt sich exemplarisch am Werk Homburg aufzeigen, wo wir über RFID-Kanban den Gesamtprozess zwischen Logistikzentrum und Produktion digitalisiert haben. Das heißt: Wo Mitarbeiter vorher einen Zettel ausgefüllt haben, scannen sie jetzt die Kanban-Karte und die Nachfolgeprozesse werden automatisch angestoßen. Der physische Weg von Logistikzentrum in die Montage ist transparent und jederzeit einsehbar: Wo ist das Material? “ Von Anlieferung des Rohmaterials über Wareneingang, Vorfertigung, Montage, Endfertigung, Einlagerung, Auslagerung, Kommissionierung bis zum Versand erfolgen automatisierte Gate-Buchungen und manuelle Buchungen. In der Summe lassen sich die Ergebnisse der RFID-basierten Prozessrestrukturierung in drei wesentlichen Punkte zusammenfassen: „Physische Objekte werden eindeutig innerhalb des Kreislaufs identifiziert. Die Erfassung im Materialfluss ist automatisiert. Durch die automatisierten Buchungsschritte ist der physische Prozess gleichzeitig im System abgebildet, weshalb er transparent, messbar und verfolgbar ist.“

Pullprozess für Nachschubsteuerung

Auf der Basis von RFID-Kanban hat Bosch ein Pullsystem konsequent umgesetzt. Der Verbrauch in der Produktion stößt alle Nachschubprozesse an. „Das wird möglich, indem sich physischer Prozess und virtueller Prozess entsprechen“, erklärt Dr. Daniel Neuhäuser. „Der optimierte Informationsfluss ermöglicht aber die Ausschöpfung weiterer Potenziale: Verschwendung lässt sich vermeiden, weil das Handling von Papier und manuelle Buchungen im System Zeit kosten, die jetzt nicht mehr benötigt wird. Außerdem birgt manuelles Handling das Risiko von Übertragungsfehlern.“ Die Bedienung des Systems werde für den Anwender darüber hinaus erleichtert: „Statt sich mit SAP-Masken aufzuhalten, kann er die Karte einfach an den Reader halten. Eine Ampelfunktion signalisiert direkt, ob der Vorgang erfolgreich war. Dadurch, dass der Prozess mit Echtzeitdaten gemonitored werden kann, ist der Prozessstatus jederzeit genau einsehbar.“

Neben den AutoID-Technologien RFID und Barcode fokussiert Bosch unter anderem auch den Einsatz von Sensorik, Telekommunikation und Augmented Reality.Neben den AutoID-Technologien RFID und Barcode fokussiert Bosch unter anderem auch den Einsatz von Sensorik, Telekommunikation und Augmented Reality.

Lagerbestand bis zu 30 Prozent reduziert

„Das System läuft produktiv, der Prozess kann in den Werken ausgerollt werden“, so Dr. Daniel Neuhäuser. „Der Rollout wird durch die nachweislichen Benefits forciert: Wir konnten die Milkrun-Fahrten um zehn Prozent reduzieren, gleichzeitig die Effizienz in den Prozessen um zehn Prozent steigern und den Lagerbestand um bis zu 30 Prozent reduzieren, vor allem dadurch, dass der Prozess klar nachvollziehbar ist. Insbesondere die Bestandsreduzierung ist natürlich eine Kennzahl, die sich direkt auf den Cashflow auswirkt und den Werken nachweisbare Resultate bietet. Wenn darüber hinaus Fläche in der Bereitstellzone eingespart werden können, hat das nicht nur positive Auswirkungen auf den Bestand, sondern auch auf die Montagefläche. Die eingesparte Fläche kann für wertschöpfende Tätigkeiten genutzt werden, diese Effekte spielen eine große Rolle.“

Bosch Business-Event-Plattform

Die RFID-Aktivitäten bei Bosch lassen sich konkret an der Steigerung RFID-basierter Buchungen ablesen: Von annähernd null im Jahr 2008 auf rund 20 Millionen im Jahr 2013 – in Produktivsystemen von 16 Werken in vier Geschäftsbereichen, also auch in verschiedenen Arbeitsgebieten. „Der Prozesskomponente RFID liegt ein Bosch-interner Standard zugrunde. Wir bieten diese Lösung den Werken als Standardkomponente in der Prozesslogik an.“ In Zukunft soll die Datensammlung und Aggregation weiter vorangetrieben werden. „Prozessdaten sollen auf lange Sicht auf einer Bosch Business-Event-Plattform gesammelt werden. Auf Grundlage der Ergebnisse dieses Object Event Monitorings sollen in letzter Konsequenz Echtzeitanalysen ermöglicht und schlanke Prozesse abgeleitet werden. Fragen wie ‚Wie entwickelt sich meine Kennzahl?‘ lassen sich mit einer immer höheren Detailtiefe beantworten.“

Schnittstellen zu Verkehr und Gebäudetechnik

Die immer hochauflösendere, digitale Abbildung physischer Prozesse und die darauf aufsetzende Analyse der Datenströme, gebündelt auf einer zentralen Plattform mündet unmittelbar in die Gestaltung logistischer Prozesse. „Transporte lassen sich sehr viel genauer planen, Abweichungen kompensieren und im letzten Schritt auch Vorhersagen treffen, sowohl kurzals auch langfristig. Die gesamte Datensammlung lässt sich durch eine Plattform vereinfachen, weil die Daten dadurch zentral zur Verfügung stehen. Natürlich folgen daraus auch Optimierungen für angrenzende Bereiche, da Logistik nie isoliert ist. Die Verknüpfung zur Gebäudetechnik muss effizient gestaltet sein. Es gibt darüber hinaus Schnittstellen zu Verkehr und Verkehrsinfrastruktur, beispielsweise über Lösungsanbieter, die Stauprognosen anbieten. ‚Ship to Line‘-Konzepte setzen eine sehr genaue Taktung der Anlieferung voraus.“

Ausbau der Mensch-Maschine-Schnittstelle

Viele der mit dem Begriff „Industrie 4.0“ verknüpften Prozesse befinden sich in den 16 Werken, die bereits auf RFID-gestützte Buchungen in der Liefer- und Produktionskette zurückgreifen, im praktischen Arbeitsalltag. Zu den enablenden Technologien der Bosch Business-Event-Plattform gehören neben Barcode und RFID auch Sensorik und weitere autonome Technologien, M2MKommunikation, Robotik, die Einbindung mobiler Telekommunikation oder Augmented Reality. „Auch diese Technologien bekommen immer mehr Bedeutung im industriellen Umfeld für die Umsetzung der Mensch-Maschine-Schnittstelle. Nicht nur bei monotonen Fertigkeiten können sich Mensch und Roboter sehr gut ergänzen. In Produktionsumgebungen können Mitarbeiter durch einen automatisierten Warentransport geschützt werden. Um die Kommunikation mit dem Nutzer zu optimieren, arbeiten wir an weiteren Möglichkeiten zur Anbindung und technischen Unterstützung von Arbeitsprozessen, sowohl im Privat- als auch im Industriebereich“, schließt Dr. Daniel Neuhäuser.

Letzte Änderung am Mittwoch, 21 Oktober 2015 17:15
Das Fachmagazin „RFID im Blick“
Fachmagazin „RFID im Blick“Das ganze Spektrum von RFID, NFC, Smart Cards, BLE und Wireless IoT
Recherchiert, innovativ, praxisorientiert, am Puls der Zeit!