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Die Revolution in der Medikamentenkennzeichnung?

Artikel | von eAgile | 05. April 2016
Die Intelligenz in der Verschlusskappe: Das RFID-Inlay in der ‚eSeal‘-Verschlusskappe wird zur Schnittstelle zwischen dem Produkt und der Supply- Chain – von der Produktion bis zum Endkunden. Die Intelligenz in der Verschlusskappe: Das RFID-Inlay in der ‚eSeal‘-Verschlusskappe wird zur Schnittstelle zwischen dem Produkt und der Supply- Chain – von der Produktion bis zum Endkunden. BILD: eAgile

Mit einem RFID-Inlay in der Verschlusskappe wird die Supply Chain von Medikamenten sicherer. Kann ein hybrider Chip die Kundeninteraktionen zusätzlich verbessern?

Verschlusskappen sind unscheinbare Alleskönner. In puncto Design, Sicherheit und Funktion sind sie das i-Tüpfelchen eines Produktes. Ob in der Lebensmittel-, der Kosmetik- oder der Medizinbranche – Verschlusskappen halten frisch, sauber und dichten ab. Sicherheit bieten Verschlusskappen aber nicht nur für den Inhalt einer Verpackung, sondern buchstäblich auch als Echtheitssiegel. Wie das geht? Darüber sprach „RFID im Blick“ mit eAgile-CEO Gary Burns. Mit einem RFID-Chip in der Verschlusskappe will das Unternehmen ein bislang nicht realisierbares Sicherheitslevel in die Pharma-Supply-Chain bringen. Und das bei gleichzeitiger Vermeidung von umfangreichen Prozessänderungen oder -anpassungen. Doch eAgile hat nicht nur Optimierungen in der Supply-Chain im Blick, sondern fokussiert zusätzlich auf die Verringerung von Medikamentenfälschungen sowie einen verbesserten Service für den Endkunden.

Gary Burns, CEO, eAgile, im Interview mit „RFID im Blick“

Das Image der Pharmabranche

Die Pharmabranche kämpft mit vielen Herausforderungen: Produktfälschungen, Verluste in der Lieferkette durch illegale Abzweigungen und Authentifizierungsschwierigkeiten für den Endkunden. eAgile setzte sich bereits 2010 zum Ziel diese Herausforderungen mit nur einer Lösung zu bewältigen – auf Basis von RFID. „Ein Barcode ist im Grunde eine gute Lösung für zahlreiche Prozesse in der Supply Chain, jedoch gerät die optische Kennzeichnung bei einigen Anforderungen an Grenzen“, so Gary Burns. „Die Hauptgründe dafür sind, dass ein Barcode immer außen am Produkt oder an der Verpackung aufgebracht ist. Das eröffnet beispielsweise Fälschern die Möglichkeit, den Barcode zu kopieren – und Fälschungen sind nur eines der zahlreichen Probleme im weltweiten Pharma-Markt.“

Am Anfang steht eine einfache Kappe

„Unser Ansatz bei der Entwicklung des ‚eSeals‘ war es, ein bislang nicht zu erreichendes Sicherheitslevel in die gesamte Supply- Chain zu bringen und zwar von der Herstellung bis zum Endkunden“, beschreibt Gary Burns den Start der Entwicklung in 2010. „Im Fokus stand dabei eine Lösung mit höchstem Sicherheitsniveau bei geringen Kosten für die Integration. Auch sollten Prozesse in der Fertigung und Distribution nicht beeinflusst werden. Eine einfach zu realisierende Integration ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg.“

Gary BurnsGary Burns „Das ‘eSeal’ verhindert effektiv Fälschungen und illegale Abzweigungen aus der Supply-Chain, ohne das eigentliche Produkt oder die Verpackung zu verändern. Mehr noch: Es bietet Komfortvorteile für den Endkunden.”

Der Tag im Deckel

Im Mittelpunkt der von eAgile entwickelten Lösung steht das ‚eSeal‘ – eine Verschlusskappe mit integriertem RFID-Inlay. „Die Idee mag simpel klingen, doch es ist aus unserer Sicht eine Lösung die mit Abstand die zahlreichsten Vorteile in der Supply-Chain bietet“, sagte Gary Burns. Das ‚eSeal‘ besteht zunächst aus der eigentlichen Verschlusskappe aus Kunststoff. In die Kappe wird ein Inlay mit einer Aluminium-Antenne auf einem PET-Träger eingebracht. Dann folgen die Bestandteile der Versiegelung bestehend aus verschiedenen Folien und Papiereinlagen. „Bei der Wahl des zu verwendenden Chips und der RFID-Frequenz, kann je nach benötigtem Mehrwert aus verschiedenen Kombinationen gewählt werden“, beschreibt Gary Burns die flexiblen Gestaltungsmöglichkeiten.

7.000 Flaschen in 2 bis 3 Sekunden erfasst

Nach rund fünf Jahren Entwicklungszeit konnte eAgile die ‚eSeal‘-Lösung in 2015 erstmals mit mehreren Pharma-Unternehmen testen. Das Ergebnis: Die Funktionalität ist auch bei voller Geschwindigkeit der Produktion gewährleistet. „Wir können ein Komplettsystem liefern, das bestehende Prozesse nicht beeinflusst, aber dennoch optimiert. Außer, dass RFID-Hardware im Bereich der Abfüllanlage in der Produktion installiert werden muss, kann die Produktion unverändert weiterlaufen. Auf Palettenebene haben wir mehr als 7.000 Flaschen in maximal zwei bis drei Sekunden vollständig erfasst“, berichtet Gary Burns. Die positiven Testergebnisse haben dazu geführt, dass ein Kunde aus der Pharma-Branche seit Januar 2016 bereits 2,5 Millionen ‚eSeals‘ eingesetzt hat.

Erneute Zulassung nicht notwendig

Identifikationslösungen, welche die Verpackung eines Produktes verändern, indem die Form vergrößert wird oder zusätzliche Label angebracht werden, bedürfen in den meisten Staaten weltweit einer gesonderten Zulassung. „Mit dem ‚eSeal‘ wird weder die Verpackung noch das Produkt verändert. In den Verschlusskappen kommen exakt die gleichen Materialien zum Einsatz, wie ohne das ‚eSeal‘. Somit müssen beispielsweise Medikamentenhersteller, die unsere Lösung einsetzen möchten, keine aufwendige und kostenintensive Neuzulassung für die Produktverpackung durchlaufen“, erläutert Gary Burns und fügt an: „Auch kommt das ‚eSeal‘ in keiner Phase der Produktion oder anschließenden Lieferkette mit dem in der Verpackung befindlichen Medikament in Berührung.“

Sichere Serialisierung inklusive

Pharma-Produkte müssen serialisiert werden, um nachvollziehbare Lieferketten zu gewährleisten. „In den Grundzügen ist ein Barcode durchaus für die Serialisierung geeignet und der Gesetzgebung ist mit einem optisch lesbaren Code auch genüge getan. Wird ein Barcode jedoch kopiert und auf ein gefälschtes Produkt aufgebracht, kann dieses dennoch in den regulären Verkauf gelangen“, erläutert Gary Burns und führt aus: „Das Überprüfen und Abgleichen der serialisierten Daten ist kaum für jedes der unzähligen im Weltmarkt befindlichen Produkte realistisch möglich. Die Informationen auf dem RFID-Chip im ‚eSeal‘ sind nicht ohne weiteres kopierbar. Wir nutzen der Kreditkarten-Branche ähnliche Kryptografie.“

Echtheitsprüfung mit dem Smartphone

Obwohl das ‚eSeal‘ erst seit Januar 2016 auf dem Markt ist, wird es noch in diesem Jahr ein entscheidendes Update für einen deutlich erweiterten Funktionsumfang geben, blickt Gary Burns voraus: „Während der Entwicklung der RFID-Verschlusskappe entstand die Idee, dass Endkunden mit einem Smartphone beispielsweise die Echtheit eines Medikamentes bequem und sicher zu Hause prüfen könnten. Dafür wäre NFC ideal geeignet. Doch für die Supply-Chain-Prozesse braucht es vornehmlich UHF-Inlays, um hohe Lesereichweiten und Pulkerfassungen von mehreren hundert Produkten in wenigen Sekunden zu ermöglichen.“ Die Lösung: ein hybrider NFC/UHF-Chip. Diesen gab es jedoch zu Beginn der Entwicklung in 2010 noch nicht. „Wir haben mit Chip-Herstellern gesprochen und EM Microelectronics war bereit, einen solchen Chip zu entwickeln“, so Gary Burns. „Ein marktreifer Chip wurde im vierten Quartal 2015 vorgestellt und wir werden noch in diesem Jahr hybride Verschlusskappenlösungen anbieten.“

Nahezu unendliches Marktpotential

Dass es sich bei Verschlusskappen auf den ersten Blick um einen Nischenmarkt handeln könnte, widerlegt Gary Burns mit einem Blick auf die Produktionszahlen. „2014 wurden 944 Milliarden Verschlusskappen weltweit produziert und verkauft. Die Nachfrage wächst pro Jahr um rund vier Prozent, sodass sich dieser Markt in 2016 mehr als einer Billion Stück annähert. Wenn eAgile mit ‚eSeal‘ nur ein Prozent dieses globalen Marktes erreichen kann, liegt das Potenzial bei zehn Milliarden RFID-Verschlusskappen pro Jahr. Diese Anzahl entspricht in etwa der Anzahl aller weltweit jährlich verkauften RFID-Transponder.“ 2016 will eAgile rund 25 Millionen RFID-Verschlusskappen produzieren. „Die Anzahl kann jedoch schnell auf bis zu 50 Millionen ansteigen, da es nachhaltiges Interesse aus dem Markt gibt. Und das nicht nur aus der Pharma-Branche. Auch für die Lebensmittelindustrie oder die Kosmetik-Branche bietet ‚eSeal‘ exakt die gleichen Vorteile wie im Pharma-Umfeld.“

Letzte Änderung am Dienstag, 05 April 2016 14:23
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