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OPC Foundation

Wo stehen Industrie 4.0 und OPC-UA im Herbst 2015?

Artikel | von OPC Foundation | 23. November 2015

Industrie 4.0 und OPC-UA

„Der eingeschlagene Weg ist richtig. Jetzt muss das Marketing nachziehen, um Erfolge sichtbar und nutzbar zu machen.“

Ist die Vision der Industrie 4.0 in Deutschland und Europa auf einem erfolgreichen Weg? „Ja und nein“, lautet die Antwort von Stefan Hoppe, Präsident der OPC Foundation Europe: „Ja deshalb, weil in den vergangenen drei Jahren insbesondere in Deutschland viel erreicht wurde was Projekte, Forschungen und Umsetzungen betrifft. Nein, da das Erreichte leider nicht so kommuniziert und in die Industrie hineingetragen wird, wie es für die nächsten Schritte nötig wäre.“ Was bislang erreicht wurde und wo die Industrie 4.0 heute auch im internationalen Umfeld steht, darüber sprach Stefan Hoppe mit „RFID im Blick“. Auch zeigt er auf, wie OPC-UA als Schnittstelle Integrationen von Industrie-4.0-Anwendungen beschleunigen kann.

Stefan Hoppe, Präsident, OPC Europe, im Gespräch mit „RFID im Blick“

Herr Hoppe, von außen betrachtet scheint zum Thema Industrie 4.0 nicht viel voranzugehen. Es wird viel darüber geschrieben und gesprochen, ohne das Konkretes bekannt wird. Täuscht dieser Eindruck?

Ja, der Eindruck täuscht leider. Leider deshalb, weil wir uns in Deutschland und Europa schwer tun, erzielte Erfolge auch entsprechend zu kommunizieren und zu vermarkten. Was das Marketing betrifft, sind uns andere Initiativen wie das IIC (Industrial Internet Consortium) aus den USA sicherlich voraus. Dabei stellt sich das Bild aus meiner Sicht sogar umgekehrt dar: In Deutschland wurden in den letzten drei Jahren unzählige Projekte und Spitzencluster gestartet, Forschungsinitiativen vorangetrieben und Anwendungen konkret umgesetzt. Technologisch muss sich Industrie 4.0 in keiner Weise verstecken – dennoch werden die Aktivitäten anderer oftmals als erfolgreicher wahrgenommen, leider auch von Teilen der deutschen Politik und Wirtschaft. Dies zeigt, dass die Plattform Industrie 4.0 im Bereich Marketing noch Luft nach oben hat: Dokumente sind schwer zu finden, Übersetzungen kommen spät – generell sollte man alle Aktivitäten mal zentral auflisten.

Stefan HoppeStefan Hoppe „Unter der Vision der Industrie 4.0 sind in Deutschland unzählige Projekte gestartet, Forschungsinitiativen wurden vorangetrieben und Anwendungen konkret umgesetzt. Diese Erfolge müssen jetzt schleunigst in der Öffentlichkeit kommuniziert werden, damit alle Beteiligten partizipieren können.“
“Industrie 4.0 ist längst kein originär deutscher Begriff mehr. Weltweit wird er genutzt – und zwar mit ‘ie’ und nicht mit ‘y’!”

Aus technologischer Sicht, was kann sich die Industrie 4.0 von ihrem US-amerikanischen Pendant abschauen?

Es ist spannend wie unterschiedliche Kulturen auch unterschiedlich Herausforderungen angehen, unfair überspitzt: In Amerika initiiert, sammeln Hersteller im Verbund basierend auf bestehenden Produkten mit sogenannten Testbeds schnell Erfahrungen – ob isolierte Entwicklungen dann in der Gesamtheit zum großen Ziel führen werden. Und genauso unfair: In Deutschland bilden wir erst viele Gremien und überlegen uns ganz lange, was genau wir lösen wollen und wie, die Forschungsprojekte hier sind aber technologisch getrieben. Die geografische „Größe“ hier ermöglicht einen schnelleren, häufigeren Austausch – „keine Woche ohne Industrie-4.0-Meeting“. Und: Im Gegensatz zu Amerika haben global erfolgreich agierende Unternehmen wie SAP oder Siemens erkannt, dass der Weg in die industrielle Zukunft nur über offene Standards und Schnittstellen funktionieren kann.

Wo steht die Industrie 4.0 heute? Wie können Unternehmen von den Möglichkeiten, die sich ihnen bieten, profitieren?

Eigentlich steht die Industrie 4.0 gut da. Die Plattformteilnehmer haben viel Arbeit in Konzepte sowie praktische Anleitungen und Hinweise investiert. Hervorheben möchte ich insbesondere das Referenzarchitekturmodell RAMI 4.0. Mehr als die Hälfte der Dokumentation befasst sich mit konkreten Handlungsempfehlungen zur Umsetzung sowie Standards, auf welche sich Unternehmen, die Anwendungen implementieren möchten, verlässlich stützen können. Im RAMI 4.0 ist OPC-UA als Empfehlung für die Kommunikation gelistet. Das zeigt das Vertrauen der Plattformteilnehmer in diesen Schnittstellenstandard.

Führt eine solche Empfehlung nicht auch zu einem Druck in den Unternehmen, nur diese eine Schnittstelle nutzen zu können?

RAMI 4.0 hilft, dass Industrieunternehmen sich Gedanken machen warum OPC UA gelistet wurde für die Kommunikation. Unser Auftrag ist daher, Aufklärungsarbeit zu leisten dass OPC-UA mehr als nur ein Protokoll ist, sondern Funktionen und Schnittstellen von Maschinen beschreibt sowie welcher Teilnehmer einer Industrie- 4.0-Anwendung Zugang zu welchen Inhalten hat. Kommuniziert wird über unterlegte Protokolle. Diese werden aktuell erweitert, sodass interessierte Unternehmen das für sie individuell beste Protokoll nutzen können. Microsoft hilft massiv in der OPC Foundation, den Transportlayer um das Advanced Message Queuing Protocol (AMQP) zu erweitern. So werden Einsatzszenarien und die Flexibilität von OPC-UA permanent erhöht.

Wird eine zunehmende Verbreitung von OPC-UA die Integration von RFID fördern?

Absolut. Mit dem Einsatz von OPC-UA als Schnittstelle, beispielsweise zwischen RFID-Reader und Unternehmensnetzwerk, kann der Kommunikationsweg über die Steuerung eingespart werden. Generell werden Integrationskosten gesenkt. Gleichzeitig ist OPC-UA für Gerätehersteller eine optimale Möglichkeit, sich von Marktbegleitern zu differenzieren, die auf eine eigene proprietäre Systemstruktur setzen, um Kunden so an sich zu binden. Unternehmen, die OPC-UA nutzen, können sich als offenes, standardisiertes und mit flexiblen Schnittstellen versehenes Unternehmen präsentieren. Um diesen Weg zu gehen, ist die Unternehmensstruktur in Deutschland aus meiner Sicht optimal aufgestellt. International agierende Großkonzerne werden angetrieben von innovativen und flexiblen Mittelständlern. Durch Kooperationen zwischen Konzernen und Mitbewerbern bei der Entwicklung von Schnittstellen könnte eine neue Dynamik entstehen Ideen und Innovationen aus dem Mittelstand finden so ihren Weg auf die internationale Ebene.

Sie haben bereits Unternehmen genannt, die sich in die Weiterentwicklung der Industrie 4.0 aktiv einbringen. Sind das auch die Player, welche die deutsche und europäische Industrie in die „Datenzukunft“ bringen?

Das lässt sich nicht auf ein oder zwei Unternehmen begrenzen. Und das ist das Schöne an unserer Industriekultur: Weltweit führend ist Deutschland nicht durch ein einziges starkes Unternehmen geworden, sondern durch die Vielzahl sehr erfolgreicher Unternehmen. Mittelständler, aber auch kleinste Spezialfirmen, verfügen über ein extrem gutes technisches Know-how. Über viele Jahre hinweg haben sie ihre Prozesse bis ins kleinste Detail optimiert, kennen ihren Markt sehr gut. Daher ist die Last zur Gestaltung der Zukunft auf vielen Schultern verteilt. Doch trotz aller positiven Entwicklung bedarf es auch eines kritischen Blicks auf die zunehmende Vernetzung.

Also doch keine Industrie 4.0, in der jede Maschine mit allen Objekten kommunizieren wird?

Das ist der Gedanke des Internet of Things und nicht der Industrie 4.0. Diese Unterscheidung ist wichtig, damit die Vision der Industrie 4.0 gewinnbringend umgesetzt werden kann. In der deutschen Industriekultur besteht der Grund zur Annahme, dass sich die Konkurrenz ausgelesene Maschinendaten zunutze machen könnte. Die Sorge vor Plagiaten und damit vor dem Know-how-Verlust ist real. In der Industrie 4.0 wird jedoch ein großes Augenmerk auf die Sicherheit bei der Weitergabe von erfassten Daten gelegt. In der US-amerikanischen Industriekultur hingegen ist die Skepsis gegenüber dem Einspeisen von Daten in die Cloud nahezu nicht existent. Der Security-Gedanke von OPC-UA hat daher ein großes Potenzial, der Industrie 4.0 zu einer führenden Rolle zu verhelfen.

Letzte Änderung am Dienstag, 24 November 2015 10:02
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