• Anwendungsbereich







    Keine Auswahl

    Schlagwortsuche
    Technologie






RFID im Blick

Europäisches RFID-Konzept von Trafikverket für eine grenzübergreifende und intermodale Transportkette

Use Cases | von PR RFID & Wireless IoT Global | 08. Dezember 2015
Intermodaler Transport: Schienengüterverkehr mit Anbindung an Häfen Intermodaler Transport: Schienengüterverkehr mit Anbindung an Häfen BILD: Swedish Transport Administration

Swedish Transport Administration plant den Ausbau eines UHF-Track & Trace-Systems – Vom Informationsaustausch könnten auch europäische Bahnorganisationen sowie Häfen profitieren

Auf welchem Zug sind die Güter und wo? Befinden sich die Waggons in Schweden oder den Niederlanden? Oder droht ein Schaden durch überhitzte Räder? – der Austausch dieser Informationen ist für alle Beteiligten im Schienengüterverkehr relevant. Das schwedische Zentralamt für Verkehrswesen Trafikverket setzt dabei auf ein ganzheitliches Konzept – basierend auf RFID-Standards – und geht sogar noch weiter: Das Ziel ist ein grenzübergreifendes Informatiossystems, von dem auch Häfen profitieren könnten, denn in intermodalen Transportketten ist die Bahn auch die zentrale Schnittstelle zu Seehäfen oder Hinterland-Terminals.

Karl Åkerlund, RFID Project Manager, Swedish Transport Administration, und Gunnar Ivansson, LearningWell, im Interview mit „RFID im Blick“

Auf seinem landesweiten Streckennetz von 13.000 Kilometern hat die Swedish Transport Administration bereits seit einigen Jahren ein UHF-Trackingsystem für Waggons implementiert. Aktuell befindet sich das System in einer weiteren Ausbaustufe – auch eine Anbindung bis zum Hafen von Göteborg ist bereits geplant.

Ganzheitliches Track & Trace-Konzept

Trafikverket hat ein System von mehr als 180 UHF-Lesegeräten bereits auf seinem Streckennetz installiert. Seit Januar 2015 tragen fast 4.000 Schienenfahrzeuge RFID-Transponder. „Aktuell sind 150 weitere Lesepunkte innerhalb des nächsten Jahres geplant“, berichtet Gunnar Ivansson, Consultant bei der Agentur LearningWell, die Trafikverket bei der Implementierung der Lösung unterstützt hat. „Bisher sind rund 25 Prozent der Schienenfahrzeuge getaggt, unser Ziel ist es jedoch noch weitere Unternehmen zu involvieren, die ihre Waggons mit RFID-Tags ausstatten“, so Karl Åkerlund, RFID-Projektmanager bei der Swedish Transport Administration. Die Idee ist, ein Datenerfassungs- und Informationsnetzwerk aufzubauen, dass Bahnbetreibern, Transportunternehmen und Kunden wichtige Daten von der Wartung bis zum Frachttransport als Dienstleistung zur Verfügung stellt.

RFID – Von der Wartung bis zur Logistik

Das RFID-System beinhaltet das Condition Monitoring von Rädern und Achsen, um durch genaue Messungen mittels Druckoder Temperatursensoren Schäden an den Komponenten präventiv vorzubeugen. Einerseits würden dadurch die Sicherheit sowie das Qualitätsmanagement für den Transport von gefährlichen Gütern verbessert und die Wartungskosten reduziert. Andererseits sei aber auch ein logistischer Aspekt interessant.

„Beim Erfassen der RFID-Tags an den Lesepunkten können wir genau nachverfolgen, wie der Zug mit den verschiedenen Wagen zusammengestellt ist und mit welcher Orientierung diese ankommen – dies ist wichtig, da einige Waggons nur von einer Seite beladen werden können – und vor allem, wo sich die Waggons befinden“, erklärt Åkerlund. Waggon-Eigner könnten mit diesem Wissen ihre eigenen Prozesse optimal planen.

Europäisches Konzept

Karl ÅkerlundKarl Åkerlund Trafikverket geht jedoch noch einen Schritt weiter und plant den Aufbau internationaler Kooperationen für grenzübergreifende Verkehre: „Der Schienenverkehr in Europa ist international – rund 60 Prozent aller Waggons kommen aus anderen europäischen Städten. Daher wurde von vornherein auf einen globalen Ansatz und globale Standards gesetzt“, betont Åkerlund. Die Tag- und Readerkommunikation basiert auf EPC-Standards, der Informationsaustausch auf EPCIS. Die Organisation glaubt, dass das Konzept nicht nur in Schweden, sondern in ganz Europa Einsatz findet. Auch die Finish Transport Administration (FTA) hat zahlreiche Reader nach demselben Standards installiert. In Deutschland betreibe die Deutsche Bahn bereits einen Pilotversuch mit dem Plan, dasselbe Konzept aufzubauen. „Unser Ziel ist der internationale Informationsaustausch darüber, wo sich die Waggons aktuell befinden“, so Åkerlund.

Auch Seehäfen in das Informationssystem einbinden

Darüber könnten die erfassten Informationen auch Terminals oder Hafenbetreibern zur Verfügung gestellt werden. Im Hafen von Göteborg befindet sich ein RFID-Lesepunkt bereits in einem Pilotprojekt im Testbetrieb. Ebenfalls unterstützt Trafikverket die staatliche niederländische Organisation Prorail in einem Projekt bei der RFID-Installation in ihren Streckennetz sowie dem Informationsaustausch mit dem Hafen von Rotterdam. Das Ziel ist das Tracking & Tracing der Gütertransporte in Schweden, die Verladung am Hafen in Göteborg und die Übergabe an die niederländische Bahn. „Auch Seehäfen können zukünftig von einem RFID-basierten Informationssystem profitieren“, so Gunnar Ivansson: „Ein wesentlicher Nutzen ist beispielsweise die korrekte Zugbildung der Verkehre, die in dem Hafen beziehungsweise Terminal ankommen. Häfen oder Terminals können zudem vorab über die ankommenden Züge und Zug-Zusammensetzung informiert werden und dadurch ihre Planung optimieren.“ Neben Häfen hätten aber auch andere Industrien ähnliche Vorteile und würden die Informationen in gleicher Weise nutzen.

Letzte Änderung am Dienstag, 08 Dezember 2015 11:24
Das Fachmagazin „RFID im Blick“
Fachmagazin „RFID im Blick“Das ganze Spektrum von RFID, NFC, Smart Cards, BLE und Wireless IoT
Recherchiert, innovativ, praxisorientiert, am Puls der Zeit!