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RFID im Blick

Ernsting‘s family im Gespräch mit „RFID im Blick“ | DAS RFID-Interview!

Use Cases | von PR RFID im Blick | 27. April 2015
Ernsting‘s family setzt auf integrative und flexible IT, um steigenden logistischen Herausforderungen zu begegnen. Ernsting‘s family setzt auf integrative und flexible IT, um steigenden logistischen Herausforderungen zu begegnen. BILD: Ernsting‘s

Keiner hört es gern: Labelkosten schränken die Rentatibilität von RFID ein

Mehr als 1.750 Filialen des Modeunternehmens Ernsting‘s family in Deutschland und Österreich werden von zwei Lagerstandorten in Deutschland aus beliefert, aus denen ebenfalls die kontinuierlich steigenden Online-Shop-Bestellungen bearbeitet werden. Welchen Herausforderungen sich die Logistik dabei stellen muss, darüber sprach „RFID im Blick“ im Interview mit Logistikleiter Holger Henning, der durchaus das Potenzial für die RFID-Technologie in zahlreichen logistischen Prozessen bei Ernsting‘s family sehen kann. Letztendlich wird die Technologie aktuell jedoch (noch) nicht genutzt.

Holger Henning, Logistikleiter, Ernsting‘s family, im Gespräch mit „RFID im Blick“

Logistische Mammutaufgaben

Die Filialen von Ernsting‘s family verfügen nicht über ausgeprägte Lagerflächen, aus denen Nachfüllprozesse auf der Verkaufsfläche möglich sind. Somit wird verkauft, was auf der Fläche verfügbar ist. „Der Anteil an NOS-Artikeln ist im Bekleidungsbereich gering und kann aus unseren Logistikzentren aufgefüllt werden“, berichtet Holger Henning. „Daher benötigen wir auch kein Lager an den Filialen, sondern beliefern unsere mehr als 1.750 Filialen jeden zweiten Tag. Das ist wichtig, da Ernsting‘s Family jeden Tag bis zu 40 neue Styles einführt. Auch Abverkäufe müssen zügig nachgeliefert werden.“ Um sowohl die Nachbestellungen (pull) als auch die neuen Styles (push) schnellstmöglich auf die Verkaufsflächen zu bringen, sind hochintegrative IT-Systeme notwendig, so Holger Henning: „Die Transparenz in allen Prozessen ist enorm wichtig, damit alle Bereiche, von der Beschaffung über das Category Management bis zur Logistik, mit der immer kürzeren Time to Market Schritt halten können. Wir müssen jederzeit wissen, welche Bestellung sich wo befindet, um entsprechend handeln zu können.“

Holger HenningHolger Henning„Wir müssen jederzeit wissen, welche Bestellung sich wo in der Kette befindet. Das ermöglicht uns eine schnelle Reaktion bei Fehlern oder Verzögerungen. Ohne eine in alle Prozesse integrierte IT ist unsere Arbeite heute unmöglich.“

Millionen Artikel – relativ geringer Verkaufspreis

Grundsätzlich sieht Holger Henning die RFID-Technologie als eine interessante Möglichkeit, Prozesse entlang der gesamten Wertschöpfungkette zu optimieren, aber bereits die Kosten für die Labels würden eine Lösung für Ernsting‘s family unwirtschaftlich werden lassen, wie der Logistikleiter erläutert: „Wir bewegen jedes Jahr bis zu 200 Millionen Artikel mit einem durchschnittlich relativ geringen Verkaufspreis. Kostet ein RFID-Etikett samt Service im Schnitt 10 Cent, dann sprengen die laufenden jährlichen Kosten im zweistelligen Millionenbereich allein für die Verbrauchsmittel das mögliche Einsparpotenzial, das durch die RFID-Technologie erzielt werden könnte. Selbst, wenn RFID in der Inventur und im Diebstahlschutz genutzt würde. Ein Etikett mit einem einfachen EAN-Code verursacht bei einem Preis von 0,02 Cent nur rund ein Fünfzigstel der Kosten im Vergleich zu RFID.“

Täglich neue Styles

Jeden Tag finden rund 40 neue Styles den Weg in die Ernsting‘s family-Filialen. Gleichzeitig laufen die Planungen für jede neue Kollektion über mehrere Monate. „Hinzu kommt, dass unsere Filialen von der Fläche her verhältnismäßig klein sind. Somit muss auch die Lieferung in jede der mehr als 1.700 Filialen exakt geplant sein, damit dort weder zu viel noch zu wenig Ware angeliefert wird. In der Regel ist auch kein richtiges Lager in den Filialen vorhanden. Der logistische Grundgedanke ist, dass wir keine Nachfüllprozesse haben, sondern alle Filialen jeden zweiten Tag mit Ware beliefern“, so Holger Henning.

RFID: Kein Mehrwert im Wareneingang

Der relativ geringe Verkaufspreis ist auch im Wareneingang ein Grund dafür, dass Ernsting‘s family nicht von der RFID-Technologie profitieren könnte. „Sind in einem Karton beispielsweise 100 T-Shirts und wir erhalten insgesamt 20 dieser Kartons, dann überprüfen wir den ersten Karton auf Vollzähligkeit, korrekte Etikettierung und weitere Punkte. Diese Stichprobe reicht aus Prozesssicht für die gesamte Lieferung. Eine 100-prozentige Kontrolle wäre mit Blick auf den relativ geringen Artikelverkaufspreis in der Realisierung und im Aufwand unverhältnismäßig“, berichtet Holger Henning.

Diebstahlschutz mit RFID?

Der Diebstahlschutz mit RFID kann ein positiver Nebeneffekt sein, sobald die Technologie zur Flächenbewirtschaftung in der Filiale genutzt wird, davon ist Holger Henning grundsätzlich überzeugt, ist jedoch gegenüber dem praktischen Mehrwert skeptisch: „Da RFID-Labels ebenso wie herkömmliche Sicherungslabels einfach mit einer Alufolie abgeschirmt oder die Antenne in einem eingenähtem oder angeschossenem Smart Label leicht zerschnitten werden kann, entfällt hier der Mehrwert. So nutzen einige unser Marktbegleiter trotz RFIDEtiketten eine zusätzliche Diebstahlsicherung. Der Diebstahl wird mit RFID auf jeden Fall reduziert, gänzlich durch den Einsatz der Technologie auszuschließen ist er jedoch nicht.“

Volatilität ist größte Herausforderung

Die Volatilität im Warenfluss nimmt stetig zu, insbesondere durch die Erwartungshaltung der Kunden, die ihre Ware online bestellen, berichtet Holger Henning: „Was heute bestellt wurde, wird morgen erwartet. Wir reagieren auf diesen Anspruch derzeit mit optimierten Arbeitszeitmodellen und mit innovativer IT. Früher wurden jeden Tag alle Bestellungen gesammelt und IT-technisch über Nacht bearbeitet. Heute können wir sinnvoll einschätzen, welche Bestellungen in den kommenden Stunden zu bearbeiten sind. Zeiten, in denen Ware unbearbeitet liegen bleibt, intelligent durch den Einsatz von IT verkürzen. Die Märkte verändern sich sehr viel schneller als früher. Das schlägt bei uns zu. Wir werden uns niemals auf einem Stand der Entwicklung ausruhen können, sondern werden permanent auf der Suche nach neuen Lösungen sein. Die Integrierbarkeit von Systemen, ihre Flexibilität, Skalierbarkeit und Erweiterungsfähigkeit sind die wichtigsten Kriterien. Nur so können wir bei veränderten Anforderung schnellstmöglich reagieren.“

Zwei Bestände – ein Erfolg

In beiden Logistikstandorten sind die Bestände für die Filialen und das Online-Geschäft getrennt. „Die Kommissionierung für die beiden Bereiche sind zu unterschiedlich für einen Bestand. Ein Auftrag für eine Filiale umfasst in der Regel eine hohe Anzahl an Einzelteilen, im Online-Geschäft besteht eine Bestellung nur aus wenigen Artikeln“, erklärt Holger Henning. Um die Übersicht zu behalten, hat Ernsting‘s family durch die Einführung von SAP EWM in 2013 die Möglichkeit sehr schnell zwischen den Beständen zu switchen. „Im Sommer 2015 wird SAP EWM auch in der reinen E-Com-Kommissionierzone zum Einsatz kommen, was die Geschwindigkeit zusätzlich erhöhen wird.“

Dieses Interview ist Teil der RFID-Fashion-Reportage, erschienen in der Februarausgabe 2015 des Fachmagazins „RFID im Blick“.

Letzte Änderung am Donnerstag, 22 Oktober 2015 13:07
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