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RFID im Blick

„Hygiene ist ein Riesenproblem in deutschen Krankenhäusern“ | RFID kann bei der Lösung unterstützen

Use Cases | von PR RFID im Blick | 31. März 2015
Der gefährliche Mitarbeiter. Der gefährliche Mitarbeiter.

Die Nichteinhaltung einfachster Richtlinien führen zu folgenschweren Auswirkungen – RFID kann unterstützen, so Professor Dr. med. Klaus-Dieter Zastrow

Der gefährliche Mitarbeiter – so beschreibt Prof. Dr. med. Klaus-Dieter Zastrow Mitarbeiter in Krankenhäusern, die sich der Auswirkungen von nicht eingehaltenen Hygienerichtlinien nicht bewusst sind. Der Experte für Krankenhaushygiene prangert Missstände deutlich an und sieht ein großes Potenzial für Optimierungen, auch mittels RFID. „Hygienemängel müssen in aller Deutlichkeit benannt werden – von Menschen wegen unsachgemäßer Hygiene im Krankenhaus verbreitete Keime sind für mehrere tausend Tote und Langzeitschäden mitverantwortlich“, sagt Prof. Dr. med. Zastrow.

Prof. Dr. med. Klaus-Dieter Zastrow, Chefarzt des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin der Vivantes Kliniken Berlin, im Interview mit „RFID im Blick“

Herr Prof. Dr. med. Zastrow, ist es in Krankenhäuser überhaupt möglich, Hygieneregeln 100-prozentig umzusetzen?

Prof. Dr. med. Klaus-Dieter ZastrowProf. Dr. med. Klaus-Dieter ZastrowJa! Aber nur, wenn alle Beteiligten, also nicht nur Pfleger, Ärzte und Betriebsräte, sondern Gesundheitsämter und nicht zuletzt die Politik daran mitarbeiten. Zunächst sind Kontrollen von Gesundheitsämtern, so wie sie derzeit vollzogen werden, absolut unzureichend. Überprüfungen werden oftmals Wochen vorher angekündigt und dann werden auch nicht die infektionsrelevanten Tätigkeiten wie beispielsweise Verbandswechsel, das Legen von Venenkathetern oder invasive Eingriffe in Operationssälen überprüft. Folgenschwere Hygienefehler werden daher nur unzureichend aufgedeckt. Aber auch jeder einzelne ist gefragt. Die Händedesinfektion ist hier ein zentraler Punkt. Jeder Pfleger und jeder Arzt hört in der Ausbildung unzählige Male, wie wichtig das sachgerechte Desinfizieren von Haut und Händen mit einer ausreichenden Menge an Desinfektionsmittel ist und dennoch wird dieser Verpflichtung – aus verschiedensten Gründen – nur halbherzig nachgekommen.

„Widerstand gegen unterstützende Maßnahmen zur Einhaltung von Hygienerichtlinien sind für mich ein Zeichen, dass man sich der Gefahr, die von einem selbst als Krankenhausmitarbeiter ausgeht, nicht bewusst ist.“

Häufig wird eine zu dünne Personaldecke und ein zu hohes Arbeitsaufkommen für Missstände in der Hygiene verantwortlich gemacht. Ist das für Sie nachvollziehbar?

Nein. Eine grundsätzliche Personaldebatte ist nicht zielführend. Vollkommen richtig ist es, dass der Personalschlüssel für Intensivstationen die Betreuung von zwei Patienten durch einen Pfleger hergeben muss. Auf Isolierstationen muss ein 1:1-Verhältnis möglich sein. Ist eine Pflegekraft gleich für vier Isolationspatienten zuständig, ist es nur eine Frage der Zeit, bis alle anderen Patienten vom gleichen Keim befallen sind. Eine solches, häufig in Deutschland praktiziertes, Betreuungsverhältnis ist aus meiner Sicht absolut unzulässig. Anders ist es auf Normalpflegestationen. Da spielt es im Hochbetrieb keine Rolle, ob ein Verband eine halbe Stunde früher oder später gewechselt wird. Ein weiterer Punkt: Der Bundesgerichtshof sieht die Sterilgutaufbereitung als voll beherrschbares Risiko an. Die benötigte Technik ist bekannt und hoffentlich auch vorhanden. Sämtliche Operationen – Notfälle ausgeschlossen – sind geplant, daher gibt es auch ausreichend Zeit für alle Aufgaben. Personalmangel ist also nicht der Hauptgrund allen Übels.

Wie können Mitarbeiter bei der Umsetzung von Hygienerichtlinien zusätzlich zu bereits getroffenen Maßnahmen unterstützt werden?

Es gibt Systeme, bei denen die Mitarbeiter einen RFID-Transponder bei sich tragen. Eine entsprechend ausgestatteter Desinfektionsspender im Patientenzimmer erkennt den Transponder und gibt ein optisches oder akustisches Signal als Hinweis zur noch nicht erfolgten Händedesinfektion. Das Signal verstummt erst, wenn der Mitarbeiter die notwendige Menge an Desinfektionslösung entnommen hat, denn der häufigste Fehler bei der Händedesinfektion ist nicht, dass die Mitarbeiter es komplett unterlassen, sondern dass sie die Händedesinfektion mit zu wenig Lösung zu kurz durchführen und sich dann sicher fühlen. Pflegende und Ärzte in Vivantes-Häusern hätten sich mit einem solchen System arrangiert, aber Bedenken des Betriebsrates hinsichtlich einer möglichen Kontrolle und Überwachung der Mitarbeiter haben die Einführung vorerst gestoppt. Widerstand gegen unterstützende Maßnahmen sind jedoch für mich ein Zeichen, dass man sich der Gefahr, die von einem selbst ausgeht, nicht bewusst ist. Daher ist die notwendige Konsequenz, dass Mitarbeiter, die dreimal hintereinander Regel missachten, entlassen werden. Solche Mitarbeiter sind eine reale Gefahr für unsere Patienten. Einem Taxifahrer, der dreimal bei „Rot“ über die Kreuzung fährt und dabei Fußgänger schwer verletzt, würde der Führerschein mit Sicherheit entzogen werden.

Lesen Sie mehr über RFID in der Medizin (Ein Thema – vier Bereiche: Der Patient, Das Krankenhaus, das Labor und die Medizintechnik) in der Märzausgabe 2015!

Letzte Änderung am Donnerstag, 22 Oktober 2015 13:09
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