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RFID im Blick

Industrie 4.0 muss aus der Zusammenarbeit wachsen | Interview mit Prof. Dr. Alexander Pflaum

Artikel | von PR RFID im Blick | 17. Dezember 2014

Um Deutschland im internationalen industriellen Wettbewerb halten zu können, müssen Unternehmen, Verbände, Politik und Wissenschaft Hand in Hand arbeiten

Industrie-4.0-Ideen sind in einigen deutschen Industriezweigen bereits heute Realität. Um sich dem internationalen Wettbewerb jedoch stellen zu können, muss sich auf vielen Ebenen noch einiges bewegen, sagt Prof. Dr. Alexander Pflaum. „Wichtig ist, dass alle Beteiligten – Großunternehmen, KMU, Politik und Forschung – ein gemeinsames Ziel verfolgen. Nur so lassen sich Technologien in der Produktion nutzen, mit deren Integration einzelne Unternehmen überfordert wären.“ Im Interview mit „RFID im Blick“ spricht Alexander Pflaum über Faktoren, die den Industriestandort Deutschland im Wettbewerb halten können.

Prof. Dr. rer. pol. Dipl.-Ing. Alexander Pflaum, Leiter des Zentrums für Intelligente Objekte ZIO am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS, im Gespräch mit Jan Phillip Denkers, „RFID im Blick“

Herr Professor Pflaum, ist Industrie 4.0 ein Thema, das alle Industriebranchen gleichermaßen betrifft?

Prof. Dr. Alexander PflaumProf. Dr. Alexander PflaumJa, es betrifft alle Branchen gleich stark, aber die Unternehmen selbst weisen einen sehr unterschiedlichen Stand der Entwicklung auf. Beispielsweise haben deutsche Automobilisten Ideen der Industrie 4.0 bereits in einigen Fertigungsbereichen umgesetzt. Auf der anderen Seite gibt es Branchen, wie zum Beispiel die Metall verarbeitende Industrie, die einen großen Nachholbedarf haben. Der Maschinenbau hat aus Innovationssicht die schwierige Voraussetzung, dass die gefertigten Produkte einen sehr lange Produktlebenszyklen aufweisen. Es ist keine Seltenheit, dass eine Maschine 30 Jahre betrieben wird. Dennoch ist der Maschinenbau kein Innovationsverweigerer, sondern arbeitet unter anderen Rahmenbedingungen.

Wie kann die von der Bundesregierung und Branchenverbänden ins Leben gerufene „Plattform Industrie 4.0“ Unternehmen und Entwicklungen unterstützen?

Die Plattform ist insofern etwas neues, als erstmals Branchenverbände zusammenarbeiten, die bislang wenig gemein hatten. So wird ein hinlängliches Problem – die Ungleichheit der Branchen – thematisiert. Auf der einen Seite der Maschinenbau mit langen Produktlebenszyklen und auf der anderen Seite die ITK-Branche, die extrem kurze Produktlebenszyklen hat. Die Innovationskulturen dieser beiden Branchen sind ebenfalls sehr unterschiedlich. Jetzt wird auf der Plattform vielschichtig versucht, diese beide Welten zusammenzubringen.

Sind bereits umgesetzte Industrie-4.0-Ideen auf andere Unternehmen übertragbar?

In der Regel nicht ohne individuelle Anpassungen. In der Automobilherstellung sind Maschinen bereits heute vernetzt. Fertigungsaufträge begleiten das herzustellende Fahrzeug durch den gesamten Produktionsprozess. Im Maschinenbau wird jede Maschine manuell für den Auftrag gerüstet. Zwar kann der Maschinenbau an dieser Stelle viel über Effizienz von der Automobilindustrie lernen, aber alle Lösungen eins zu eins zu übernehmen ist nicht möglich, da der Maschinenbau eine andere Art von Flexibilität erfordert als die Automobilindustrie. Generische Roadmaps sind ein guter Ansatz, um passende Lösungen zu definieren, auf deren Basis Unternehmen ihre Märkte und ihre Ressourcen analysieren können.

Trotz zahlreicher Herausforderungen auf gleich mehreren Ebenen kann Industrie 4.0 zum Erfolg werden – aber nur, wenn die geschaffene Plattform den Mittelstand mitnimmt. Der Mittelstand verfügt über eine stärkere Innovationskraft als Großunternehmen, die zwar Geld und einen langen Atem haben, aber auch langsamer und nicht so flexibel wie ein Mittelständler sind.

Wer ist der maßgebliche Treiber der Industrie 4.0?

Der Haupttreiber ist der internationale Wettbewerb, in dem sich deutsche Industrieunternehmen befinden. Beispielsweise haben die USA erkannt, dass sie ihr Land reindustrialisieren müssen und treiben diese Entwicklung mit hohem finanziellen Aufwand unter dem Schlagwort „Industrial Internet“ voran. Und die USA sind bereits im IT-Umfeld sehr gut aufgestellt.

Gleichzeitig ist Deutschland im Maschinenbau und in der Automatisierungstechnik weltweit führend. Die Vorteile sind also zwischen diesen beiden Ländern verteilt. Jetzt kommt es darauf an, die deutsche IT-Landschaft weiterzuentwickeln und mit der Automatisierungstechnik zu verknüpfen. Dazu braucht es aber ein noch stärkeres Commitment zu Flexibilität und Innovationswillen der Politik und der großen IT-Unternehmen.

Wie kann die Industrie 4.0 zu einer deutschen Erfolgsgeschichte werden?

Indem wir das Wissen, welches heute an Universitäten und Fachhochschulen existiert, zügig in die Praxis übertragen. Diejenigen, die sich jetzt mit Industrie 4.0 befassen, haben das benötigte Wissen nicht in ihrer Ausbildung erlernen können. Das Wissensmanagement ist also ein sehr wichtiger Erfolgsfaktor, ebenso wie ein gut strukturiertes Innovationsmanagement. Technologien, wie RFID, sind für Mittelständler oftmals schon schwer genug zu integrieren.

Wenn jetzt noch Lokalisierung, Mobile Computing, Big Data Analysis und weitere Innovationen auf den Maschinenbau einprasseln, entstehen zusätzliche Herausforderungen, die von einem Unternehmen allein kaum zu lösen sind. Daher ist ein gut funktionierendes Innovationsmanagement erforderlich. Trotz zahlreicher Herausforderung auf gleich mehreren Ebenen kann die Industrie 4.0 zum Erfolg werden – aber nur, wenn die geschaffene Plattform den Mittelstand mitnimmt. Der Mittelstand verfügt über eine stärkere Innovationskraft als Großunternehmen, die zwar Geld und einen langen Atem haben, aber auch langsamer und nicht so flexibel wie ein Mittelständler sind.

Letzte Änderung am Freitag, 10 April 2015 10:35
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