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RFID im Blick

Reloaded: Die RFID-Vision von Volvo

Use Cases | von PR RFID & Wireless IoT Global | 17. November 2015
Bis im Januar 2015 die Produktion des XC90 mit einem neuen Ansatz in der Endmontage startete, erwies sich die Positionierung des RFID-Tags an der Crashbox für alle Volvo-Modelle gleichermaßen als ideal. Das jetzt notwendige Umdenken führt zu einer neuen RFID-Vision. Bis im Januar 2015 die Produktion des XC90 mit einem neuen Ansatz in der Endmontage startete, erwies sich die Positionierung des RFID-Tags an der Crashbox für alle Volvo-Modelle gleichermaßen als ideal. Das jetzt notwendige Umdenken führt zu einer neuen RFID-Vision. BILD: Volvo

RFID-Tags sind weit mehr als ein Produktionstool! Als Teil des Fahrzeugdesigns können Mehrwerte im After Sales Service erschlossen werden

Volvo Cars verfolgt seit 2004 die Strategie des „one unique tag“ und führt diese stringent bei dem weltweiten RFID-Rollout von Europa aus fort. Die bewährten RFID-Systeme sind bereits in der Produktionsstätte in Chengdu in China komplett integriert, die Implementierung in zwei weiteren chinesischen Werken ist in 2016 geplant. Neue Produktionsprozesse erfordern jedoch eine Anpassung des Konzeptes und eine andere Anbringung der Tags, erklärt Yvan Jacquet, Project Manager, Volvo Car Gent. Die Vision des schwedischen Automobilbauers: Die Integration der RFID-Tags als Teil des Fahrzeug-Designs.

Yvan Jacquet, Project Manager - Data & RFID, Volvo Car Gent

Ein klares globales RFID-Rollout-Konzept

„Volvo Cars hat von Anfang an eine klare RFID-Strategie verfolgt, und zwar einen permanenten Tag durchgehend über die komplette Fertigungslinie zu nutzen. Dieser UHF-Tag ist am Chassis über dem linken Vorderrad am Schockabsorbersystem („Crashbox“) unter dem Stoßfänger appliziert und verbleibt an dieser Position über den gesamten Produktionsprozess. Die Installation aller Lesepunkte des RFID-Systems an den Fertigungslinien ist so ausgerichtet, dass der Tag immer in derselben Position gelesen wird. Dieses Konzept, basierend auf einer Plattformlösung, nutzen wir für alle sechs Fahrzeugmodelle und übertragen dies konsequent weltweit, auch auf die neuen Werke in China“, erklärt Yvan Jacquet.

Yvan JacquetYvan Jacquet „Bisher wird die RFID-Technologie als Produktionswerkzeug verstanden. Wir sagen: Der RFID-Tag ist kein reines Produktionstool, sondern sollte als Komponente begriffen werden, die wie ein Sitz oder Lenkrad von Beginn an fester Bestandteil des Designs ist!“

Umdenken in der Strategie: Optimierung der Transponderanbringung

Volvo sieht sich selbst als Pionier für das Konzept der „One unique position“ und hat sich immer bewusst gegenüber anderen Automobilisten, die dies sehr interessiert verfolgen, geöffnet. Allerdings gelte dieses Konzept seit Anfang 2015 nicht mehr für die neuen Volvo-Modelle auf Basis der SPA-Plattform, erklärt der Projektmanager offen: „Bei einigen Modellen ist die Stelle an der Karosserie, die für die Tags ursprünglich verwendet wurde, in der Schweißerei nicht mehr verfügbar, da die Stoßfänger erst in der Endmontagelinie platziert werden. Deshalb müssen wir den Tag im Prozess verlagern. Auch ist der Transponder zunehmend mit integrierter Elektronik, wie beispielsweise Sensoren, umgeben. Diese Tatsache erschwert es zusätzlich eine gleichbleibende UHF-Leseperformance zu garantieren. Dadurch büßen wir einen Teil der Benefits unseres Konzeptes ein. Das ist für uns auf Dauer keine zufriedenstellende Lösung. Daher müssen wir bei der grundsätzlichen Positionierung der Tags umdenken.“

Die Vision von Volvo Cars: RFID-Tags als Teil des Designs

Doch welche ist die optimale Transponderposition für eine durchgängige Identifikation? Eine Frage, die mit einem neuen Weg Fahrzeuge zu bauen – die Stoßfängeraufhängung wird erst im letzten Fertigungsschritt montiert – nahezu alle Automobilhersteller gleichermaßen betrifft. Mit einem durchaus innovativen Ansatz will der schwedische Automobilbauer auch hier wieder Vorreiter sein: „Wir diskutieren seit 2014 sehr intensiv mit der F&E-Abteilung, ob und wie wir den Tag direkt im Fahrzeug verbauen könnten. Bisher wird die RFID-Technologie als Produktionswerkzeug verstanden, das dem Design der Fahrzeuge folgen muss. Wir sagen: Der RFID-Tag ist kein reines Produktionstool, sondern sollte als Komponente begriffen werden, die wie ein Sitz oder Lenkrad von Beginn an fester Bestandteil des Designs ist!“

Die Zukunft: Mehrwerte von RFID im After Sales Service nutzen

Ein gewichtiges Argument spricht aus Sicht des RFID-Experten dafür: „Bereits jetzt tragen rund drei Millionen Pkw der Marke Volvo einen Transponder, sodass rein technisch die Voraussetzung gegeben ist, den Tag auch für den After-Sales-Service zu nutzen“, erklärt Jacquet und führt aus: „Solange der Tag jedoch nicht als Teil des Fahrzeuges betrachtet wird, wird ein Händler diesen nicht nutzen und es entsteht kein Mehrwert für Kunden“. Ob das Thema Datenschutz ein potenzielles Gegenargument sei? Nein, meint Yvan Jacquet. „Volvo speichert nur die 7-stellige Seriennummer des Fahrzeuges auf dem Tag. Alle Karosseriedaten liegen in der zentralen Datenbank. Allerdings wird die Gewährleistung des sicheren Zugriffs der Autohändler auf diese Datenbank eine wichtige Aufgabenstellung für die Zukunft sein.“ Für eine flexiblere Nutzung der RFID-ID in nachgelagerten Prozessen wie der Lokalisierung in der Fahrzeugdistribution – Zwischenlagerung und Verladung – denke man bei Volvo auch über ein RTLS-System nach.

Nutzung der IDs getaggter Stoßfänger als Option?

Bereits in Stoßfänger integrierte RFID-Tags von Zulieferern in der Endmontage für die kontinuierliche Identifikation über die gesamte Fertigung zu nutzen, ist ebenfalls eine Option, die das Team um Yvan Jacquet untersucht. Aktuell läuft in Gent ein RFID-Projekt mit dem Zulieferer Plastal (jetzt Faurecia), in dem Volvo Cars testet, wie die Tag-ID des Stoßfängers in der Produktion eingesetzt werden kann. Dieses Projekt sei jedoch langfristig angelegt und eine volle Integration erst in zwei bis drei Jahren für die neuen Fahrzeugmodelle realisierbar. Doch der Automobilhersteller denkt bereits voraus: „Wir müssen uns heute damit auseinandersetzen, dass die Zahl der getaggten Teile durch Zulieferer sehr schnell ansteigen kann – nicht nur für Stoßfänger, sondern auch in der gesamten Fabrik.“

Welchen Weg geht Volvo bei Standards?

Volvo selbst plane ebenfalls Subkomponenten zu taggen, wie Jacquet erklärt. „Bisher ist die Zahl der getaggten Subkomponenten insgesamt gering, aber sie könnte sich bereits innerhalb weniger Monate oder Jahre erhöhen – ohne es zu wissen befinden sich dann viele verschiedene IDs im Fahrzeug“, so Jacquet. Dass Volvo eine proprietäre Datenstruktur verwendet und keinen EPC-Code hält der RFID-Experte mit Blick auf die Standardisierung für unproblematisch. „Das einzige, was theoretisch passieren könnte ist, dass irgendwo auf der Welt eine doppelte ID auftaucht. Das Risiko ist jedoch rein statistisch gesehen höchst gering.“

Letzte Änderung am Dienstag, 17 November 2015 12:38
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